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Instituut voor Nederlandse Geschiedenis |
| Nr. 22 / 2005 |
| Resümee: | Das Webangebot des ING umfasst umfangreiche digitale Quelleneditionen (Wilhelm von Oranien, Constantin Huygens), geschichtswissenschaftliche Nachschlagewerke (Digitaal Vrouwenlexicon van Nederland) und eine Reihe von Spezialdatenbanken. |
| URL: | http://www.inghist.nl/ |
| Kategorie: | Forschungseinrichtungen |
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Wer sich auch nur ein wenig mit der niederländischen Geschichte beschäftigt hat, kennt das in Den Haag angesiedelte "Instituut voor Nederlandse Geschiedenis" (ING) als wichtigste geschichtswissenschaftliche Institution in den Niederlanden. Die Wurzeln des ING reichen bis in das Jahr 1902 zurück, als im Regierungsauftrag eine Kommission zur Herausgabe historischer Quellen gegründet wurde. 1989 erfolgte eine Reorganisation der Kommissionsarbeit, die u. a. die Etablierung des ING zum Inhalt hatte. Seit 2003 agiert das ING in enger Zusammenarbeit mit der "Koninklijk Nederlands Historisch Genootschap" (KNHG). Das Tätigkeitsfeld des Instituts zeichnet sich durch eine enorme Breite aus: Neben die ursprünglich im Mittelpunkt stehenden Quelleneditionen sind die Veröffentlichung von Archivführern, Kongressbänden, Nachschlagewerken und wissenschaftlichen Monographien, die Erarbeitung einer historischen Bibliographie, die Durchführung von Forschungsprojekten sowie die Herausgabe der wichtigsten geschichtswissenschaftlichen Fachzeitschrift der Niederlande getreten. Im Internet wird nicht nur die ganze Bandbreite der unterschiedlichen Aktivitäten dokumentiert, sondern ein Teil der Ergebnisse der Institutsarbeit wird auch direkt online verfügbar gemacht. Für einen nutzbringenden Besuch der Webpräsentation des ING sind basale Kenntnisse der niederländischen Sprache naturgemäß hilfreich, aber ein Teil der Angebote beinhaltet auch Material in anderen europäischen Sprachen, so dass der Rückgriff auf ein Niederländisch-Wörterbuch in manchen Fällen nur für das grundlegende Internet-Vokabular notwendig ist. Die Homepage umfasst eine vielteilige Navigationsspalte am linken Bildrand, deren mittlerer Teil einige grundlegende Informationen zum ING und seinen Aktivitäten zugänglich macht. Der Link Instituut führt z. B. zu einer kurzen Überblicksdarstellung, von der aus weiterverzweigt wird zu Ausführungen über die Geschichte des ING (Geschiedenis) und sein heutiges Leitbild (Missie), über seine Leitungsgremien (Bestuur en adviesraad) und die Mitarbeiterschaft (Personeel) sowie über die Publikationsaktivitäten (Publicaties). Einblick in vergangene und aktuelle Forschungsaktivitäten des Instituts gewährt der Link Onderzoek. Um den Überblick zu erleichtern, kann entweder eine Gruppierung der Projekte nach Sachgruppen (z. B. Wirtschafts- und Sozialgeschichte oder Rechtsgeschichte) oder nach chronologischem Bezug erfolgen. Klickt man z. B. in der Rubrik "naar periode" den Link für Projekte mit Bezug zum 17. Jahrhundert an (17e eeuw), werden fast fünfzig Einträge ausgeworfen. Für einige Forschungsunternehmungen werden Datenbanken als Arbeitshilfen oder Dokumentation von Projektergebnissen verfügbar gemacht. Als Beispiele seien zwei Angebote zum 17. Jahrhundert herausgegriffen. Über den Link Pondtolregisters Elbing 1585-1700 kann eine Datenbank erreicht werden, in der alle Einträge des Elbinger Pfundzollregisters mit Bezug auf niederländische Schiffe festgehalten wurden. Auf browsendem oder suchendem Wege lässt sich z. B. für jedes Jahr des Untersuchungszeitraums feststellen, wieviel niederländische Schiffe Ladung verzollt haben, wie sich die Ladung zusammensetzte, und wie der Zielhafen lautete. Um ein ebenfalls wirtschaftsgeschichtlich ausgerichtetes Angebot handelt es sich bei dem VOC glossarium, das Erläuterungen zu wichtigen Begriffen aus der Geschichte der für die europäische Expansion nach Südostasien bedeutsamen "Verenigde Oost-Indische compagnie" (VOC) enthält. In der Navigationsspalte werden in den Rubriken "Actueel" und "Tips" einige neue und besonders empfehlenswerte Teilangebote hervorgehoben. Im letztgenannten Abschnitt findet sich ein Link auf das Digitaal Vrouwenlexicon van Nederland, das gemeinsam von ING und der Universität Utrecht aufgebaut wird. Einer Naamlijst van te beschrijven vrouwen kann entnommen werden, welche Personen für die Aufnahme in das noch im Entstehen begriffene frauengeschichtliche Lexikon vorgesehen sind. Der Link Voltooide biografieën führt zu einer Liste der bereits vorliegenden und online abrufbaren Inhalte. Erwähnt seien etwa die religiöse Schriftstellerin Antoinette Bourignon (1616-1680), die Remonstrantin Lysbeth Philips (1566-1652) oder die drei Schauspielerinnen Maria, Isabella und Adriana van Rijndorp (1694/98-1753/60). Die biographischen Artikel werden ergänzt um Literaturhinweise und teilweise auch um eine Liste relevanter Archivalien. Auf eine weitere wichtige Ressource aus der Rubrik "Tips", das Repertorium Geschiedenis Nederland, kann hier nur summarisch verwiesen werden. Es handelt sich um eine umfangreiche Bibliographie zur niederländischen Geschichte, in der mit Hilfe einer Pica-Suchoberfläche recherchiert werden kann. Ebenfalls nur kurz erwähnt sei die in der Rubrik "Actueel" hervorgehobene digitale Edition Brieven Constantijn Huygens. Der zuvor in gedruckter Form veröffentlichte Briefwechsel des berühmten Physikers, Mathematikers und Astronomen aus den jahren 1608-1687 wurde 2004 digitalisiert und auf den ING-Webseiten zugänglich gemacht. Es wird sowohl ein browsender als auch ein suchender Zugang offeriert, so dass der Zugriff auf die nicht weniger als 7295 Briefe leicht fällt. Die Quellen werden als Grafikdateien im PDF-Format angeboten, wobei die gewählte Auflösungsstufe eine recht gute Lesbarkeit gewährleistet. Ein für die niederländische Geschichte des 16. Jahrhunderts - und zugleich auch für die Beziehungen zwischen den Niederlanden und dem Alten Reich - wichtiges Angebot sind die Brieven Willem van Oranje. Das im April 2005 freigeschaltete Online-Angebot umfasst 13.000 Briefe von und an Wilhelm von Oranien, die aus 200 Archiven und Bibliotheken zusammengetragen wurden. Zu Hintergrundinformationen und zur Recherchemöglichkeit führt der Link Zoeken in de correspondentie van Willem van Oranje. Zunächst kann die von J.G. Smit verfasste Einführung (Inleiding) empfohlen werden, die einen Überblick über die in die Quellensammlung aufgenommenen Dokumentarten gibt. Sehr umfangreich fällt auch die Literatuurlijst aus, die auf eine vertiefte Beschäftigung mit dem Thema vorbereitet. Den Zugriff auf die einzelnen Dokumente ermöglicht der Link Overzicht van brieven. Anschließend können komplexe Suchanfragen abgeschickt werden, mit denen z. B. nach Namen von Korrespondenten, nach Absendeort oder nach Briefanfängen (Incipits) recherchiert werden kann. Für einen Teil der Suchfelder wird eine Indexfunktion angeboten, so dass man sich zunächst eine Liste verfügbarer Suchtermini anzeigen lassen kann. Wählt man als Absendeort ("Verzendplaats") beispielsweise Siegen aus, werden 80 Treffer angezeigt. Neben dem Datum werden auch die jeweiligen Empfänger aufgelistet. Mehr als 90% der für den Absendeort Siegen dokumentierten Quellen können als PDF-Datei heruntergeladen werden, wobei eine Größe von etwa 1-2 MByte den Normalfall darstellt. Die Auflösung gewährleistet eine noch gute Lesbarkeit, so dass die Online-Präsentation in den allermeisten Fällen die Archivreise oder den Rückgriff auf eine gedruckte Edition überflüssig machen dürfte. Die Reichhaltigkeit der ING-Ressourcen kann hier nur zusammenfassend und unter Hervorhebung einiger besonders herausragender Teilangebote angedeutet werden. Die große thematische und chronologische Bandbreite der Datenbanken und Quellenreproduktionen macht die ING-Webseiten zu einer sehr empfehlenswerten Adresse auch über den Kreis der speziell an der Geschichte der Niederlande interessierten Historikerschaft hinaus. [Gregor Horstkemper, 30. Mai 2005] |
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