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Médiathèques de l’Agglomération troyenne (MAT) |
| Nr. 43 / 2005 |
| Resümee: | Zu den Online-Angeboten des Mediatheken-Netzwerks von Troyes zählen digitalisierte Handschriften, Inkunabeln und Werke der "Bibliothèque bleue" sowie virtuelle Ausstellungen. |
| URL: | http://www.mediatheque-agglo-troyes.fr |
| Kategorie: | Bibliotheken |
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"Mediatheken des Ballungsgebiets Troyes", das klingt ein wenig nach DVD-Verleihgenossenschaft der CGT oder Download-Shop für frankophonen Ethno-Pop. Wer die Webseiten dieser Institution besucht, wird jedoch umgehend eines Besseren belehrt: Es handelt sich im Kern um das Online-Angebot einer Bibliothek, die einerseits ein reichhaltiges kulturelles Erbe verwaltet und andererseits den medialen Rezeptionsgewohnheiten des 21. Jahrhunderts gerecht zu werden versucht. Die erste öffentlich zugängliche Bibliothek in Troyes wurde 1651 durch den Kanoniker Jacques Hennequin gegründet. Die im Zuge der französischen Revolution erfolgte Säkularisierung kirchlicher Einrichtungen brachte wertvolle Handschriften und Inkunabeln nach Troyes. In erster Linie ist hier die 1135 gegründete Bibliothek der Zisterzienserabtei von Clairvaux zu nennen. Diese "Erbschaft" machte Troyes auf einen Schlag zu einem der wichtigsten Aufbewahrungsorte für mittelalterliche Manuskripte sowie französische Inkunabeln und Frühdrucke. Ab dem frühen 17. Jahrhundert spielte Troyes außerdem eine zentrale Rolle bei der Verbreitung der für die frühneuzeitliche Volkskultur so wichtigen Kolportage-Literatur. Ein gewisser Nicolas Oudot begann in Troyes mit der Veröffentlichung preiswerter Druckwerke, die sich an breite Bevölkerungsschichten richteten und in ihrer Gesamtheit eine bunte Palette populärer Stoffe und Gattungen bildeten. Von Almanachen und Prognostica sowie Koch- oder Gartenbüchern über Werke zur Allgemeinmedizin und zur elementaren Mathematik bis hin zu religiöser Erbauungsliteratur und republikanischen Sentenzensammlungen der Revolutionszeit deckte die sogenannte "Bibliothèque bleue" eine große Bandbreite der französischen Volkskultur ab. Mit Robert Mandrou und Robert Muchembled haben sich zwei der bekanntesten Fachleute für die frühneuzeitliche Volkskultur mit dieser einflussreichen Literaturgattung auseinandergesetzt. Neben dem kulturellen Erbe der säkularisierten Klöster stellt der Bestand an Publikationen der "Bibliothèque bleue" ein zweites charakteristisches Element im Gesamtangebot der MAT dar. Wem an einer Einführung in die seit den 1990er Jahren verfolgten Mediatheken-Politik in Troyes gelegen ist, sollte unter den Startseiten-Links zunächst dem etwas abwegig formulierten Link Patrimoine et tourisme folgen. Im Kapitel "Histoire de la Médiathèque" finden sich dann einige Hintergrundinformationen. En passant sei darauf hingewiesen, dass die Hauptnavigationslinks der Startseite ohne Not im Flash-Format bereitgestellt werden. Weitere nützliche Informationen erreicht man über den Link Le réseau des médiathèques. Zu den Hauptbestandteilen dieses Webangebots führt der Link Les catalogues. Unter der Überschrift "La bibliothèque virtuelle" werden anschließend mehrere Optionen offeriert: Zunächst können Les images angesteuert werden. Hier dürften vor allem Freunde illuminierter mittelalterlicher Handschriften ins Schwärmen geraten. Aus frühneuzeitlicher Perspektive sind hauptsächlich die Livrets de la Bibliothèque bleue von Interesse. Zwar sind hier die Titeldaten von mehr als 1.800 Druckwerken recherchierbar, doch können in der Abteilung Les images nur die Titelblätter dieser Drucke betrachtet werden. Wesentlich ergiebiger ist mit Les textes intégraux ein zweiter Bestandteil der virtuellen Bibliothek. Wenn man hier den Unterbereich Livrets de la bibliothèque bleue ansteuert (was mit einem Firefox-Browser übrigens Probleme bereitete), kann man sich durch Anklicken des "Rechercher"-Buttons zunächst alle rund 580 Titel auflisten lassen. Es ist aber auch möglich, nach Titel, Autor oder Signatur zu suchen, und eine Eingrenzung auf bestimmte Themenbereiche vorzunehmen. Da sich unter den digitalisierten Werken mehrere Publikationen zur "Querelle des femmes" finden, sei am Beispiel des 1616 veröffentlichten Werks "De la bonté et mauvaitié des femmes" von Jean de Marconville die Präsentationsweise der einzelnen Digitalfassungen erläutert. Nach dem Anklicken des Titels dieses Werks wird eine kombinierte Blätter- und Zoomlösung angesteuert, in der einige Thumbnails sowie eine Navigationsstruktur zu sehen sind. Mit Hilfe dieses Instrumentariums kann man zunächst den Bereich des Druckes ansteuern, der einer näheren Betrachtung unterzogen werden soll. Da nur ein Teil der verfügbaren Bildschirmfläche ausgenutzt wird, ist es ratsam, anschließend das am rechten Bildrand zu findende Icon anzuklicken, mit dessen Hilfe ein neues Browser-Fenster mit besserer Platzausnutzung geöffnet werden kann. Anschließend kann die gewünschte Buchseite in hoher Auflösung betrachtet werden. Die JPG-Dateien können durchaus einen Umfang von 2,5 MByte erreichen, so dass teilweise ein wenig Geduld notwendig ist. Allerdings wird man durch die gute Lesbarkeit der Materialien für manche Wartezeiten entschädigt. Die gleiche Präsentationssoftware wird auch für die rund 90 verfügbaren Inkunabeln und Frühdrucke verwendet. Erwähnt seien etwa "Le Romant de la Rose" (gedruckt zwischen 1504 und 1508) und die "Coutumes de Bourgogne" (Lyon ca. 1496). Wer sich für die Frühgeschichte des Buchdrucks interessiert, sollte auch noch einmal den Bereich Patrimoine et tourisme ansteuern. Hier findet sich der Link Expositions en ligne, der wiederum zu mehreren virtuellen Ausstellungen führt. Unter den interessanten Präsentationen seien die Trésors des premiers imprimeurs hervorgehoben, in denen mit Hilfe einer etwas verspielten Flash-Anwendung sinnvoll vernetzte Informationen über wichtige Personen, Themen und Techniken des frühen Buchdrucks vermittelt werden. Die digitalen Reproduktionen von Handschriften, Inkunabeln und neuzeitlichen Drucken werden durch diese Zusatzangebote gut ergänzt. Den Kern dieses Webangebots bilden jedoch zweifellos die textes intégraux, unter denen wiederum die Quellen zur frühneuzeitlichen Volkskultur ein besonders interessantes Teilangebot darstellen. [Gregor Horstkemper, 24. Oktober 2005] |
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