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Bayerische Landesbibliothek Online (BLO)

Nr. 42 / 2005  

Resümee:  Unter dem Dach des Kooperationsprojekts BLO werden zahlreiche intensiv vernetzte Module (Orts- und Personendatenbank, Historische Karten, Ortsblätter, Zeitschriften etc.) zur bayerischen Landesgeschichte zusammengeführt.
URL:  http://www.bayerische-landesbibliothek-online.de/
Kategorie:  Themenangebote

Um den Aufbau qualitätvoller Online-Angebote zur bayerischen Landesgeschichte machten sich bereits in der zweiten Hälfte der 1990er Jahre mehrere Institutionen verdient: Das Haus der Bayerischen Geschichte stellte virtuelle Ausstellungen und Fachdatenbanken ins Netz, die Kommission für bayerische Landesgeschichte bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften startete u. a. den "Informationsknotenpunkt Geschichte Bayerns", und in wissenschaftlichen Bibliotheken wurden landesbibliographische Angebote und retrodigitalisierte Druckmaterialien bereitgestellt. Um eine drohende Aufsplitterung in unzusammenhängend nebeneinander stehende Teilangebote zu vermeiden, ging im Juni 2002 die BLO als gemeinsames landesgeschichtliches Informationsportal bayerischer Bibliotheken ans Netz. Neben der federführend tätigen Bayerischen Staatsbibliothek sind als Projektpartner die Universitätsbibliotheken Augsburg, Regensburg und Würzburg sowie die Landesbibliothek Coburg beteiligt. Die Zusammenarbeit sollte von Anfang nicht auf die Bibliothekswelt begrenzt bleiben: Die Reihe der Kooperationspartner reicht daher von den beiden bereits eingangs erwähten landesgeschichtlichen Institutionen und die "Konferenz der Landeshistoriker an den bayerischen Universitäten" über die "Landesstelle für die nichtstaatlichen Museen in Bayern" und die "Staatlichen Archive in Bayern" bis hin zur "Bayerischen Vermessungsverwaltung".

Die Startseite bietet bereits einen Überblick über mehr als ein Dutzend Teilprojekte. Um die Vernetzung zwischen diesen Teilprojekten kennenzulernen, eignet sich gleich das erste Angebot, die Ortsdatenbank. Hat man diesen Link angesteuert, kann nach interessierenden Ortsnamen gesucht werden. Es ist aber auch möglich, aus einer Reihe topographischer Kategorien auszuwählen und alle Orte angezeigt zu bekommen, die dieser Kategorie angehören. Auf diese Weise lassen sich z. B. Listen der mehr als 10.000 Weiler oder der über 3.000 Pfarrdörfer in Bayern ausgeben. Sucht man ohne weitere Spezifizierung von Kategorien nach dem Suchbegriff "Ingolstadt", findet sich neben der bekannten Stadt an der Donau noch je ein Kirch- und Pfarrdorf gleichen Namens. Klickt man den zur Donaustadt gehörenden Link an, werden einige geographische Informationen einschließlich der Gauß-Krüger-Koordinaten sowie die ungefähre Lage auf einer kleinen Karte des Bundeslands Bayern angezeigt.

Unter der Überschrift "Weiterführende Suchmöglichkeiten" werden nun verschiedene Sprungmöglichkeiten offeriert: Klickt man auf den Link Digitalisierte historische Karten Bayerns, landet man im Kartenmodul der BLO, in dem digitale Versionen von mehr als 600 historischen Karten zu finden sind. Im Fall von Ingolstadt werden Treffer in mehr als achtzig Karten angezeigt. Interessiert man sich vor allem für alte Karten, kann die Treffersortierung vom voreingestellten "Maßstab" auf das Kriterium "Jahr" umgestellt werden. Auf diese Weise gelangt man zu digitalen Fassungen von Philipp Apians "Bairischen Landtaflen" von 1568 oder Johann Jacob Lidls "Neuer Geographischen Land-Karte" von 1743. Klickt man die kleinen Thumbnails an, springt man von der Kartendatenbank der UB Regensburg zu einem Zoomserver der Bayerischen Staatsbibliothek, mit dessen Hilfe man - auch ohne Plugin - unterschiedliche Auflösungsstufen des historischen Kartenmaterials ansteuern kann. Mit Hilfe der Gauß-Krüger-Koordinaten wird der Zoom-Server jeweils auf den gesuchten Ort fokussiert, auch wenn der Ortsname evt. nicht in der Karte eingetragen ist.

Neben dem Sprung in das Kartenmodul wird als zweite Option eine Recherche in der "Zeitschrift für Bayerische Landesgeschichte" angeboten, die von der BSB digitalisiert wurde. Die durch Anklicken des entsprechenden Links ausgelöste Stichwortsuche nach "Ingolstadt" führt zu über 2.200 Treffern. Während die Jahrgänge ab 1962 im Volltext erfasst wurden und daher auch Treffer direkt in den Aufsätzen und Rezensionen gefunden werden, können für die älteren Bände nur Titelstichwörter recherchiert werden. Klickt man beispielsweise den Jahrgang 35 (1972) an, wird man an mehreren Stellen fündig: Die Bandbreite reicht von Einzeltreffern in kunsthistorischen Aufsätzen bis hin zu einem Beitrag wie dem von Arno Seifert über die Haltung der Bischöfe von Eichstätt zur Universität Ingolstadt in den 1580er Jahren mit mehr als 50 Treffern. Als dritte Sprungoption werden die Ortsblätter des 19. Jahrhunderts angeboten, in denen die Ergebnisse der ersten systematischen kartographischen Erfassung ganz Bayerns (zwischen 1808 und 1853) dokumentiert werden. In Zusammenarbeit mit der Bayerischen Vermessungsverwaltung werden mehr als 2.400 Ortsblätter erstmals im Internet in relativ hoher Auflösung (JPG-Dateien von jeweils etwa 1 MByte Umfang) zugänglich gemacht. Neben den Angeboten der BLO werden die Suchergebnisse in der Ortsdatenbank auch mit Ressourcen der Kooperationspartner verlinkt: Man kann z. B. direkt zu einer Liste der Ingolstädte Klöster springen, die vom Haus der Bayerischen Geschichte angeboten wird, oder zu einer Liste von Denkmälern, die das Bayerische Landesamt für Denkmalpflege bereitstellt.

Auf die weiteren Module der BLO kann hier nur summarisch verwiesen werden: Die Personensuche ermöglicht die Suche in einigen digitalisierten biographischen Nachschlagewerken, die Bayerische Bibliographie macht landesgeschichtliche Veröffentlichungen recherchierbar, von dem renommierten Historischen Atlas von Bayern werden die vergriffenen Bände in digitalen Fassungen zugänglich gemacht. Noch wenig vernetzt sind die Augsburger Digitalisierungsprojekte, die Angebote von Franconica-Online und der Regensburger Porträtsammlung oder die Mitteilungen des Vereins für Geschichte der Stadt Nürnberg. Ein in Arbeit befindliches Historisches Lexikon Bayerns könnte hier durch die weitere Vernetzung von Teilangeboten Abhilfe schaffen. Doch auch schon die Zusammenführung von Einstiegsmöglichkeiten zu den unterschiedlichen Teilmodulen macht die BLO zu einem sehr nützlichen Arbeitsinstrument. Da die durchdachten Verknüpfungen zwischen den einzelnen Komponenten sowie die Einbindung externer Informationsressourcen eine besondere Stärke des Online-Angebots ausmacht, wäre ein konsequentes Voranschreiten der BLO-Partner auf dem Weg der benutzerfreundlichen Vernetzung kooperativ erstellter Module höchst begrüßenswert.

[Gregor Horstkemper, 17. Oktober 2005]

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