ERGEBNISSE

Durchschnittlich verwandten die Studierenden zur Vorbereitung der beiden jeweils dreistündigen Präsentationssitzungen sieben Stunden auf ihre Recherchen. Die Recherchen wurden durchgeführt in der Zeit zwischen dem 25.06. und 08.07.2003. Die gefundenen urls [1] wurden präsentiert und einzeln kommentiert. Für den Erfahrungsbericht wurde eine zusammenfassende Bewertung in der Diskussion erarbeitet.

Bis auf www-geschichte.fb15.uni-dortmund.de/fnz finden sich alle im folgenden genannten urls unter

http://www.Bayern.de/HDBG
http://www.cranach.de
http://www.meditatio.org/etext/ ("Project Wittenberg")
http://www.digitales-archiv.net
http://www.educ.msu.edu/homepages/laurence/reformation/index.htm
http://www.fordham.edu/halsall/mod/modsbook02.html
http://www.Geschichte-Bayerns.de
http://www.hab.de/bibliothek/kataloge/index.htm
http://www.home.foni.net/~adelsforschung/index.htm
http://www.iclnet.org/pub/resources/text/wittenberg/wittenberg-luther.html
http://www.luther.edu
http://www.luther.de
http://www.luther-gesellschaft.com/home/index06.htm
http://www.martinluther.de/homef.htm
http://www.melanchthon.de
http://www.niester.de/g_neuzeit/europa/reformation/reformation.html
http://www.pastperfect.at
http://www.pitts.emory.edu/DIA/diavolumes.htm
http://www.reformiert-online.net/t/index.jsp
http://www.Stadtarchiv.Nuernberg.de
http://www.Univie.ac.at/Geschichte/Frauenbriefe/
http://www.Webmuseen.de
http://www.Zwingli.ch


Eine deutliche Mehrheit der Seiten (ca. 70%) wird von Universitätsinstituten aus Deutschland, Österreich, den USA und Kanada bzw. von Institutionen bereit gestellt, die fachnah verortet sind (Staatsarchiv Marburg, Haus der bayerischen Geschichte etc.), wobei sich die Webangebote etwa hälftig auf diese beiden Anbietergruppen verteilen. Auf Kirchen und kirchennahe Institutionen entfallen knapp ein Fünftel der Angebote. Privatpersonen und kommerzielle Anbieter sind nur marginal vertreten.
Im Diskussionsprozeß erwies es sich als schwierig, die Zielgruppe exakt zu bestimmen, da die meisten Anbieter keine explizite Aussage über den Adressatenkreis, den sie ansprechen wollen, machen. Abgesehen von den Geschichtsportale, die sich vorrangig an Wissenschaftler und Studierende wenden, haben alle übrigen Anbieter den Anspruch, historisch bzw. theologisch Interessierte generell anzusprechen. Allein dieser Befund macht schon deutlich, in welch weitreichendem Ausmaß die Struktur des Mediums, die Idee seiner prinzipiellen Offenheit, die Art und Weise vorgibt, wie Inhalte präsentiert werden. Eine geschichtswissenschaftlichen Ansprüchen genügende Aufbereitung von Inhalten, auf die Studierende zwingend angewiesen sind, wenn sie sich über ein ihnen nicht vertrautes thematisches Feld informieren wollen, ist damit bei der überwiegenden Mehrheit der Angebote nicht gegeben. Das heißt: Momentan besitzt das Internet allein von seiner Angebotsstruktur her für das Selbststudium der Studierenden allenfalls einen die "alten" Printmedien ergänzenden Charakter, es ersetzt sie nicht einmal ansatzweise. Unter den gefundenen urls befindet sich auch keine Websites, die Inhalte bereitstellen, die traditioneller akademischer Lehre entstammen (Vorlesungsskripte etc.) oder diese in Form des E-Learnings ergänzen. Quellentexte zur Reformationsgeschichte, die zitierfähig sind, sind kaum vertreten.
Die Qualität der verschiedenen Websites ist ganz unterschiedlich beurteilt worden; dies hängt eng mit der unterschiedlichen Struktur, aber auch mit der nicht immer aktuellen Pflege der verschiedenen Angebote zusammen. Ja komplexer und differenzierter ein Angebot ist, desto unübersichtlicher ist oft die Bedienung, desto schwerer gelingt der Einstieg. Eine Lektüre der beigegebenen Lesehinweise - wie beispielsweise bei pastperfect - vermittelt zwar wichtige Einsichten in den Aufbau, macht aber zugleich deutlich, daß sich die Bedienung nur schwer von selbst erschließt. Internet-Erfahrene kommen mit den Angeboten prinzipiell besser und schneller zurecht als Einsteiger. Am leichtesten lassen sich weiterführende Linklisten aufspüren, deren Seriosität aber nicht immer auf den ersten Blick einzuschätzen ist; Hinweise auf die von einer Website genutzten Quellen bzw. die zu ihrer Erstellung verwendete Sekundärliteratur sind selten, wie sich auch zum Thema keine allgemein zugänglichen Quellen- und Literaturlisten finden ließen.
Mulitimedia-Möglichkeiten werden auf den Websites bislang selten genutzt (Ausnahmen: pastperfect; Haus der bayerischen Geschichte). Die überwiegende Anzahl der Angebote ist stark textorientiert. Textinterne Hyperlinks sind relativ häufig anzutreffen, nur wenige Websites arbeiten dagegen mit externen Links, die beispielsweise eigene Texte mit Bild- bzw. Tonangeboten anderer Anbieter kombinieren.

Am Ende der Diskussion stand die Frage, die den Aufbau des Seminars bestimmt hatte: Inwieweit stellt das www Informationen bereit, in denen sich die neuen Fragestellungen widerspiegeln wie sie die aktuelle reformations-geschichtliche Forschung prägen? Die Antwort fiel ernüchternd aus. Würde man sich allein über das www ein Bild dessen verschaffen wollen, was die Reformationsgeschichte ausmacht, so wäre dies ein Bild, von dem sich die Forschung seit Jahrzehnten verabschiedet hat: So dokumentiert die überwältigende Mehrheit der gegenwärtigen www-Informationen weder die europäische Dimension des Geschehens noch trägt sie der Tatsache Rechnung, daß Reformationsgeschichte viel mehr ist als die Geschichte der protestantischen Theologen und Theologien, die, wie ein Seminarteilnehmer formulierte, "sich durchgesetzt haben" - die Geschichte der Anfänge der lutherischen und reformierten Kirche.
Wenig erstaunlich ist es vor diesem Hintergrund, daß die Studierenden am Ende des Seminars bekundeten, daß sich ihr Umgang mit dem www nicht grundsätzlich verändern wird. Wie schon zu Beginn des Seminars zeigten sich die SeminarteilnehmerInnen vom Nutzen des www als "bibliographisches Hilfsmittel" überzeugt und betrachteten es als Möglichkeit, sich zumindest oberflächlich über geschichtswissenschaftliche Themen zu informieren. Diejenigen TeilnehmerInnen, die schon zu Beginn des Seminars der Auffassung waren, daß auch kurze Informationen schneller und besser über die Printmedien erheben ließen, haben sich in dieser Einschätzung auch durch das Seminar nicht beirren lassen.

In zweierlei Hinsicht aber veränderte das Seminar doch den künftigen Umgang mit dem Medium:

a) Eine Mehrheit der TeilnehmerInnen ließ verlauten, das Informationsangebot im www künftig mit kritischeren Augen zu betrachten. Das durch das Seminar teils geweckte, teils weiter beförderte medienkritische Bewußtsein speiste sich vorrangig aus der gängigen Verlinkungs- und Kommentierungspraxis. Ein Beispiel: Besonders häufig stießen die Studierenden bei ihren Recherchen auf den von Laurence Bates von der Michigan State University betreuten "Reformation guide" (educ.msu.edu/homepages/laurence/reformation/index.htm). Die Vielzahl der Verlinkungen und zum Teil auch die Kommentierung der website ließ eine wissenschaftlichen Ansprüchen genügende inhaltliche Aufbereitung der Reformationsgeschichte erwarten. So lautet etwa die Kommentierung im historicum.net: "Systematisch geordnete, aber etwas willkürlich zusammengestellte Linksammlung zur Epoche der Reformation ..." (http://www.lehre.historicum.net/links/linklist.html; 28.07.03). Bei genauerer Überprüfung aber erwies sich, daß nicht nur eine Vielzahl der externen Links nicht mehr aktuell war, sondern daß auch die Inhalte "tendenziös und eher zur religiösen (bis hin zur nationalen) Bildung geeignet als wissenschaftlich historisch recherchiert" waren. (Anne Rüggemeier)

b) Einhellig positiv bewertet hingegen wurde die Möglichkeit, sich mittels der fachspezifischen Portale über die Entwicklungen des www im Bereich der Geschichtswissenschaft zu informieren. Die SeminarteilnehmerInnen waren sich darin einig, daß sie diese Portale künftig regelmäßig konsultieren wollen.

Haug-Moritz, Holtz




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