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The Newton Project

Nr. 42 / 2003  

Resümee:  Das von London und Cambridge aus geleitete Newton Project will den handschriftlichen Nachlass von Sir Isaac Newton zugänglich machen und bietet sowohl Grafikdateien als auch auf anspruchsvollen Maßstäben basierende Transkriptionen an.
URL:  http://www.newtonproject.ic.ac.uk
Kategorie:  Digitale Editionen

"Nature and Nature's laws lay hid in night: God said, Let Newton be! and all was light." Diese ebenso knappe wie enthusiastische Zusammenfassung des Schaffens von Sir Isaac Newton (1642-1727) entstammt der Feder des englischen Dichters Alexander Pope, der seine Würdigung auf Newtons Epitaph in Westminster Abbey verewigt sehen wollte. Auch wenn im relativistischen 21. Jahrhundert die ungequantelte Emphase eines Pope etwas anachronistisch wirkt, lässt sich Newton wissenschaftshistorischer Rang sicherlich kaum überschätzen. Als Mathematiker, Physiker und Astronom war Newton äußerst einflussreich, etwa durch die Formulierung des Gravitationsgesetzes oder durch die Einführung der Differentialrechnung. Newtons Interesse für Theologie und Alchemie dagegen, das nicht mit dem Bild eines "modernen" Naturwissenschaftlers kompatibel zu sein schien, war für die Wissenschaftsgeschichte bis weit ins 20. Jahrhundert hinein keinen näheren Blick wert. Ein Zeugnis dieser Einäugigkeit ist die Zerstreuung des Newton-Nachlasses im Jahr 1936. Das 1998 gegründete "Newton Project" hat sich zum Ziel gesetzt, durch eine im Internet frei zugängliche Edition der Newton-Handschriften die Materialien virtuell zusammenzuführen und damit das Gesamtwerk Newtons in seiner ganzen Vielfältigkeit zugänglich zu machen.

Über die Ziele und Arbeitsweise des von den "Editorial Directors" Rob Iliffe (Imperial College London) und Scott Mandelbrote (Peterhouse, Cambridge) geleiteten Projekts werden ausführliche Informationen hinter dem Startseiten-Link About the Newton Project verfügbar gemacht. Sowohl editorische Grundsätze als auch technische Aspekte und Fragen der Projektfinanzierung werden hier thematisiert. Eine tabellarische Übersicht zu Leben und Werk Newtons bietet die Abteilung About Newton & his Archives. Detailliert werden auch das Schicksal seines Nachlasses sowie die Ansätze zur Edition seines Werks dokumentiert. Ausdrücklich werden nicht nur die Schriften Newtons selbst, sondern auch Dokumente im Zusammenhang mit der Sotheby-Auktion von 1936 und mit der weiteren Besitzgeschichte des Nachlasses in die Online-Präsentation einbezogen. Unter der Überschrift Featured Materials bzw. Featured Texts werden daher Dokumente aus dem Besitz von John Maynard Keynes präsentiert, der einen großen Teil der alchemistischen Materialien aus dem Newton-Nachlass erworben hatte.

Als Übersicht zu den alchemistischen, theologischen und administrativen Handschriften Newtons ist der Bereich Catalogue ausgelegt. Sehr nützlich sind auch die Listen der von Newton benutzten gedruckten Publikationen sowie die Bibliographie zu den hier betroffenen Themenfeldern. Die bislang auf browsendem Weg benutzbaren HTML-Seiten sollen künftig durch besser durchsuchbare XML-Dateien ersetzt werden. Den Kernbereich des Webangebots erreicht man über den Link View the Manuscripts. Anmerkungen zur Präsentationsweise und zur Benutzeroberfläche erleichtern die Arbeit mit den Quellen. Präsentiert werden die Materialien in drei Gruppen. Die erste Gruppe enthält theologische Handschriften, z. B. "Seven statements on religion" aus der Zeit nach 1710. Die auf einem einzelnen Blatt untergebrachten Statements können als Grafikdatei betrachtet werden, so dass die Untersuchung des Originals möglich ist. Da neben der Standardversion auch eine hochauflösende JPG-Datei von knapp einem 1 Megabyte Umfang angeboten wird, ist die notwendige Detailtreue sichergestellt. Neben der bildlichen Darstellung ist jedoch auch eine Transkription im XML-Format abrufbar, in der Details wie Durchstreichungen, Einfügungen etc. markiert sind. Die Bildschirmdarstellung ist zur Zeit für den Internet Explorer optimiert, doch sollen künftig auch andere Browser unterstützt werden. Mit Hilfe einer Javascript-Lösung werden Zusatzinformationen zum Text geliefert. Falls die Transkription mit der Grafikdatei des Originaltextes verglichen werden soll, steht für diesen Zweck eine Option zur horizontalen Teilung des Bildschirms zur Verfügung.

Während im Bereich der theologischen Manuskripte zwar durchgängig Transkriptionen, jedoch nur in einem Teil der Fälle auch grafische Repräsentationen der Manuskriptseiten vorhanden sind, wird im Bereich der wissenschaftlichen Materialien teilweise ausschließlich eine Grafikversion gezeigt. Die beiden im Abschnitt "personal papers" verfügbaren Quellen sind wiederum nur als Transkription abrufbar. Auch wenn der Gesamtumfang der bislang angebotenen Materialien noch überschaubar ist, so kann die intendierte Kombination aus Grafik- und Volltextpräsentation als vielversprechend bezeichnet werden. Die Transkriptionen basieren auf hohen wissenschaftlichen Standards, so dass dem "Newton Project" eine möglichst großzügige Förderung und ein schneller Ausbau zu wünschen ist.

[Gregor Horstkemper, 20. Oktober 2003]

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