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BiViO: Biblioteca Virtuale On-Line |
| Nr. 26 / 2006 |
| Resümee: | Von renommierten Fachleute erarbeitete digitale Editionen ausgewählter Werke der italienischen Renaissance stehen als durchsuchbare Volltexte bereit. |
| URL: | http://www.bivionline.it/ |
| Kategorie: | Digitale Editionen |
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Wer sich in Erinnerung ruft, dass Werke italienischer Autoren der Frühen Neuzeit bereits in einem bunten Reigen virtueller Bibliotheken zugänglich gemacht werden - etwa in der "Biblioteca Italiana", in den "Libri Antichi" oder in "Liber Liber" -, der wird sich beim Besuch der BiViO-Webseiten die Frage stellen, worin das Proprium dieses auf Texte der italienischen Renaissance fokussierten Online-Angebots besteht. Wie im Fall der beiden erstgenannten virtuellen Bibliotheken sind für BiViO renommierte Forschungseinrichtungen verantwortlich: Das 2002 gestartete Projekt wurde zunächst von der Scuola Normale Superiore in Pisa sowie dem Istituto Nazionale di Studi sul Rinascimento in Florenz betrieben, unterstützt durch das italienische Kulturministerium. Dem Kreis der Projektpartner gehört seit kurzem auch das Department of History der Harvard University an. Von den "Libri Antichi" unterscheidet sich BiViO durch die Tatsache, dass hier keine grafischen Reproduktionen alter Drucke vorliegen, sondern durchsuchbare Volltexte wie im Fall der "Biblioteca Italiana". Da eine Reihe von Werken sowohl in BiViO als auch bei einer der anderen Virtuellen Bibliotheken zu finden ist, lässt sich die "differentia specifica" am besten anhand eines solchen mehrfach angebotenen Textes aufzeigen. Vor dem Zugriff auf einzelne Materialien können die Besucher zwischen einer italienischen und einer englischen Benutzeroberfläche wählen. Nach dem Anlicken des Links Entra nella Biblioteca / Enter the Library empfiehlt sich zunächst die Lektüre der beiden Abschnitte Progetto / Project und Info / Information, die über die am linken Bildschirmrand untergebrachte Navigationsspalte zu erreichen sind. Hier wird u. a. erläutert, dass die virtuelle Bibliothek der Bereitstellung wichtiger Quellen für geschichtswissenschaftliche, philosophische und philologische Forschungen dienen soll. Außerdem finden sich Angaben zu den Transkriptions- und Kodierungskriterien sowie zum Bereitstellungssystem, mit dessen Hilfe die im XML-Format vorliegenden Volltexte durchsucht und abgerufen werden können. Für den Zugang zu den Quellen kann zwischen einer Suchoption und zwei Blätteroptionen gewählt werden. Der blätternde Zugriff kann zum einen über die Option Proposte di lettura / Suggested reading erfolgen, bei der die verfügbaren Texte auf ein gutes Dutzend Sachgruppen verteilt wurden; zum anderen steht eine Liste der Autori / Authors zur Verfügung, was die Suche nach bestimmten Verfassern vereinfacht. Folgt man dem Link Proposte di lettura / Suggested reading und wählt anschließend die Sachgruppe Arte della guerra aus, findet sich als einziger Eintrag dieser Kategorie Machiavellis "L'Arte della guerra". Da dieser Titel auch in der "Biblioteca Italiana" und in "Liber Liber" enthalten ist, eignet er sich für einen Vergleich der verschiedenen virtuellen Bibliotheken. Klickt man in BiViO den Werktitel an, gelangt man zu einer Startseite mit einem Inhaltsverzeichnis, von dem aus zu den einzelnen Kapiteln gesprungen werden kann. Der Text wird nicht als umfangreiche, durchlaufendende Datei ausgegeben, sondern Seite für Seite, so dass der jeweilige Bildschirminhalt dem Umfang einer Buchseite entspricht. Eine Option zum Download des Gesamttextes im XML-Format, wie sie etwa die "Biblioteca Italiana" bietet, wird hier nicht offeriert. Die Navigation erfolgt mit Hilfe einer einfachen Blätterlösung, die u. a. den gezielten Sprung zu bestimmten Seitenzahlen erlaubt. Am oberen Bildschirmrand findet sich eine Navigationszeile, die über den Link edizioni / editions Informationen zur Textgrundlage der digitalen Edition vermittelt. Während "Liber Liber" und "Biblioteca Italiana" die 1971 von Mario Martelli besorgte Edition des zuerst 1521 gedruckten Machiavelli-Werks zur Grundlage ihrer digitalen Umsetzung gemacht haben, konnte für die BiViO-Fassung von "L'Arte della guerra" auf den 2001 von Denis Farchard, Giorgio Masi und Jean-Jacques Marchand herausgegebenen Band der "Edizione nazionale delle opere di Niccolò Machiavelli" zurückgegriffen werden. Nicht nur anhand des Textbestands, auch im Hinblick auf die Aufbereitung der Texte lassen sich Unterschiede am Beispiel des Machiavelli-Textes aufzeigen. Eine Besonderheit der BiViO-Präsentation besteht darin, dass gezielt auf Textstellen mit Zitaten anderer Autoren und auf Seiten mit Illustrationen zugegriffen werden kann. Nach Anklicken des Navigationszeilen-Links illustrazioni / illustrations wird eine Abbildungsliste angezeigt, die den Weg zum Bildmaterial eröffnet. Besonders nützlich ist der Navigationszeilen-Link citazioni / quotations: Er führt zu einer Auflistung der von Machiavelli im gesamten Werk zitierten Autoren, wobei die betreffenden Passagen der zitierten Verfasser von den Herausgebern möglichst genau identifiziert wurden. Schaut man sich weiter in der Abteilung Proposte di lettura / Suggested reading um, fällt auf, dass die Bereiche Iconologia, Immagini del macrocosmo und Immagini del microcosmo besonders gut gefüllt sind. Wie bei den meisten anderen Themengruppen fungieren Wissenschaftler als Betreuer, im Fall der beiden letztgenannten Bereiche der Giordano Bruno-Spezialist Michele Ciliberto. Ein näherer Blick auf die Liste der in den Immagini del macrocosmo verfügbaren Titel zeigt, dass trotz mancher Überschneidungen mit den anfangs erwähnten digitalen Bibliotheken doch auch zahlreiche Texte exklusiv in BiViO verfügbar gemacht werden: Tommaso Campanellas "Epilogo Magno", Francesco Patrizis "Nova de universis philosophia" oder Giordano Brunos "De innumerabilibus et immenso" finden sich nur hier. Wird ein suchender Zugang zum Textmaterial gewünscht, hilft der Navigationsspalten-Link Ricerca in Bivio / Searches on Bivio weiter. Die Suchfunktionalität ist einfach gehalten, da keine Recherche in einzelnen Suchfeldern, sondern eine reine Volltextsuche angeboten wird. Immerhin kann die Suche auf einen Teil der gut fünfzig Autorennamen, aber auch auf einige der Sachgebiete begrenzt werden. Sucht man z. B. nach der Phrase "guerra", werden mehr als 1.300 Treffer in knapp fünfzig Werken ausgeworfen. In der 1611 erschienenen Ausgabe von Cesare Ripas "Iconologia" finden sich nicht weniger als 55 Textstellen. Für jede einzelne Passage kann das direkte Textumfeld bis hin zu einer Länge von fünf Textzeilen angezeigt werden, so dass man sich schnell über den jeweiligen Kontext orientieren kann. Mit einem weiteren Mausklick lassen sich für die intensivere Lektüre die dazugehörigen Textseiten aufrufen. Aufgrund der ansprechenden Gestaltung und der unkomplizierten Blätter- und Suchfunktionen fällt die Arbeit mit BiViO leicht. Durch die Bereitstellung bislang noch nicht in digitaler Form vorliegender Texte und durch die vertiefte Erschließung und gute Durchsuchbarkeit des Textbestandes weist BiBiO gegenüber anderen virtuellen Bibliotheken einen Zusatznutzen auf, der den Besuch auch dieses Webangebots empfehlenswert macht. [Gregor Horstkemper, 26. Juni 2006] |
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