/ historicum.net / Lehren & Lernen / Link-Winks
  Logo

Die Franckeschen Stiftungen zu Halle/Saale

Nr. 35 / 2001  

Resümee:  Neben allgemeinen Informationen werden vor allem Übersichten zu den Erschließungs- und Forschungsaktivitäten der Franckeschen Stiftungen geboten. Bibliothek und Archiv präsentieren auf ihren Seiten eine kleine digitale Edition respektive Recherchemöglichkeiten in Archivbeständen.
URL:  http://www.franckesche-stiftungen.uni-halle.de/
Kategorie:  Forschungseinrichtungen

Die 1698 von August Hermann Francke begründeten und in späterer Zeit nach ihm benannten Stiftungen entwickelten sich im Lauf des 18. Jahrhundert zu einer umfassenden Erziehungs- und Bildungseinrichtung von europäischem Rang. Seit 1992 existieren die Franckeschen Stiftungen wieder als Stiftungen des öffentlichen Rechts, zu deren Auftrag u. a. die Sicherung und Erschließung des reichhaltigen Bibliotheks- und Archivbestandes sowie die historische Erforschung des Pietismus gehören.

Die von der Startseite aus erreichbaren "Allgemeinen Informationen" über die Franckeschen Stiftungen fallen noch sehr karg aus. Sie beschränken sich auf die Angabe der Adresse und eine Liste der Veröffentlichungen seit der Neuerrichtung zu Beginn der 1990er Jahre. Umfangreicher fallen schon die Angaben zu aktuellen Veranstaltungen, zum Freundeskreis oder zur laufenden Jahresausstellung über die Beziehungen zwischen den Stiftungen und Preußen aus. Auch zur Kunst- und Naturalienkammer, die als einzige barocke Wunderkammer bis heute komplett erhalten blieb, finden sich kompakte Erläuterungen. Mit einer Reihe von Fotos wird schließlich der beeindruckende Komplex der Stiftungsbauten in Kurzform vorgestellt.

Von besonderem Interesse sind jedoch die Teilangebote der Bibliothek und des Archivs. Die Bibliothek mit ihrem Altbestand von etwa 57.000 Bänden des 17. und 18. Jahrhunderts wird zu einer internationalen Forschungsbibliothek mit Schwerpunkt auf der Geschichte des Pietismus, der Frühaufklärung und der Kulturgeschichte ausgebaut. Einen Sonderbestand stellt die vom 1762 verstorbenen Inspektor der Waisenhaus-Buchhandlung Jakob Gottfried Bötticher angelegte Porträtsammlung mit etwa 13.000 Blättern dar. Online kann mittels einer Allegro-Datenbank in diesem Bestand gesucht werden. Auf ähnliche Weise lässt sich in der umfangreichen Schulprogrammsammlung sowie in einer Aufsatzdokumentation zur Geschichte des Pietismus recherchieren. Unter der Überschrift "Alte Drucke online" werden schließlich einige kleinere Schriften aus der Frühzeit der Stiftungen sowie ein Inkunabeldruck von 1498 als digitale Editionen präsentiert.

Das Archiv schließlich informiert über seine Geschichte, Tektonik, Erschließungsprojekte und Benutzungsmöglichkeiten. Die bildungsgeschichtlich interessanten Matrikellisten der Lateinischen Schule (1697-1917) sowie des Königlichen Pädagogiums (1695-1870) können online durchforstet werden. Ein großes Erschließungsprojekt ist dem Francke-Nachlass der Berliner Staatsbibliothek gewidmet. In den bislang aufgearbeiteten Beständen kann durch browsenden Zugriff, nicht jedoch mit Hilfe einer Suchmaschine recherchiert werden. Die verschiedenen Teilangebote sind von der Startseite aus auch über die Links Erschließung & Forschung sowie Recherche Online ansteuerbar, was nicht unbedingt zur Übersichtlichkeit beiträgt. Insgesamt jedoch ist die Nutzung der vielfältigen Informationsmöglichkeiten unbedingt lohnend.

[Gregor Horstkemper, 10. September 2001]

Logo