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Bibliopolis: History of the printed book in the Netherlands |
| Nr. 27 / 2003 | Aktualisiert am 13. September 2005 |
| Resümee: | Die "Koninklijke Bibliotheek" in Den Haag präsentiert ein Webangebot zur Geschichte des niederländischen Buchdrucks, in dem Handbuch-Informationen mit mehreren Teildatenbanken (Personen, Abbildungen, Literatur, Glossar u. a.) zu einer sehr gehaltvollen Gesamtdarstellung verknüpft werden. |
| URL: | http://www.kb.nl/coop/bibliop/bibl-html/index_en.html |
| Kategorie: | Themenangebote |
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Die als Nationalbibliothek der Niederlande fungierende "Koninklijke Bibliotheek" (KB) in Den Haag ist sowohl für ihren reichen Bestand an alten Drucken bekannt als auch für ihre offensive Herangehensweise an die neuen Präsentationsmöglichkeiten des Internets. Beide Faktoren zusammen machen die KB zum idealen Ort für ein Online-Angebot zur Geschichte des gedruckten Buches in den Niederlanden. Als Zielgruppe ist nicht nur die interessierte Öffentlichkeit allgemein, sondern ausdrücklich auch die wissenschaftlich zur Buchgeschichte arbeitende Forschung angesprochen. Für die Zuverlässigkeit und das Niveau der Informationen sorgen etwa fünf Dutzend Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler, die unter der Leitung von M.T.G.E. van Delft, M.C. de Niet und C.B.J. de Wolf Beiträge zu diesem Angebot lieferten. Die Webseiten sind das Ergebnis eines vierjährigen Projekts, das von mehreren niederländischen Universitäten und der "Nederlandse Boekhistorische Vereniging" durchgeführt wurde. Einen summarischen Überblick über Ziele des Projekts und die online verfügbaren Inhalte bietet der Link What is Bibliopolis?. Über eine am oberen Bildschirmrand untergebrachte Navigationszeile kann man weitere Informationen abrufen. Der Link Colophon führt z. B. zur Liste der beteiligten Wissenschaftler, während über den Help-Button für alle Unterabteilungen spezifische Nutzungsanleitungen erreichbar sind. Die Sitemap hilft bei der Grundorientierung in der "Bibliopolis". Die Hauptnavigationsspalte ist am linken Bildschirmrand untergebracht und führt zu insgesamt acht Unterabteilungen. Als inhaltliche Einführung in die Thematik ist das von etwa vierzig Autoren erarbeitete Handbook zu empfehlen. Von den fünf chronologisch angelegten Hauptkapiteln weisen drei Frühneuzeitbezug auf. Das 17. Jahrhundert als das niederländische "Goldene Zeitalter" wird z. B. unter dem Titel "Hey-day as centre of world trade" abgehandelt. Wie in den anderen Hauptkapiteln werden die Ausführungen zu vier Themenbereichen gebündelt: Zunächst werden die physischen Eigenschaften der Bücher des jeweiligen Zeitabschnitts behandelt, anschließend die wichtigsten Aspekte der Produktion, der Distribution und des Komsums. Um Überraschungen vorzubeugen muss darauf hingewiesen werden, dass zwar die Kapitelübersichten noch in englischer Sprache gehalten sind, die Texte selbst aber nur auf Niederländisch angeboten werden. Die Texte sind durch Hyperlinks mit weiterführenden Informationen verknüpft. Wer etwa im erwähnten Kapitel zum 17. Jahrhundert den Abschnitt "censuur" ansteuert und dort den Begriff "privilege" anklickt, bekommt in einem Informationskästchen eine kurze Definition dieses Begriffs geliefert. Wer nach wissenschaftlichen Publikation über Druckprivilegien suchen will, kann dem ebenfalls eingeblendeten Link Publicaties over privileges folgen und bekommt eine Reihe von Literaturangaben geboten. Gelegentlich kann auch noch Bildmaterial abgerufen werden, im vorliegenden Fall etwa das Extrakt eines Privilegs aus dem Jahr 1621. Die Integration von Literaturhinweisen und Abbildungen in den Handbuchtext verweist auf zwei weitere Bestandteile dieser Webseite, die auch eigenständig genutzt werden können: Eine Bild- und eine Literaturdatenbank. Über den Link Images erreicht man erstere und kann dort mit Hilfe einer Reihe von Suchfeldern recherchieren. Für einige Felder wird eine Liste der verfügbaren Suchbegriffe angeboten, so dass der Besucher sich z. B. auch einer Klassifikation bedienen kann. Die einfachste Vorgehensweise besteht darin, in das Feld "Any word" einen Begriff wie etwa den Namen der berühmten Druckerfamilie Plantin einzugeben. Als Ergebnis werden in diesem Fall über 50 Treffer ausgeworfen, wobei neben Abbildungen von Plantin-Drucken auch viele Bilder aus dem Antwerpener Museum Plantin-Moretus vorgehalten werden. Während im "Handbook" zahlreiche Begriffe mit Informationen in der Bilddatenbank verknüpft sind, werden umgekehrt zu den einzelnen Bildobjekten auch Verweise auf relevante Kapitel des Handbuchs geliefert. Auf gleiche Weise in das Gesamtangebot integriert ist die Datenbank zu Persons. Recherchiert man hier z. B. im Feld "Name" nach der bekannten Buchhändler- und Druckerfamilie Blaeu, so stößt man u. a. auf Willem Jansz. Blaeu. Neben knappen Allgemeininformationen können Links zur Bild- und zur Literaturdatenbank verfolgt werden. So findet man u. a. ein Porträts des Druckers, die Abbildung einer Druckmaschine mit einer von ihm eingeführten technischen Neuerung sowie mehr als 70 Literaturangaben. Auch die Literaturdatenbank kann über den Link Studies separat angesteuert werden. Wer nicht ohnehin gezielt nach bestimmten Autoren oder Titelstichworten sucht, kann auch hier die erwähnte Klassifikation nutzen. Wählt man etwa "Secondary subjects: Science" aus, bekommt man nach Anstoßen der Recherche über hundert Treffer angezeigt. Mit Hilfe des Links refine search kann man Eingrenzungen vornehmen, z. B. als Gegenstand der Forschungsliteratur das 17. Jahrhundert markieren. Anschließend ist die Trefferzahl auf zwei Dutzend reduziert. Eine Reihe von Aufsätzen wird in digitalisierter Form direkt zugänglich gemacht: gut 200 Texte können über den Link Digitised studies abgerufen werden. Hinter dem Link Books verbergen sich Hinweise auf Suchmöglichkeiten nach in den Niederlanden gedruckten Büchern. In der Abteilung Collections kann nach Sondersammlungen niederländischer Bibliotheken geforscht werden, und der Bereich Auctions ermöglicht die Recherche in einer Datenbank zu Buchauktionen. Von allgemeinerem Interesse ist dann wieder die Komponente Glossary. Hier kann nach Begriffsdefinitionen gesucht werden, wobei für alle Begriffe neben der niederländischen auch eine englische Definition vorliegt. Wer nicht gezielt nach speziellen Begriffen sucht, kann sich über den Link alphabetical list einen Überblick über die mehr als 1.000 verfügbaren Definitionen verschaffen. Schließlich ist es auch möglich, in das bereits auf der Homepage eingeblendete Feld Search einen Begriff einzugeben, und damit alle Teildatenbanken gleichzeit abzufragen. Für den Suchbegriff "Plantin" stößt man auf diese Weise z. B. auf über 280 Treffer in den unterschiedlichen Teilbereichen dieser Webseite. Diese intelligente Verknüpfung zwischen verschiedenen Modulen zeichnet das Webangebot besonders aus, allerdings muss man auch gelegentlich mit Fehlfunktionen oder etwas längeren Reaktionszeiten rechnen. In der Bilddatenbank etwa sollte man sich durch Meldungen über nicht gefundene Abbildungen nicht abschrecken lassen, sondern mehrere Versuche starten. Die Komplexität der Datenbankverknüpfungen scheint also noch ihren Preis zu haben. Es steht aber außer Zweifel, dass das modulare Konzept dieser sehr gehaltvollen Online-Ressource einen zukunftsträchtigen Ansatz darstellt. Wer sich für die Geschichte des Buchdrucks, der Kommunikation oder des Wissens interessiert, sollte der "Bibliopolis" unbedingt einen Besuch abstatten. [Gregor Horstkemper, 7. Juli 2003, zuletzt aktualisiert am 13. September 2005] |
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