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Sächsische Biografie

Nr. 23 / 2005  

Resümee:  Das Institut für Sächsische Geschichte und Volkskunde e.V. erarbeitet ein biografisches Online-Lexikon, das auf einen Umfang von etwa 9.000 Einträgen ausgebaut werden soll.
URL:  http://www.isgv.de/saebi/
Kategorie:  Lexika

Das wachsende Angebot an biografischen Online-Ressourcen wird seit Juni 2005 erweitert durch eine Datenbank des Dresdener "Instituts für Sächsische Geschichte und Volkskunde e.V." (ISGV). Mit technischer Unterstützung der Hochschule für Technik und Wirtschaft Dresden wurden in einem ersten Schritt die Lebensdaten von rund 7.600 Frauen und Männern sowie Kurzbiografien von über 200 Personen verfügbar gemacht. Das von Dr. Martina Schattkowsky geleitete Projekt erstreckt sich in chronologischer Hinsicht auf die Zeit zwischen dem 10. Jahrhundert und der Gegenwart. In geographischer Hinsicht dienen die jeweiligen historischen Landesgrenzen als Definitionskriterium. Für die Frühe Neuzeit ist zu beachten, dass ab der Wittenberger Kapitulation von 1547 das Gebiet des albertinischen Kursachsens als Referenzgröße gilt, während für die vorhergehende Zeit auch noch Gebiete des heutigen Thüringens in Betracht kommen. Personen mit Bezug zur 1635 dem Kurfürstentum zugeschlagenen Oberlausitz finden auch dann Berücksichtigung, wenn sie in der Zeit vor der Angliederung an den Kurstaat gelebt haben. Angestrebt wird die Bereitstellung biografischer Informationen zu insgesamt etwa 9.000 Personen, wobei als wichtiges Unterscheidungsmerkmal gegenüber Nachschlagewerken mit nationalem Zuschnitt die Berücksichtigung von weniger prominenten oder vergessenene Personen benannt wird.

Die Zielsetzungen des frei zugänglichen Informationsangebots werden in einem über den Link Projekt zugänglichen Abschnitt erläutert. Hier wird u. a. darauf hingewiesen, dass die Online-Publikation eine flexiblere Organisation bei der Erarbeitung der Artikel und bessere Recherchemöglichkeiten eröffnet. Angesichts der bei anderen biografischen Projekten durchaus noch gegebenen Beschränkung auf den Printbereich ist die Prioritätensetzung zugunsten der Datenbank-Publikation sehr zu begrüßen. Die Sächsische Biografie soll zu einem späteren Zeitpunkt auch in Buchform veröffentlicht werden, wobei aufgrund des Abrückens von einer rein alphabetischen Anordnung des Materials die Erarbeitung von thematisch oder chronologisch definierten Schwerpunkt-Bänden geplant ist.

Zur Datenbank führt der Link Biografie, nach dessen Anklicken zunächst alle für die Aufnahme in das Lexikon vorgesehenen Personen aufgelistet werden, deren Namen mit dem Buchstaben "A" beginnen. Schaut man diese aus über 300 Einträgen bestehende Liste durch, fallen mehrere mit grüner Farbe markierte Einträge ins Auge: Zu den auf diese Weise hervorgehobenen Personen liegen bereits Kurzbiografien vor, während für die restlichen Einträge zunächst nur Geburts- und Sterbejahr (einschließlich des jeweiligen Ortes) und Beruf bzw. Haupttätigkeitsfelder aufgeführt werden. Unterhalb der Namensliste befindet sich der Link Artikel, der zur Anzeige einer Liste all derjenigen Personen führt, für die bereits Biografien angeboten werden. Schaut man diese Liste unter frühneuzeitlicher Perspektive durch, stößt man auf rund vier Dutzend Treffer aus insgesamt 220 Einträgen. Dass bei der Erarbeitung der Lexikonartikel bestimmte Schwerpunktsetzungen erfolgen, fällt angesichts des hohen Anteils von Angehörigen der Adelsfamilie Schönburg ins Auge: Etwa ein Drittel der Einträge mit Frühneuzeitbezug ist dieser Familie gewidmet. Als Beispiel für das Grundschema eines Artikels, das weitgehend an der Neuen Deutschen Biographie ausgerichtet ist, sei der Eintrag über den Verleger Johann Heinrich Zedler herangezogen. Klickt man in der Auswahlliste seinen Namen an, wird ein neues Fenster mit dem Lexikonartikel geöffnet. Grundangaben wie die Lebensdaten oder die Konfessionszugehörigkeit werden ergänzt durch einen Überblick über die verwandtschaftlichen Verhältnisse. Es folgt der biografische Artikel, der mit etwa 7.500 Zeichen Umfang eine eher überdurchschnittliche Länge aufweist. Anschließend werden Quellen und Forschungsliteratur aufgelistet, ergänzt um den Autorennamen und das Abfassungsdatum des Artikels. Zu begrüßen ist, dass ausdrücklich auf online abrufbare Quellen oder Literatur verwiesen wird.

Neben dem browsenden Zugang wird auch eine Suchoption angeboten, wobei ausdrücklich darauf hingewiesen wird, dass die zur Zeit noch recht einfachen Recherchemöglichkeiten künftig ausgebaut werden sollen. Gesucht werden kann nach dem Vor- und Nachnamen, nach dem Geburts- und Sterbedatum (allerdings ohne Zeitraumsuche), nach dem Geburts- und Sterbeort sowie nach dem Beruf. Als Trunkierungszeichen und als Platzhalter für nicht per Tastatur eingebbare diakritische Zeichen fungiert das Zeichen "%", was neben weiteren nützlichen Informationen dem Bereich Hilfe entnommen werden kann. Ob sich die Zielsetzung, auch weniger prominente Personen zu berücksichtigen, für den Bereich der Frühen Neuzeit realisieren lässt, muss sich noch zeigen. Unter den zum Startzeitpunkt verfügbaren frühneuzeitlichen Biographien dominiert der Adel mit etwa 80% der Einträge doch sehr deutlich. Dass die drei Jahrhunderte zwischen Reformationszeit und Ende des Alten Reiches - unabhängig von der Frage der sozialen Verortung der behandelten Personen - im Rahmen der Sächsischen Biografie nicht zu kurz kommen werden, kann bereits der Liste der für die Bearbeitung vorgesehenen Personen entnommen werden. Mit rund 2.500 Sterbedaten im Zeitraum zwischen 1540 und 1840 weist fast jede dritte Person einen Bezug zur Frühen Neuzeit auf. Wenn die Materialbasis zügig erweitert werden kann und sich die Suchmöglichkeiten sukzessive verfeinern lassen, wird sich die Sächsische Biographie bald als einschlägige Ressource unter den biografischen Online-Datenbanken etablieren können.

[Gregor Horstkemper, 6. Juni 2005]

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