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Hungarian Electronic Library / Magyar Elektronikus Könyvtár |
| Nr. 25 / 2006 |
| Resümee: | Sowohl alte Drucke als auch moderne wissenschaftliche Literatur mit einem Bezug zu Ungarn bzw. Mitteleuropa werden frei im World Wide Web zugänglich gemacht. |
| URL: | http://mek.oszk.hu/indexeng.phtml |
| Kategorie: | Digitale Editionen |
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Auch wer der ungarischen Sprache nicht mächtig ist, kann großen Nutzen aus dem Besuch der "Ungarischen Elektronischen Bibliothek" ziehen. 1994 startete eine Gruppe ungarischer Bibliothekare dieses Online-Projekt, um eine digitale Sammlung von frei zugänglichen wissenschaftlichen Materialien und Dokumenten des kulturellen Erbes aufzubauen. Das anfangs noch als Gopher-Service betriebene Internet-Angebot wurde 1996 auf das HTTP-Protokoll umgestellt. Aufgrund der stetig steigenden Zahl der bereitgestellten Dokumente wie auch der Nutzerzugriffe übernahm die Ungarische Nationalbibliothek den Betrieb des Angebots. Im Mittelpunkt stehen Textdokumente, doch finden sich auch andere Materialien wie Karten oder Notendrucke. Seit 2001 werden die Dokumente auf der Basis von standardisierten Metadaten erschlossen, so dass differenzierte Rechercheoptionen angeboten werden können. Die seit Ende der 1990er Jahre erarbeiteten Grundsätze für die Auswahl der in die digitale Bibliothek aufzunehmenden Dokumente basieren auf der ursprünglichen Zielsetzung, ein Angebot für Zwecke der wissenschaftlichen Forschung, der Ausbildung und der Kulturpflege zu betreiben. Die Dokumente müssen nicht in ungarischer Sprache verfasst sein, sollten aber einen Bezug zu Ungarn oder zum mitteleuropäischen Raum aufweisen. Auf der englischsprachigen Fassung der Homepage findet sich am oberen Bildrand der Link about us, der grundlegende Informationen über das Webangebot und seine Entwicklung vermittelt. Ausdrücklich werden alle Interessenten zur Mitarbeit aufgerufen - im Bereich contact us ist sogar ein direkter Dokument-Upload einschließlich der Verknüpfung mit einer "Creative Commons"-Lizenz möglich. Für den Zugang zu den bereits verfügbaren Dokumenten stehen eine Blätter- und eine Suchoption zur Verfügung. Der blätternde Zugang basiert auf einer sachlichen Gruppierung der Materialien. Für historisch interessierte Besucher empfiehlt sich die Gruppe Social Sciences. Ist man dem entsprechenden Link in der am linken Bildschirmrand untergebrachten Navigationsspalte gefolgt, werden anschließend zwölf Untergruppen angezeigt, in denen jeweils eine größere Zahl von Auswahloptionen versammelt sind. Die Untergruppe "History, local history" bietet z. B. die Möglichkeit, die Sachgruppe "Hungarian History 1527-1790" per Checkbox zu markieren. Klickt man anschließend auf den "Search"-Schalter, werden über vierzig Treffer angezeigt. Eine nähere Betrachtung der Trefferliste ergibt, dass die digitale Bibliothek sowohl moderne Publikationen als auch retrodigitalisierte alte Drucke in deutscher Sprache enthält. Als Beispiel für die erstgenannte Gruppe kann die Publikation "Kreuz und Halbmond: Die Türkenzeit in Ungarn (1526-1699)" genannt werden, die im Rahmen der seit 1996 auf CD-ROMs publizierten Reihe "Encyclopaedia Humana Hungarica" erschienen ist. Die von renommierten Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern verfassten Beiträge können zusammen mit zahlreichen Illustrationen als HTML-Seiten abgerufen werden. Ein typisches Exemplar für die Sammlung retrodigitalisierter deutschsprachiger Veröffentlichungen ist die 1532 gedruckte "Newe Zeyttung und warhafte Anzeygung, wie die [...] Rott des türckischen Tyrannen [...] durch die unsern [...] umbgebracht". Der vier Blätter umfassende Druck kann als PDF-Datei von 1,2 MByte Umfang heruntergeladen werden, was eine zufriedenstellende Lesbarkeit des Textes sicherstellt. In einigen Fällen reicht die gewählte Auflösung nicht ganz aus, um z. B. handschriftliche Marginalien zu entziffern. Trotz solcher kleineren Einschränkungen ist das hier bereitgestellte Quellenmaterial von großem Nutzen für die Beschäftigung mit der Geschichte des Verhältnisses zwischen Mitteleuropa und dem osmanischen Reich. Wählt man beim blätternden Zugang den gesamten Bereich "History, local history" aus, werden mehr als fünfhundert Treffer ausgeworfen, unter denen sich weitere interessante Materialien finden. Für die Wissenschafts-, Kultur- und Kirchengeschichte relevant ist z. B. das Werk "Lesestoffe in Westungarn", in dem der frühneuzeitliche Buchbesitz von Bewohnern mehrerer westungarischer Städte - z. B. Sopron / Ödenburg und Eisenstadt / Kismarton - dokumentiert wird. Dieses Werk, von dem zwei Bände zugänglich gemacht werden, ist ein Beispiel für die Bereitstellung verschiedener Dokumentformate: Die Besucher der Webseite haben die Wahl zwischen einer PDF-, einer MS Word- und einer RTF-Version. Erwähnenswert ist auch eine "Kurze Geschichte Siebenbürgens", doch sollte man besser gleich zur neueren und umfangreicheren "History of Transylvania" aus dem Jahre 2001 greifen, die von Béla Köpeczi herausgegeben wurde und nicht in deutscher Sprache vorliegt. Neben den Social Sciences ist auch die Abteilung Culture, Arts, Literature zu beachten. Im Unterbereich "Church History" findet sich z. B. die überarbeitete Fassung der 1978 von Viktor Segesváry publizierten Dissertation "L'Islam et la Réforme. Etude sur l'attitude des Reformateurs zurichois envers l'Islam, 1510-1550". Der Such-Zugang kann sehr komfortabel direkt von der Startseite aus genutzt werden. Als Felder stehen Autor und Titel sowie das Fachgebiet zur Verfügung, wobei in letztgenanntem Feld nur ungarische Begriffe eingegeben werden können. Als Eingrenzungskriterium kann die Sprache der Dokumente gewählt werden, wobei zwischen Ungarisch, Englisch, Französisch, Italienisch und Deutsch gewählt werden kann. Lateinische Veröffentlichungen können leider nicht direkt selektiert werden, doch finden sie sich in der Kategorie "Other" wieder. Zusätzlich zur Suche in den bibliographischen Daten steht eine Volltextsuche für alle diejenigen Dokumente zur Verfügung, von denen eine HTML-Fassung vorliegt. Auch wer kein Ungarn-Spezialist ist und ohne ungarische Sprachkenntnisse diese Webseite besucht, findet hier viele nützliche und gut erschlossene Materialien zur Geschichte Mitteleuropas. [Gregor Horstkemper, 19. Juni 2006] |
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