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Académie française

Nr. 11 / 2004  

Resümee:  Die "Académie française" macht Informationen zu ihren Zielsetzungen und ihrer Geschichte verfügbar und ermöglicht die Recherche in den bislang erschienenen Teilen der neunten Auflage ihres berühmten "Dictionnaire".
URL:  http://www.academie-francaise.fr/
Kategorie:  Themenangebote

Als 1694 die erste Auflage des "Dictionnaire de l’Académie française" erschien, konnte die für dieses Wörterbuch verantwortliche Institution auf eine fast sechzigjährige Geschichte zurückblicken. Bereits 1635 hatte Kardinal Richelieu die "Académie française" ins Leben gerufen und ihr die Pflege der französischen Sprache und Kultur aufgetragen. Die Erarbeitung des "Dictionnaire", dem bei der Erfüllung der sprachpflegerischen Aufgabenstellung der Akademie eine zentrale Rolle zugeschrieben wurde, nahm jedoch erst ab 1651 einigermaßen Fahrt auf. Nachdem 1672 eine erste Fassung abgeschlossen worden war, gingen weitere zwanzig Jahre ins Land, ehe die Revision dieser ersten Fassung tatsächlich als druckreif erachtet wurde. In der Zwischenzeit (1680 bzw. 1690) waren zwei andere Wörterbücher der französischen Sprache publiziert worden. Um sich gegen diese Konkurrenz abzuheben, betonte die Akademie den besonderen Qualitätsanspruch ihres Wörterbuchs. Kritiker monierten dagegen die übergroße Länge der "Schwangerschaft" und legten dem "Dictionnaire" entsprechende Spottworte in den Mund: "Je suis ce gros Dictionnaire, qui fus un demi siecle au ventre de ma mere, quand je naquis j'avois de la barbe, & des dents" - so mokierte sich die 1696 anonym in Den Haag veröffentlichte Schrift "L'apothéose du 'Dictionnaire de l'Académie' et son expulsion de la région céleste" über das Akademieprodukt. Obwohl das Wörterbuch der "Académie française" also von Anfang an mit Schmähungen leben musste, hat es sich im Lauf von drei Jahrhunderten als Referenzwerk der französischen Sprache etablieren können.

Über ihre Zusammensetzung und Aufgabentellung informiert die Akademie unter der Überschrift Le rôle. Selbstbewusst wird beansprucht, mit Hilfe des "Dictionnaire" den "bon usage" der französischen Sprache zu definieren. Der Navigationsleisten-Link Les immortels führt zu Informationen über sämtliche Mitglieder der Akademie, die sich aus jeweils vierzig Persönlichkeiten zusammensetzt. Im Laufe der Zeit zählten über 700 Dichter, Philosophen, Ärzte, Wissenschaftler, Kirchenleute und Staatsmänner zu diesem illustren Kreis - in den übrigens erst seit 1980 auch Frauen Eingang finden. Über den Link Les 700 immortels wird eine Datenbank aufgerufen, die Auskunft über die Entwicklung der Zusammensetzung der Akademie gibt. Man kann direkt nach einzelnen Namen suchen, aber auch geographische oder chronologische Zugriffsweisen wählen. Falls die Zusammensetzung der Akademie zu einem bestimmten Zeitpunkt gefragt ist, steht dafür eine eigene Recherchefunktion zur Verfügung. Für den Beginn des Jahres 1755 stößt man unter den Mitgliedern z. B. auf die Namen d'Alembert, Marivaux, Maupertuis, Montesquieu und Voltaire. Für alle Personen werden kurze biographische Informationen, in vielen Fällen auch Publikationslisten angeboten. Soweit vorhanden werden auch Porträts der Mitglieder gezeigt. Diese Porträts sind außerdem über die Abteilung L'histoire erreichbar, im Rahmen eines knappen Abrisses der Akademiegeschichte. Historische Elemente umfasst auch der Bereich La langue française.

Der nützlichste Bestandteil des Webangebots ist über den Navigationsleisten-Link Le dictionnaire erreichbar. Hier werden grundlegende Informationen zur seit 1992 erscheinenden neunten Auflage mit ihren rund 60.000 Stichwörtern vermittelt und eine digitale Version der bislang erschienenen zwei Bände dieser Neuauflage verfügbar gemacht. Für die neunte Auflage werden eine Reihe von Erläuterungen geboten, von denen nicht nur die Listen neu aufgenommener Begriffe, sondern auch die Zusammenstellung von gestrichenen, weil veralteten Wörtern von Interesse ist. Dass die ersten acht Auflagen bereits an anderer Stelle in digitalen Fassungen zugänglich gemacht wurden, wird auf den Akademie-Seiten merkwürdiger Weise nicht erwähnt: Zum einen sind in der Wörterbuch-Sammlung Dictionnaires d'autrefois mehrere frühneuzeitliche Auflagen im Volltext durchsuchbar, zum anderen enthalten die Gallica der "Bibliothèque nationale" Reproduktionen aller bisherigen Auflagen des "Dictionnaire" im PDF-Format.

Zur Recherche in der "Version informatisée" des "Dictionnaire" führt der Link 2 tomes en ligne. In den ersten beiden Bänden (publiziert 1992 bzw. 2000) sind die Lemmata von "A" bis "Mappemonde" enthalten, was etwa der Hälfte des angestrebten Gesamtumfangs des Wörterbuchs entspricht. Die auf einem eigenen Server untergebrachte Datenbank kann auf zwei Wegen benutzt werden, wobei die Variante mit javabasierten Navigationshilfen von den Anbietern empfohlen wird. Hat man sich über Principes de base informiert, bringt der Link Lancer une recherche dans le dictionnaire zu einer Suchmaske. Forscht man nach einem bestimmten Begriff, dessen Schreibweise genau bekannt ist, empfiehlt sich das erste Suchfeld. Will man jedoch eine trunkierte Suche durchführen, sollte das zweite Feld gewählt werden. Zu beachten ist, dass eine korrekte Akzentsetzung notwendig ist, da die Suchmaschine in dieser Hinsicht keine Fehlertoleranz aufweist. Nützlich ist die Option, nach Begriffen aus einer bestimmten "Domaine" zu suchen. Zur Auswahl stehen z. B. Heraldik, Geschichte oder Numismatik. Markiert man den gewünschten Begriff im Feld "Domaine" und klickt auf "Lancer la recherche", werden ausschließlich Lemmata aus den entsprechenden Sachgebieten angezeigt. Aus dem Feld der Heraldik finden sich z. B. 158 Begriffe, während für 356 Einträge Ausführungen zu historischen Bedeutungsdimensionen zu finden sind. Eine Reihe von Personalisierungsoptionen ermöglicht es dem Benutzer u. a., weitere Recherchespezifikationen zu nutzen und die Suchoberfläche den eigenen Bedürfnissen anzupassen. Zwar steht in der neunten Auflage des "Dictionnaire" erst die Hälfte der letztlich angestrebten Stichwörter zur Verfügung, doch stellt das Wörterbuch samt den Kontextinformationen zur "Académie française" auch in der vorliegenden Form eine nützliche Arbeitshilfe dar.

[Gregor Horstkemper, 15. März 2004]

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