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Durchschnittlich
verwandten die Studierenden zur Vorbereitung der beiden jeweils
dreistündigen Präsentationssitzungen sieben Stunden
auf ihre Recherchen. Die Recherchen wurden durchgeführt in
der Zeit zwischen dem 25.06. und 08.07.2003. Die gefundenen urls
[1] wurden präsentiert und einzeln kommentiert. Für
den Erfahrungsbericht wurde eine zusammenfassende Bewertung in
der Diskussion erarbeitet.
Bis
auf www-geschichte.fb15.uni-dortmund.de/fnz finden sich alle im
folgenden genannten urls unter
Eine
deutliche Mehrheit der Seiten (ca. 70%) wird von Universitätsinstituten
aus Deutschland, Österreich, den USA und Kanada bzw. von
Institutionen bereit gestellt, die fachnah verortet sind (Staatsarchiv
Marburg, Haus der bayerischen Geschichte etc.), wobei sich die
Webangebote etwa hälftig auf diese beiden Anbietergruppen
verteilen. Auf Kirchen und kirchennahe Institutionen entfallen
knapp ein Fünftel der Angebote. Privatpersonen und kommerzielle
Anbieter sind nur marginal vertreten.
Im Diskussionsprozeß erwies es sich als schwierig, die Zielgruppe
exakt zu bestimmen, da die meisten Anbieter keine explizite Aussage
über den Adressatenkreis, den sie ansprechen wollen, machen.
Abgesehen von den Geschichtsportale, die sich vorrangig an Wissenschaftler
und Studierende wenden, haben alle übrigen Anbieter den Anspruch,
historisch bzw. theologisch Interessierte generell anzusprechen.
Allein dieser Befund macht schon deutlich, in welch weitreichendem
Ausmaß die Struktur des Mediums, die Idee seiner prinzipiellen
Offenheit, die Art und Weise vorgibt, wie Inhalte präsentiert
werden. Eine geschichtswissenschaftlichen Ansprüchen genügende
Aufbereitung von Inhalten, auf die Studierende zwingend angewiesen
sind, wenn sie sich über ein ihnen nicht vertrautes thematisches
Feld informieren wollen, ist damit bei der überwiegenden
Mehrheit der Angebote nicht gegeben. Das heißt: Momentan
besitzt das Internet allein von seiner Angebotsstruktur her für
das Selbststudium der Studierenden allenfalls einen die "alten"
Printmedien ergänzenden Charakter, es ersetzt sie nicht einmal
ansatzweise. Unter den gefundenen urls befindet sich auch keine
Websites, die Inhalte bereitstellen, die traditioneller akademischer
Lehre entstammen (Vorlesungsskripte etc.) oder diese in Form des
E-Learnings ergänzen. Quellentexte zur Reformationsgeschichte,
die zitierfähig sind, sind kaum vertreten.
Die Qualität der verschiedenen Websites ist ganz unterschiedlich
beurteilt worden; dies hängt eng mit der unterschiedlichen
Struktur, aber auch mit der nicht immer aktuellen Pflege der verschiedenen
Angebote zusammen. Ja komplexer und differenzierter ein Angebot
ist, desto unübersichtlicher ist oft die Bedienung, desto
schwerer gelingt der Einstieg. Eine Lektüre der beigegebenen
Lesehinweise - wie beispielsweise bei pastperfect - vermittelt
zwar wichtige Einsichten in den Aufbau, macht aber zugleich deutlich,
daß sich die Bedienung nur schwer von selbst erschließt.
Internet-Erfahrene kommen mit den Angeboten prinzipiell besser
und schneller zurecht als Einsteiger. Am leichtesten lassen sich
weiterführende Linklisten aufspüren, deren Seriosität
aber nicht immer auf den ersten Blick einzuschätzen ist;
Hinweise auf die von einer Website genutzten Quellen bzw. die
zu ihrer Erstellung verwendete Sekundärliteratur sind selten,
wie sich auch zum Thema keine allgemein zugänglichen Quellen-
und Literaturlisten finden ließen.
Mulitimedia-Möglichkeiten werden auf den Websites bislang
selten genutzt (Ausnahmen: pastperfect; Haus der bayerischen Geschichte).
Die überwiegende Anzahl der Angebote ist stark textorientiert.
Textinterne Hyperlinks sind relativ häufig anzutreffen, nur
wenige Websites arbeiten dagegen mit externen Links, die beispielsweise
eigene Texte mit Bild- bzw. Tonangeboten anderer Anbieter kombinieren.
Am Ende der Diskussion stand die Frage, die den Aufbau des Seminars
bestimmt hatte: Inwieweit stellt das www Informationen bereit,
in denen sich die neuen Fragestellungen widerspiegeln wie sie
die aktuelle reformations-geschichtliche Forschung prägen?
Die Antwort fiel ernüchternd aus. Würde man sich allein
über das www ein Bild dessen verschaffen wollen, was die
Reformationsgeschichte ausmacht, so wäre dies ein Bild, von
dem sich die Forschung seit Jahrzehnten verabschiedet hat: So
dokumentiert die überwältigende Mehrheit der gegenwärtigen
www-Informationen weder die europäische Dimension des Geschehens
noch trägt sie der Tatsache Rechnung, daß Reformationsgeschichte
viel mehr ist als die Geschichte der protestantischen Theologen
und Theologien, die, wie ein Seminarteilnehmer formulierte, "sich
durchgesetzt haben" - die Geschichte der Anfänge der
lutherischen und reformierten Kirche.
Wenig erstaunlich ist es vor diesem Hintergrund, daß die
Studierenden am Ende des Seminars bekundeten, daß sich ihr
Umgang mit dem www nicht grundsätzlich verändern wird.
Wie schon zu Beginn des Seminars zeigten sich die SeminarteilnehmerInnen
vom Nutzen des www als "bibliographisches Hilfsmittel"
überzeugt und betrachteten es als Möglichkeit, sich
zumindest oberflächlich über geschichtswissenschaftliche
Themen zu informieren. Diejenigen TeilnehmerInnen, die schon zu
Beginn des Seminars der Auffassung waren, daß auch kurze
Informationen schneller und besser über die Printmedien erheben
ließen, haben sich in dieser Einschätzung auch durch
das Seminar nicht beirren lassen.
In zweierlei Hinsicht aber veränderte das Seminar doch den
künftigen Umgang mit dem Medium:
a) Eine Mehrheit der TeilnehmerInnen ließ verlauten, das
Informationsangebot im www künftig mit kritischeren Augen
zu betrachten. Das durch das Seminar teils geweckte, teils weiter
beförderte medienkritische Bewußtsein speiste sich
vorrangig aus der gängigen Verlinkungs- und Kommentierungspraxis.
Ein Beispiel: Besonders häufig stießen die Studierenden
bei ihren Recherchen auf den von Laurence Bates von der Michigan
State University betreuten "Reformation guide" (educ.msu.edu/homepages/laurence/reformation/index.htm).
Die Vielzahl der Verlinkungen und zum Teil auch die Kommentierung
der website ließ eine wissenschaftlichen Ansprüchen
genügende inhaltliche Aufbereitung der Reformationsgeschichte
erwarten. So lautet etwa die Kommentierung im historicum.net:
"Systematisch geordnete, aber etwas willkürlich zusammengestellte
Linksammlung zur Epoche der Reformation ..." (http://www.lehre.historicum.net/links/linklist.html;
28.07.03). Bei genauerer Überprüfung aber erwies sich,
daß nicht nur eine Vielzahl der externen Links nicht mehr
aktuell war, sondern daß auch die Inhalte "tendenziös
und eher zur religiösen (bis hin zur nationalen) Bildung
geeignet als wissenschaftlich historisch recherchiert" waren.
(Anne Rüggemeier)
b) Einhellig positiv bewertet hingegen wurde die Möglichkeit,
sich mittels der fachspezifischen Portale über die Entwicklungen
des www im Bereich der Geschichtswissenschaft zu informieren.
Die SeminarteilnehmerInnen waren sich darin einig, daß sie
diese Portale künftig regelmäßig konsultieren
wollen.
Haug-Moritz,
Holtz
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