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European Cultural Heritage Online (ECHO)

Nr. 30 / 2005  

Resümee:  Im Rahmen eines europaweiten Projekts werden zahlreiche Materialien des Kultur- und Wissenschaftserbes digitalisiert und frei zugänglich gemacht.
URL:  http://echo.mpiwg-berlin.mpg.de/
Kategorie:  Digitale Editionen

Was darf man sich von einem Online-Angebot zur Dokumentation des europäischen Kulturerbes im Idealfall wünschen? Dass eine möglichst große Bandbreite an Themen und Objektarten abgedeckt wird, dass die technische Basis zugleich leistungsfähige Recherche- und Präsentationsinstrumente, einfache Navigationslösungen und eine dauerhafte Archivierung der digitalen Materialien gewährleistet, dass möglichst viele europäische und außereuropäische Partner beim Aufbau eines solchen Angebots kooperieren, und dass last not least freier Zugang für alle Interessierten gewährt wird. In einem von der Europäischen Kommission und der Max-Planck-Gesellschaft geförderten Pilotprojekt haben im Jahr 2003 insgesamt 16 Institutionen aus 9 Ländern damit begonnen, diese Vision in die Realität umzusetzen. Unter Federführung des Max-Planck-Instituts für Wissenschaftsgeschichte (MPIWG) in Berlin wurde mit dem Aufbau einer Infrastruktur begonnen, die als Basis für ein künftiges Kultur- und Wissenschaftsnetzwerk dienen kann. Bis zum Sommer 2005 konnten über vierzig Institutionen aus fünfzehn Nationen für die Mitarbeit an insgesamt mehr als zwanzig Teilprojekten gewonnen werden. Neben Universitäten und außeruniversitären Forschungseinrichtungen sind auch Bibliotheken, Archive und Museen beteiligt. Deutschland, Italien und Großbritannien stellen zusammen etwa die Hälfte der kooperierenden Einrichtungen, aber auch die USA, Frankreich und die Niederlande sind mit drei oder mehr Partnern vertreten.

Auf der Startseite des durchgängig in englischer Sprache gehaltenen Webangebots werden mehrere unterschiedliche Gruppen von Navigationsoptionen offeriert. In der am linken Rand untergebrachten Navigationsspalte findet sich eine Reihe von Orientierungsmöglichkeiten. Der Link About the ECHO Initiative führt zu einer kompakten Zusammenfassung der Zielsetzungen und der Zukunftspläne. Das Kapitel Basic Documents beinhaltet mit dem ECHO Charter und dem Statement of Purpose zwei programmatische Grundsatzpapiere, die sich als Umsetzungsversuche der ebenfalls dokumentierten "Berlin Declaration on Open Access to Knowledge in the Sciences and Humanities" für den Bereich des Kulturerbes lesen lassen. Die genannten Dokumente bilden auch den wichtigsten Bestandteil des Bereichs ECHO Policy, der über die am oberen Bildrand erreichbare Hauptnavigationsleiste angesteuert werden kann. Der Information über die beteiligten Partner dient der ebenfalls über die Hauptnavigation erreichbare Abschnitt ECHO Network. Dieser Überblick fällt allerdings recht knapp aus und bleibt auf Links zu den Webseiten der Institutionen sowie zu den von Ihnen (mit-)getragenen Teilprojekten beschränkt. Vergleichsweise umfangreich ist dagegen der Abschnitt ECHO Technology bestückt, in dem z. B. ein "Image viewing tool", eine "Virtual Lightbox for Museums and Archives" oder eine "XML-Based Language Technology for Annotation, Morphological Analysis and Dictionary Access" zu finden sind. Daneben wird auch auf Instrumente verwiesen, die im Rahmen des Archimedes-Projekts entwickelt wurden.

Zu den Inhalten der einzelnen Teilprojekte führt schließlich der Navigationspunkt ECHO Content. Während auf der Startseite nur die Links zu den Projekten enthalten sind, werden hier teilweise Zusatzinformationen bereitgestellt, was die Orientierung bezüglich der zu erwartenden Materialien erleichtert. Wer einen chronologisch strukturierten Einstieg bevorzugt, kann auch den Link Graphical Overview unterhalb der Bereichsüberschrift ECHO Content anklicken. Der anschließend angezeigten Grafik kann schnell entnommen werden, dass etwa ein Dutzend der Materialsammlungen einen Frühneuzeitbezug aufweist. Hier können nur summarisch einige interessante Materialien benannt werden: Zur History of Mechanics und zum Themenbereich Dictionaries steuert das bereits erwähnte Archimedes-Projekt viele interessante Materialien bei. Der Bereich German law before 1600 ist noch im Aufbau begriffen und beinhaltet bislang nur die "Frankfurter Reformation" aus dem Jahr 1509. Zur History of Architecture finden sich kunsthistorische Beiträge, während der Abschnitt History of Demography mehrere Quellen des 18. Jahrhunderts umfasst. Interessante Materialien werden zum Venice Arsenal und zur History of Shipbuilding bereitgestellt. Besonders hervorzuheben ist die Edition der Werke von Alessandro Volta.

Recht umfangreich fällt schließlich auch das Kapitel Scientific Revolution aus, in dem u. a. Galilei, Leibniz und Newton vertreten sind. Am Beispiel der 1644 veröffentlichten "Principia Philosopiae" von René Descartes kann die Funktionsweise der Materialpräsentation erläutert werden. Wer dem entsprechenden Link gefolgt ist, erhält zunächst ein neues Browserfenster mit zwei Frames angezeigt. Im linken Frame sind die einzelnen Druckseiten als Thumbnails zu sehen, wobei der Benutzer wählen kann, wieviele dieser kleinen Grafikdateien angezeigt werden sollen. Nach dem Anklicken eines Thumbnails wird im rechten Frame der transkribierte Volltext der Buchseite angezeigt. Über den Link show/hide xml am oberen Bildschirmrand lässt sich steuern, ob die Textauszeichnung angezeigt wird oder nicht. Wenn man das Icon rechts neben dem show/hide xml-Link anklickt, öffnet sich wiederum ein neues Fenster mit einer grafischen Reproduktion der entsprechenden Buchseite. Sowohl bei der Volltext- als auch der Grafikversion steht eine einfache Blätterlösung für die Navigation im jeweiligen Werk zur Verfügung. Außerdem kann die im JPG-Format verfügbare Grafikversion in vier verschiedenen Auflösungsstufen angezeigt werden. Die höchste Stufe führt zu Dateigrößen von knapp 300 KByte, was eine gute Lesbarkeit gewährleistet.

Die Qualität der Bereitstellung der in ECHO verfügbaren Angebote kann durchgängig positiv bewertet werden. An manchen Stellen ist die Materialdichte noch steigerbar, aber die technische Basis und die Aufbereitung der Quellen kann bereits überzeugen. Angesichts der koordinierenden Rolle des MPIWG ist die Dominanz wissenschaftsgeschichtlicher Beiträge nachvollziehbar, doch wäre eine breitere thematische Fundierung des Webangebots zu begrüßen. Die programmatische Open Access-Politik des Projekts kann ähnlich gelagerten Vorhaben als Vorbild empfohlen werden. Nicht alle Blütenträume werden reifen, aber dem ECHO-Projekt ist für die Zukunft eine weitere Konsolidierung und Ausweitung zu wünschen.

[Gregor Horstkemper, 25. Juli 2005]

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