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Libri antichi |
| Nr. 20 / 2006 |
| Resümee: | Umfangreiche Sammlungen italienischer Drucke des 16. und 17. Jahrhunderts werden von der "Università degli Studi di Torino" im PDF-Format zugänglich gemacht. |
| URL: | http://hal9000.cisi.unito.it/wf/BIBLIOTECH/Umanistica/Biblioteca2/Libri-anti1/ |
| Kategorie: | Digitale Editionen |
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Wer sich für die italienische Kultur- und Literaturgeschichte des 16. und 17. Jahrhunderts interessiert, sollte der "Biblioteca Centrale della Facoltà di Lettere e Filosofia" an der "Università degli Studi di Torino" einen virtuellen Besuch abstatten: Auf deren Webseite finden sich digitale Reproduktionen von mehreren hundert alten Drucken, die überwiegend dem Bereich der erzählenden Literatur und der Theatergeschichte entstammen. Die beiden für das Webangebot verantwortlich zeichnenden Universitätsangehörigen Claudio Ruggeri und Aligi Michelis haben sich beim Aufbau der digitalen Bibliothek auf mehrere Sammlungen frühneuzeitlicher Werke stützen können. Der Grundstein des Angebots an erzählender Literatur wurde im 19. und frühen 20. Jahrhundert von Arturo Graf (1848 - 1913) gelegt, einem Philologen und Dichter, der seit 1882 als Professor für italienische Literatur an der Turiner Universität wirkte und sich vor allem mittelalterlichen und frühneuzeitlichen Autoren widmete. Dementsprechend verleibte er seiner Bibliothek zahlreiche Werke des 16. und 17. Jahrhunderts ein, die heute einen wichtigen Bestandteil der "Biblioteca Centrale della Facoltà di Lettere e Filosofia" bilden. Das Angebot an Theaterliteretur geht dagegen auf die drei Sammlungen Cavriani, Melziana und Querzola zurück, die Mitte des 20. Jahrhunderts erworben wurden. Mit Hintergrundinformationen zum Digitalisierungsprojekt und den Auswahlkriterien der Werke wird nicht aufgewartet, vielmehr bietet die recht karge Startseite nur die Wahl zwischen einem stöbernden und einem suchenden Zugang zu den Inhalten. Drei Hauptgruppen an digitalisierten Quellen werden unterschieden: Der Bereich Narrativa italiana del Seicento (e dintorni) enthält etwa 180 Drucke mit erzählender Literatur des 17. Jahrhunderts, im Abschnitt Teatro italiano del XVI e XVII secolo finden sich über 700 Drucke von Theaterstücken und verwandte Literatur des 16. und 17. Jahrhunderts, und schließlich beinhaltet das kleinste Segment Miscellanea di testi di genere diverso rund ein Dutzend Varia zu unterschiedlichen Themen. Zu jedem der Teilangebote werden knappe Charakterisierungen angeboten, so dass Besucher sich zumindest eine grobe Orientierung bezüglich der zu erwartenden Inhalte verschaffen können. Hat man sich für einen der drei Bereiche entschieden, besteht die Gelegenheit, eine Gesamtliste der jeweils verfügbaren Digitalisate abzurufen (Elenco completo). Die alphabetisch nach Autorennamen sortierten Werklisten enthalten zwar nur die notwendigsten bibliographischen Angaben, doch dürfte das für die Grundorientierung ausreichen. Interessiert man sich für geschlechtergeschichtliche Fragestellungen, dürfte in der Liste der erzählenden Literatur u. a. das von Pierre Le Moyne verfasste und von Laura Maria Foschiera ins Italienische übersetzte Werk "La galleria delle donne forti" Aufmerksamkeit finden. Besucher seien jedoch gewarnt, dass nur ein schneller Internetzugang das Anklicken der entsprechenden Zugangslinks zu einem Vergnügen macht. Die Tatsache, dass die digitale Version dieser 1701 gedruckten und knapp 350 Seiten umfassenden Publikation aus drei Teilen besteht, die über separate Links angesteuert werden können, deutet bereits auf enorme Dateigrößen hin. Die Digitalisate können nicht seitenweise im JPG- oder GIF-Format abgerufen werden, sondern stehen als umfangreiche PDF-Dateien zum Download bereit. Allein schon die Seiten 1-105 der erwähnten "Galerie bedeutender Frauen" belegen 32 GByte auf der Festplatte, so dass sich beim Herunterladen des Gesamtwerks ein Speicherbedarf von etwa 100 GByte ergibt. Wem ein schneller Internetzugang und der notwendige Plattenplatz zur Verfügung steht, profitiert von der hohen Auflösung der Seitenreproduktionen. Die Ausleuchtung der Buchseiten ist zwar nicht immer optimal zu nennen, doch die Lesbarkeit wird dadurch nur unwesentlich beeinträchtigt. Die verfügbar gemachten Bestände an erzählender Literatur enthalten u. a. interessantes Material zur höfischen Kultur, zur Entwicklung der italienischen Sprache oder auch zur Stadtgeschichte. Besonders umfassend vertreten ist das literarische Werk von Giambattista Marino, der zum Namensgeber des heute als überladen empfundenen marinistischen Literaturstils wurde. Mehr als dreißig Links führen zu Reproduktionen seiner Veröffentlichungen. Die Sammlung an Theaterliteratur zeichnet sich dadurch aus, dass ein repräsentativer Querschnitt für das 16. und 17. Jahrhundert angeboten wird. Neben berühmten Namen wie Pietro Aretino, Lodovico Ariosto oder Torquato Tasso sind auch zahlreiche weniger bekannte Autoren vertreten. Für Interessenten der Theatergeschichte stellt diese Materialsammlung daher einen wertvollen Quellenfundus dar. Interessante Dokumente finden sich schließlich auch im Abschnitt Miscellanea: Beachtenswert ist beispielsweise Tommaso Campanellas 1640 in Amsterdam gedruckter Diskurs "De monarchia hispanica". Wer nicht browsend das Gesamtangebot durchstöbern will, kann bereits auf der Startseite eine Recherchefunktion benutzen. Als Suchfelder stehen dabei Autorenname, Titel, Ort, Jahr und Herausgeber / Drucker zur Verfügung, wobei die genannten Felder beliebig miteinander kombiniert werden können. Die Orientierung innerhalb des zur Verfügung stehenden Gesamtangebots fällt aufgrund der brauchbaren Erschließungsinstrumente leicht. Besonders erfreulich ist die hohe Auflösung der Reproduktionen, die allerdings beachtliche Download-Zeiten zur Folge haben kann. Wem die italienische Kulturgeschichte am Herzen liegt und die Bereitstellung sehr umfangreicher PDF-Dateien keine Probleme bereitet, der wird bei diesem Webangebot auf seine Kosten kommen. [Gregor Horstkemper, 15. Mai 2006] |
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