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Einbanddatenbank |
| Nr. 24 / 2006 |
| Resümee: | In einem von vier deutschen Bibliotheken betriebenen Projekt werden Informationen zu mehreren zehntausend Einbänden alter Drucke recherchierbar gemacht. |
| URL: | http://www.hist-einband.de/ |
| Kategorie: | Themenangebote |
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"Einbandforschung ist eine Hilfswissenschaft, die die Geschichte des Bucheinbandes mit seiner technischen und künstlerischen Entwicklung zum Gegenstand hat." So definiert der 1996 gegründete "Arbeitskreis für die Erfassung, Erschließung und Erhaltung historischer Bucheinbände" sein Betätigungsfeld, dem jahrzehntelang nur wenig Aufmerksamkeit zuteil wurde. Nach der Etablierung des organisatorisch an die Staatsbibliothek zu Berlin angebundenen Arbeitskreises nahmen die Erschließungsbemühungen einen deutlichen Aufschwung. Im Mittelpunkt eines 2001 beantragten und von der Deutschen Forschungsgemeinschaft bewilligten Projekts standen mehrere Durchreibungssammlungen deutscher Bibliotheken. Bei Durchreibungen handelt es sich um ein elementares Arbeitsinstrument der Einbandforschung: Über die mit Hilfe von Einzel-, Rollen- oder Plattenstempeln auf Bucheinbände geprägten Ziermotive wird ein Blatt Papier gelegt; eine Bleistiftschraffur erlaubt anschließend die maßstabsgerechte Wiedergabe der Verzierung auf dem Papier. Aufgrund der großen Bedeutung solcher Durchreibungen von Bucheinbänden des 15. und 16. Jahrhunderts für die Einbandforschung wurde die Erarbeitung einer gemeinsamen Einbanddatenbank in Angriff genommen, in der formale und inhaltliche Beschreibungen mit digitalen Reproduktionen der Durchreibungen zusammengeführt werden. Bis zum Frühjahr 2006 wurden annähernd 50.000 Datensätze erfasst und im Internet recherchierbar gemacht. Die Startseite des Einbanddatenbank-Projekts enthält eine knappe Einführung in das Thema und gibt kurze Charakterisierungen der in das Projekt einbezogenen Durchreibungs-Sammlungen. In einer Navigationszeile können über die Links Projekt und Sammlungen ausführlichere Informationen abgerufen werden. U. a. finden sich hier Angaben zur Sammlung Kyriss der Württembergischen Landesbibliothek Stuttgart, zur Sammlung Schunke der Staatsbibliothek zu Berlin sowie zu den Sammlungen der Herzog August Bibliothek Wolfenbüttel und der Bayerischen Staatsbibliothek. Welche Hürden bei der Erschließung des Materials zu überwinden waren, zeigt der Unterbereich Terminologie. Dort wird für Einzelstempel wie für Rollen- und Plattenstempel die erst im Rahmen der Projektarbeit entwickelte Terminologie dokumentiert, mit deren Hilfe eine einheitliche Erschließung der Durchreibungen ermöglicht wird. Vor dem ersten Zugriff auf die Datenbank sollte man auch noch dem Navigationszeilen-Link Hilfe folgen, um sich ein genaueres Bild davon zu machen, wonach gesucht werden kann, und welche verschiedenen Recherchewege zur Verfügung gestellt werden. Für einen browsenden Zugang kann der Bereich Terminologie empfohlen werden. Hier stehen für die verschiedenen Stempelarten Terminologielisten zur Verfügung, die als Ausgangspunkt zum Durchforsten des Materials genutzt werden können. Folgt man dem entsprechenden Link im Bereich der Einzelstempel, wird eine Liste von Motiven von "Aap" (= Affe) bis "Zweig" eingeblendet. Interessiert man sich z. B. für das Motiv "Löwe", wird zunächst eine kleine Unterliste von sieben verschiedenen Ausprägungen dieses Motivs angeboten (schreitende, stehende, sitzende Löwen etc.). Klickt man eine der Ausprägungen an, wird ein exemplarisches Thumbnail angezeigt. Der neben dem Thumbnail platzierte Link alle Werkzeuge führt zu einer Auflistung der zu dieser Motivausprägung vorhandenen Durchreibungen. Für den "stehenden Löwen" werden beispielsweise 20 Durchreibungen als Thumbnails ausgegeben. Klickt man wiederum eine dieser Grafiken an, gelangt man zu einer detaillierten Beschreibung des Stempelwerkzeugs und der Werkstatt. An einem stehenden Löwen aus der Werkstatt "Adler im Spitzoval" lässt sich zeigen, dass Provenienz- und Einbandforschung in engem Zusammenhang stehen: In einem Vermerk zur Werkstatt wird darauf hingewiesen, dass für deren Erzeugnisse auffällig häufig Vorbesitzer aus Passau bekannt sind und daher die Werkstatt vermutlich nach Passau lokalisiert werden kann. Schließlich kann man in der Rubrik "Standort" auch Informationen zu den einzelnen Druckwerken abrufen, bei denen das Motiv im Bucheinband nachgewiesen ist. Neben dem listengestützten Blättern in den erfassten Motiven ist im Bereich Recherche auch die gezielte Suche nach bestimmten Begriffen oder Sachverhalten möglich. Es kann nach bestimmten Werkstätten (u. a. bezogen auf Orte oder Regionen), nach Werkzeugen (u. a. bezogen auf Motive oder Motivgruppen sowie auf Maße) sowie nach buchbinderischen Einheiten (u. a. bezogen auf Standort, Bibliothek, Provenienz oder Signatur) recherchiert werden. Für alle Suchfelder stehen Indizes zur Verfügung, so dass die Orientierung im Hinblick auf sinnvolle Suchbegriffe relativ leichtfällt. Da alle Suchfelder miteinander kombiniert werden können, lassen sich sehr präzise und zielgenaue Recherchen durchführen. Die Einbanddatenbank macht bislang überwiegend unpubliziertes Material zugänglich und stellt aufgrund der guten Erschließung und ausgefeilten Rechercheoptionen ein unentbehrliches Arbeitsinstrument für die Einbandforschung dar. [Gregor Horstkemper, 12. Juni 2006] |
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