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Biblioteca Italiana |
| Nr. 38 / 2003 |
| Resümee: | Eine an der römischen Universität "La Sapienza" angesiedelte digitale Bibliothek macht Werke bekannter und weniger bekannter Autoren als durchsuchbare Volltexte zugänglich. |
| URL: | http://www.bibliotecaitaliana.it/ |
| Kategorie: | Digitale Editionen |
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Die römische Universität "La Sapienza", deren Wurzeln bis ins Jahr 1303 zurückreichen, ist heute nicht nur eine der größten Universitäten Europas, sondern auch ein Zentrum moderner Editionstechniken. Die Ergebnisse der digitalen Aufbereitung kultur- und literaturhistorisch relevanter Werke werden als Volltexte im Rahmen der "Biblioteca Italiana" (BI) präsentiert und um Zusatzmaterialien ergänzt. Als Träger der BI fungieren dabei zwei Projekte, die sich beide dem Aufbau digitaler Bibliotheken verschrieben haben, dabei aber jeweils eigene Akzente setzen und unterschiedliche Instrumente verwenden: Im "Centro interuniversitario Biblioteca italiana telematica" (CIBIT), an dem neben der "Sapienza" ein gutes Dutzend weiterer Universitäten beteiligt ist, werden Texte in einer Weise aufbereitet, die ihre Auswertung unter linguistischen, philologischen, literaturgeschichtlichen, philosophischen oder historischen Fragestellungen erlaubt; zugleich soll der Einsatz moderner Technologien bibliotheksökonomischen Zielen dienen. Das Projekt "Testi Italiani in Linea" (TIL) weist dagegen einen literaturgeschichtlichen Fokus auf, der vor allem der Ermittlung intertextueller Beziehungen zwischen den verschiedenen Werken dienen soll. Um zunächst einen Überblick über die Zielsetzung der BI und die beteiligten Institutionen zu gewinnen, sollte man den beiden Startseiten-Links presentazione bzw. documentazione folgen. Auf den folgenden Seiten wird u. a. verdeutlicht, dass die beiden Trägerprojekte der BI unterschiedliche Systeme für die Online-Nutzung einsetzen. Im CIBIT wird das aus der Computerlinguistik stammende Analyseinstrument DBT (Data Base Testuale) verwendet, während das TIL-Projekt seine Texte im SGML-Format gemäß den weit verbreiteten TEI-Richtlinien auszeichnet. Die SGML-Texte werden mit Hilfe eines Dynaweb-Servers online präsentiert und sind vielseitig recherchierbar. Eine Abfrage der DBT-Datenbank ist vorübergehend nicht möglich, doch werden bereits seit einiger Zeit die im DBT-Format vorliegenden CIBIT-Texte ins XML-Format konvertiert, so dass ein Teil der Materialien online benutzt werden kann. Da die Texte der BI aufwändig aufbereitet werden müssen, ist die Zahl der abrufbaren Werke noch überschaubar. Einen Überblick über die im TIL-Projekt verfügbaren Publikationen verschafft der Link ricerca SGML/TEI, der nach zwei Mausklicks zu einer Autorenliste führt. Die beiden großen mittelalterlichen Autoren Giovanni Boccaccio und Dante Alighieri fallen als erste ins Auge, doch ist auch die frühe Neuzeit mit Niccolò Machiavelli, Torquato Tasso und Gianbattista Vico prominent vertreten. Von ersterem sind die "Discorsi", von letzterem die "Principi di scienza nuova" und von Tasso sein "Gerusalemme liberata" vertreten. Unter den weniger bekannten Texten sei hier nur die moralphilosophische Abhandlung "Della dissimulazione onesta" aus der Feder von Torquato Accetto hervorgehoben. Der Dynaweb-Server ermöglicht einerseits ein browsendes "Blättern" in den Kapitel-Hierarchien der einzelnen Werke. Andererseits werden auch leistungsfähige Suchoptionen geboten. So kann man z. B. in den "Discorsi" sowohl nach einzelnen Begriffen suchen ("Ricerca KWIC") als auch eine Proximitätssuche nach mehreren Begriffen starten, die nahe beieinander stehen ("Ricerca contestuale"). Sucht man auf die erste Weise nach dem Begriff "libertà", so erhält man zunächst fast hundert Treffer. Will man nur diejenigen Stellen finden, wo in maximal fünf Wörtern Abstand zueinander sowohl von der "libertà" als auch vom "popolo" die Rede ist, lässt sich das Suchergebnis auf zehn Treffer fokussieren. Mit Hilfe eingeblendeter Navigationshilfen kann schnell an die entsprechenden Textstellen gesprungen werden. Von der Dynaweb-Textsammlung sollte man auch einmal in die Abteilung collezioni speciali springen. Hier findet sich u. a. "Il Libro del Cortegiano" von Baldassare Castiglione, ein für die frühneuzeitliche Hofkultur höchst einflussreiches Werk. Mehrere Bibliografien belegen die Bedeutsamkeit des "Hofmanns" und erleichtern den Einstieg in die nähere Beschäftigung mit der Hof-Thematik. Die hier offerierte Ricerca avanzata scheint gelegentlich ihren Geist aufzugeben, aber im Bereich Lettura dei testimoni können unterschiedliche Handschriften-Versionen sowie die "Edizione critica della princeps a cura di Amedeo Quondam" aufgerufen werden. Zu den Handschriften werden - im Idealfall - sowohl eine Reproduktion der einzelnen Seiten im JPG-Format als auch eine parallel eingeblendete Transkription angezeigt. Die Grafikdateien werden in zwei Größenvarianten vorgehalten, so dass durch Anklicken der Option Ingrandisci eine recht gut lesbare Version von etwa 100 KB Umfang angezeigt werden kann. Um die Manuskripte betrachten zu können, muss man sich namentlich anmelden, doch außer einer E-Mail-Adresse sind keine weiteren Angaben zu machen. Unmittelbar nach Vollzug der Anmeldeprozedur können die zuvor gesperrten Teile dieses Webangebots genutzt werden. Die collezioni speciali umfassen noch mehrere interessante Bestandteile, die hier nur kurz berührt werden können. Vor allem zwei Zusammenstellungen von Quellenmaterialien zur Geschichte von Pisa und Ferrara seien hervorgehoben. In beiden Fällen handelt es sich um Texte, die aus dem DBT-Format in XML/HTML konvertiert wurden, und die auf browsendem Wege benutzt werden können. Ein Inhaltsverzeichnis (Elenco dei testi) erschließt die heterogenen Materialien, unter denen z. B. Chroniken, Briefe, Dichtungen und Stadtbeschreibungen vertreten sind. Die bunte Zusammensetzung dieser Komponenten der BI spiegeln im Kleinen den Eindruck wider, den ein Besucher dieses Webangebots vom Ganzen gewinnt. Manche Funktionalität ist (noch) nicht realisiert, und die Erscheinungsweise der Bestandteile kann durchaus variieren. Dennoch sind hier wichtige Materialien versammelt und auf überwiegend überzeugende Weise erschlossen, so dass ein weiterer Ausbau der BI unbedingt wünschenswert ist. [Gregor Horstkemper, 22. September 2003] |
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