ZEITENWENDE?

Reformation - Beginn der Neuzeit? Reformation als "Zeitenwende" in der deutschen, anglo-amerikanischen und französischen Historiographie


Im folgenden werden sieben Handbücher, die sich mit Reformationsgeschichte befassen, auf ihren Antworten bezüglich der drei Themenfelder des Seminars untersucht. Für jedes Themenfeld wird ein Ranking dargestellt, welches Buch den größten Nutzwert aufweisen kann.


Es handelt sich um folgende Bücher:

  1. Peter Blickle, Die Reformation im Reich, Stuttgart 20003, 264 Seiten (Erstauflage 1982)
  2. Johannes Burkhardt, Das Reformationsjahrhundert - Deutsche Geschichte zwischen Medienrevolution und Institutionenbildung 1517-1617, Stuttgart 2002, 244 Seiten
  3. Heinrich Lutz, Reformation und Gegenreformation, München 19974, 283 Seiten (Erstauflage 1982)
  4. Bernd Moeller, Deutschland im Zeitalter der Reformation, Göttingen 19994, 224 Seiten (Erstauflage 1977)
  5. Horst Rabe, Deutsche Geschichte 1500 bis 1600. Das Jahrhundert der Glaubensspaltung, München 1991, 728 Seiten
  6. Heinz Schilling, Siedler Geschichte Europas: Die neue Zeit - Vom Christenheitseuropa zum Europa der Staaten. 1250 bis 1750, Berlin 1999, 559 Seiten
  7. Winfried Schulze, Deutsche Geschichte im 16. Jahrhundert, Darmstadt 1997, 312 Seiten (Erstauflage 1987)



1. Heinrich Lutz, Reformation und Gegenreformation

Im Einleitungsteil der Darstellung wird dem Leser ein knapper Überblick von Europa zu Beginn des 16.Jahrhunderts geboten. Auf die Frage der Periodisierung wird dann am Anfang des zweiten Hauptkapitels explizit eingegangen (S.111-116); unterschiedliche Periodisierungsvorschläge der Geschichte werden dabei vorgestellt. Wem dies nicht reicht, findet 23 Literaturhinweise (S. 203/204), die sich mit dieser Thematik beschäftigen.

2. Peter Blickle, Die Reformation im Reich
Im Schlusskapitel Die Reformation - eine Epochenwende im Reich? (S.233ff.) bewertet der Autor den Umbruchcharakter der Reformation für das Reich, jedoch nicht für die Geschichtsschreibung allgemein. Dies ist deshalb konsequent, weil sich das ganze Buch um den Komplex "Reich" dreht und nicht den Auftrag hat, eine größer angelegte Betrachtung durchzuführen.

3. Johannes Burkhardt, Das Reformationsjahrhundert - Deutsche Geschichte zwischen Medienrevolution und Institutionenbildung 1517-1617
Der Ausgangspunkt von Burkhardts Beschreibungen über die Reformation (1.Teil des Buches) stellt die Erfindung des Buchdrucks dar, er tituliert diese "neue Kunst" als "…die wahre Vorgeschichte der Reformation…" (S.17). Im Zusammenspiel mit dem Auftritt Martin Luthers und seines Handelns (Bibelübersetzung, etc.) geht mit dem neuen Medium Buch ein Umbruch in der Geschichtsschreibung einher. Die Entwicklung des Buchdrucks wird näher beschrieben und auf den weiteren Verlauf der Ereignisse übertragen. Die Wirkungsgeschichte Luthers wird gewissermaßen medien- und kommunikationswissenschaftlich aufgearbeitet.

4. Heinz Schilling, Siedler Geschichte Europas: Die neue Zeit - Vom Christenheitseuropa zum Europa der Staaten. 1250 bis 1750
Da der Autor die Zeit zwischen 1250 und 1750 aus ganzheitlicher Perspektive betrachtet, wird nicht speziell auf die Reformation als mögliche Zeitenwende eingegangen. Zu seiner spezifischen Vorgehensweise - und warum er gerade nicht eine Aufteilung zwischen dem späten Mittelalter und dem Beginn der frühen Neuzeit macht - nimmt er im Epilog "Von der neuen Zeit und ihren Merkmalen" (S.9ff.) Stellung.

5. Bernd Moeller, Deutschland im Zeitalter der Reformation
Im Resümee zum ersten Kapitel des Buches mit dem Titel "Gesamtgesellschaftliche Krise?" (S.46f.) geht der Autor kurz auf die Deutungsfrage der Reformation als Umbruch ein. Durch die vorhergehende Situationsbeschreibung in Deutschland um 1500 hat der Leser jedoch eine gute Grundlage, um den Verlauf der Reformation für sich bewerten und beurteilen zu können. Erst auf der letzten Seite des Schlusskapitels wird die Umbruch-Frage noch einmal aufgegriffen.

6. Winfried Schulze, Deutsche Geschichte im 16. Jahrhundert
Auf die Frage, ob die Reformation als Beginn der Neuzeit gesehen werden kann oder muss, geht der Autor nur sehr kurz in der Einleitung (S.16/17) ein. Die Frage, der viel mehr nachgegangen wird, beschäftigt sich mit der Stellung des 16.Jahrhunderts allgemein und den Ereignissen, die sich zu dieser Zeit abgespielt haben. Eine Epochendiskussion wird aber nicht geführt.

7. Horst Rabe, Deutsche Geschichte 1500 bis 1600. Das Jahrhundert der Glaubensspaltung
Durch die sehr deskriptive Ausrichtung des Werkes in Bezug auf die Ereignisse im Reich vor, nach und durch die Reformation bleibt die Frage eines Epochenwechsels gänzlich unbeantwortet.



Kommentar von Jan Tielesch