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Liber Liber |
| Nr. 2 / 2004 |
| Resümee: | Im Rahmen des "Progetto Manuzio" wird eine digitale Bibliothek kulturgeschichtlich relevanter Materialien italienischer Sprache aufgebaut, die im Volltext benutzt werden können. |
| URL: | http://www.liberliber.it/home/ |
| Kategorie: | Digitale Editionen |
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"Nullus amicus magis liber quam liber" - mit diesem Wahlspruch bekundet die Organisation "Liber Liber" ihre hohe Wertschätzung des Buches als eines unbestechlichen Freundes jedes Lesewilligen. Der 1994 gegründete gemeinnützige Verein will der Kulturförderung dienen und künstlicherische sowie intellektuelle Äußerungen aller Art unterstützen. Einen Schwerpunkt bildet dabei der Einsatz moderner Technologien auf dem Gebiet der Geisteswissenschaften sowie die Nutzung des Internets, um möglichst vielen Nutzern digitale Fassungen kulturgeschichtlich wichtiger Texte zugänglich machen zu können. Wie der Name des Vereins bereits andeutet, sieht sich "Liber Liber" als Teil einer weltweiten Bewegung, die den freien Zugriff auf Quellenmaterial aller Art ermöglichen will. Die online erreichbaren Ressourcen sind daher ohne Einschränkung benutzbar und können auch aus dem Netz heruntergeladen und abgespeichert werden. Die treibende Kraft des Vereins ist Marco Calvo, dessen Firma "E-text" zugleich als Sponsor von "Liber Liber" fungiert. Den Hauptteil der Arbeit leistet jedoch eine große Zahl von Freiwilligen, die mit der Erstellung digitaler Volltextfassungen beschäftigt sind. Beim ersten Besuch brauchen die Nutzer zunächst ein wenig Geduld, um sich zurecht zu finden. Erste Informationen zum Verein finden sich z. B. über den Navigationsleisten-Abschnitt "Communicare", und dort unter dem Link Chi siamo. Während die Webseiten ganz überwiegend in italienischer Sprache verfasst sind, bietet der gleiche Abschnitt zumindest eine kurze englischsprachige Einführung hinter dem Link In English. Wer bei der Navigation Hilfe benötigt, kann im Abschnitt "Servizi" dem Link Aiuto folgen. Der Abschnitt "Progetti" lässt erkennen, dass unter dem Vereinsdach mehrere Unterprojekte zusammengefasst sind. Das weitaus wichtigste Vorhaben bildet dabei das "Progetto Manuzio", in dessen Rahmen eine digitale Bibliothek frei zugänglicher kulturgeschichtlicher Werke italienischer Sprache aufgebaut wird. Als Basis für die Erstellung der digitalen Fassungen dienen dabei häufig moderne Editionen, in manchen Fällen aber auch Originaldrucke, die durch OCR-Bearbeitung und/oder manuelle Texterfassung konvertiert werden. Dabei werden Regeln vorgegeben, doch weisen die Ergebnisse natürlich nicht die Zuverlässigkeit kritischer wissenschaftlicher Editionen auf. Ende 2003 waren gut 800 Werke online zugänglich. Um sich einen Überblick zu verschaffen, kann im Navigations-Abschnitt "Biblioteca" zwischen zwei browsenden Zugriffsweisen gewählt werden. Je nach Präferenz werden alphabetisch sortierte Listen der vertretenen Autoren oder der enthaltenen Werktitel angeboten. Wählt man für eine Stichprobe etwa eine Liste von Autorennamen, die mit dem Buchstaben "G" beginnen, so findet sich eine Reihe einschlägiger Persönlichkeiten der Frühen Neuzeit. Mit einer größeren Zahl an Texten vertreten ist z. B. Galileo Galilei. Zu seiner Person findet sich eine kurze biographische Notiz, danach folgt eine Liste der digitalisierten Werke. Darunter findet sich u. a. die Publikation "Sidereus Nuncius", in der Galilei 1609 die Entdeckung der vier großen Jupitermonde bekannt gab. Das Werk kann durch Anklicken des "HTML"-Symbols direkt im Browser gelesen werden, wobei dem Benutzer die Wahl zwischen der lateinischen und der italienischen Fassung bleibt. Daneben besteht auch die Möglichkeit, den Volltext auf die eigene Festplatte herunterzuladen. In vorliegenden Fall kann zwischen dem HTML-, RTF- und TXT-Format gewählt werden. Letztere beiden Optionen sind bei praktisch allen digitalisierten Werken verfügbar, während nur ein Teil auch im HTML-Format aufbereitet wurde. Eine große Zahl von Werken lässt sich daher nicht direkt online lesen, sondern muss zunächst abgespeichert und aus Archivdateien im ZIP-Format ausgepackt werden. Einflussreiche Autoren wie Torquato Tasso, Carlo Goldoni, Giambattista Vico oder Francesco Guicciardini gehören zum festen Kanon der italienischen Literatur und sind in der digitalen Bibliothek angemessen vertreten. Erfreulich ist jedoch, dass sich auch weniger bekannte Autoren dokumentiert finden. Von Teofilo Gallaccini liegt z. B. eine architekturkritische Publikation aus dem Jahr 1767 vor, in deren RTF-Version auch Abbildungen enthalten sind. Von Filippo Finella ist mit der 1632 veröffentlichten Schrift "Incendio del Visuvio del Lanelfi" eine Quelle zur Geschichte der Astrologie vertreten. Interessante Trouvaillen finden sich z. B. auch in den Kategorien "Reiseberichte" ('Relazione di Moscovia' aus dem Jahr 1564 von Raffaello Barberini) oder "Querelle des femmes" ('Un brieve trattato dell'eccellentia delle donne', 1545 in Brescia von Vincenzo Maggi herausgebracht). Die im Navigations-Abschnitt "Cerca" angebotene Suchfunktion scheint nicht zuverlässig zu funktionieren, doch handelt es sich ohnehin nur um eine Google-Suche über die Webseiten von "Liber Liber". Der browsende Zugang zu den Volltexten dürfte jedoch für die meisten Benutzer ausreichen. [Gregor Horstkemper, 12. Januar 2004] |
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