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Ziel
des Hauptseminars war es, die Studierenden in einem ersten Seminarteil
mit aktuellen Forschungsdiskussionen zur Reformationsgeschichte
vertraut zu machen und vor diesem Hintergrund im zweiten Abschnitt
danach zu fragen, inwieweit (oder eben auch nicht) die im www vorhandenen
Ressourcen für die eigene wissenschaftliche Arbeit fruchtbar
gemacht werden können. Es ging also nicht darum, theoretische
Reflexionen über die mit dem Internet einhergehenden Veränderungen
geschichtswissenschaftlicher Erkenntnismöglichkeit anzustellen.
Vielmehr sollte ganz praktisch für einen ganz spezifischen
Themenbereich, eben die Reformationsgeschichte, zu einer Einschätzung
darüber gelangt werden, ob die Internet-Angebote einen substantiellen
Beitrag zur aktuellen Forschungsdiskussion zu leisten vermögen
und hilfreich für die eigene wissenschaftliche Arbeit sein
können.
In
der ersten Seminarsitzung wurde an die StudentInnen ein Fragebogen
ausgeteilt, der sowohl eine Einschätzung ihres Kenntnisstandes
zur Reformationsgeschichte erlauben als auch den Umgang mit dem
neuen Medium vor Seminarbeginn erheben sollte. Wiewohl sich (beinahe
erwartungsgemäß) das Vorwissen
als nicht sehr ausgeprägt und vielschichtig darstellte, erwies
sich dieses Manko, dank der engagierten Arbeit der SeminarteilnehmerInnen,
für den weiteren Verlauf des Seminars als wenig gravierend.
Überraschend für uns war, als wir den Internet-Teil
des Fragebogens auswerteten, daß, auch wenn die Studierenden
die Möglichkeiten des Mediums Internet für ihr Studium
sehr hoch einschätzten, diese Einschätzung nicht mit einer
intensiven Nutzung des Mediums korreliert. Vier SeminarteilnehmerInnen
hatten vor Seminarbeginn Inhalte für das www aufbereitet.
Vor
dem Hintergrund dieser Ergebnisse erwies sich die Seminarkonzeption
sinnvoll, neben einer inhaltlich einführenden Stunde, in welcher
räumlich wie zeitlich das dem Seminar zugrundeliegende Verständnis
der Reformation als historischer Epoche erarbeitet wurde, eine allgemeine
Einführung in das Medium Internet im "Zentrum für
Datenverarbeitung" der Universität Tübingen anzusetzen.
Bestandteil
der ersten beiden einführenden Sitzungen war es auch, Arbeitsgruppen
zu den drei Themenbereichen zu bilden, die im Rahmen des Seminars
exemplarisch behandelt werden sollten, um Einblicke in die aktuelle
Forschungsdiskussionen zu bekommen. Eher auf methodische Fragen
zielte der erste, historiographiegeschichtlich orientierte Themenbereich,
der zweite bezog verstärkt die theologische Geschehensdimension
ein und der dritte wollte am Beispiel des Phänomens "Bildersturm"
neue, kulturgeschichtlich inspirierte Zugangsweisen zur Reformationsgeschichte
exemplarisch veranschaulichen. Jeweils zwei Sitzungen standen für
jeden Themenbereich zur Verfügung, in deren erster auf der
Grundlage eines von allen Studierenden zu lesenden "Basistextes"
die Voraussetzungen geschaffen wurden, das Expertenwissen einzuordnen,
das von der jeweiligen Arbeitsgruppe in der zweiten Sitzung in den
Diskussionsprozeß eingespeist wurde. Den Arbeitsgruppen oblag
auch die Aufgabe, die im Seminar geführten Diskussionen knapp
zusammenzufassen.
Vor
dem Hintergrund des dergestalt erarbeiteten Wissens präsentierten
dann die einzelnen Arbeitsgruppen nach einem vorgegebenen Kriterienkatalog
im zweiten Teil des Seminars im ZDV ihre "Funde" im www.
Inhaltlich konzentrierten sie sich dabei jeweils auf den thematischen
Komplex, mit dem sie sich zuvor vertraut gemacht hatten. Das heißt:
Die erste Arbeitsgruppe stellte Suchstrategien und übergreifende
Angebote zur Reformationsgeschichte vor, die zweite machte sich
auf die Suche nach Informationen zu einzelnen Theologen, auch zu
katholischen und den "Dissenters" und versuchte am Beispiel
"Bayern in der Reformationszeit" der Frage nachzugehen,
ob zum Verhältnis von kirchlicher und weltlicher Ordnung in
der Reformationszeit Material zu erheben ist. Die dritte Arbeitsgruppe
war bemüht, neben Internet-Angeboten zum Bildersturm auch solche
ausfindig zu machen, in denen sich kommunikations-, sozial- und
geschlechtergeschichtliche Zugangsweisen niederschlagen.
Am
Ende des Seminars stand die gemeinsame Erarbeitung dieses Abschlußberichtes.
In unserem Erfahrungsbericht werden die Protokolle präsentiert,
welche die einzelnen Arbeitsgruppen erstellt haben (II). Zudem wird
der in gemeinsamer Diskussion - nach einem von der Seminarleitung
vorgegebenen Raster - erarbeitete Versuch dokumentiert, aufgrund
der im Seminar am konkreten Thema gewonnenen Erfahrung zu einer
Bewertung des momentanen Stellenwertes des Internets insbesondere
für das Studium des Faches Geschichte zu gelangen (III).
Zum
Abschluß: Ganz herzlichen Dank an das ZDV für die Unterstützung
und insbesondere Dirk Kottke für die engagierte Betreuung!
Dank an die Studierenden, daß durch ihre Bereitschaft zur
engagierten Mitarbeit in diesem arbeitsintensiven Seminar - zumindest
für uns - unsere mittwöchlichen Zusammenkünfte mit
Erkenntnisgewinn in vielerlei Hinsicht verbunden war. Unser Dank
gilt des weiteren Frau Prof. Dr. Gudrun Gersmann und Frau Sabine
Büttner für die Unterstützung unseres Projekts und
für die Möglichkeit, die Ergebnisse im Rahmen des historicum-net
zu präsentieren. Ebenso gilt unser Dank Frau Verena Kasper
für ihr Engagement und ihre Kompetenz bei der Gestaltung und
Erstellung der Website. Auch der Stiftung Schloß Friedenstein
Gotha möchten wir danken, sowie insbesondere Herrn Schäfer,
Leiter des Schlossmuseums, für die kostenfreie Reproduktionserlaubnis
des Einblattdruckes.
Wir danken allen für die gute Zusammenarbeit!
Haug-Moritz,
Holtz
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