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Centre d'Études en Rhétorique, Philosophie et Histoire des Idées (CERPHI) |
| Nr. 29 / 2006 |
| Resümee: | Das Forschungszentrum CERPHI stellt umfangreiche Informationen über seine Aktivitäten und Forschungsergebnisse ins Netz und macht eine Reihe von Volltexten verfügbar. |
| URL: | http://www.cerphi.net/ |
| Kategorie: | Forschungseinrichtungen |
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Die historische Subdiszplin "Geistes- und Ideengeschichte" hatte keine Konjunktur in der deutschen Geschichtswissenschaft der 1960er bis 1980er Jahre. Anderenorts wurde dagegen während dieser Zeit ein modernes, frühere Defizite überwindendes Modell zur Erforschung geistiger Strömungen und ihrer Wechselwirkungen mit dem jeweiligen gesellschaftlichen Handlungsrahmen entwickelt. Vertreter dieses im englischen Sprachraum als "intellectual history" etikettierten Ansatzes legen besonderen Wert auf die Kontextualisierung von Ideen und auf die große Bedeutung von Sprachsystemen für die Gestaltung der sozialen und politischen Verhältnisse. Das Forschungszentrum CERPHI, das sich der Erforschung von "Rhetorik, Philosophie und Ideengeschichte" verschrieben hat, folgt ähnlichen Wegen. Die an der "École Normale Supérieure Lettres et Sciences Humaines" in Lyon angesiedelte Arbeitsgruppe will sich nicht auf die immanente Analyse einzelner Texte oder die isolierte Betrachtung des Werks bestimmter Autoren beschränken, sondern die jeweiligen geistesgeschichtlichen und gesellschaftlichen Rahmenbedingungen in die Untersuchung einbeziehen. Im Mittelpunkt steht dabei die Epoche der französischen Klassik, die im Humanismus ihren Ursprung hatte und in die Aufklärung mündete. Die Grundausrichtung von CERPHI wird bereits auf der Startseite in knappen Worten zusammengefasst. Über die am linken Bildschirmrand zu findende Navigationsspalte lässt sich im Bereich Présentation über den Link Axes de recherches Näheres zu den Betätigungsfeldern des Zentrums herausfinden. Die Angehörigen des Zentrums sind in mehreren Untergruppen organisiert, die sich bestimmten Themenstellungen zuwenden. Teilweise stehen dabei Editionsarbeiten und Analysen mit Bezug zu Autoren wie Montesquieu, Diderot und Spinoza im Vordergrund, teilweise wird die Erforschung von Autorengruppen wie den frühneuzeitlichen Philosophen Spaniens oder Deutschlands vorangetrieben. Andere Untergruppen erforschen das Toleranzdenken des 17. Jahrhunderts und die Geschichte der Ideengeschichtsschreibung. Über den Navigationsspalten-Abschnitt Groupes de travail lässt sich Näheres zu den einzelne Untergruppen erfahren. Besonders umfangreich sind z. B. die Materialien der Untergruppe Philosophie allemande XVIIIè. Neben einer Dokumentation der Themen der Arbeitsitzungen seit der Gruppengründung im Jahr 1998 findet sich eine umfangreiche Liste von Publikationen der Arbeitsgruppenmitglieder sowie eine Aufstellung über geplante Veröffentlichungen. Dass die Beschäftigung mit Spinoza im Rahmen von CERPHI eine besonders große Rolle spielt, kann schon der Tatsache entnommen werden, dass dieser Philosoph einen eigenen Link im Navigationsmenü zugewiesen bekommen hat. Hinter dem Untermenüpunkt G.R.S. verbirgt sich die von Pierre-François Moreau geleitete "Groupe de Recherches Spinoziste", deren Hauptanliegen in der Erarbeitung einer Spinoza-Edition besteht. Die Gruppe macht neben einer Liste ihrer Publikationen auch mehrere Arbeitsmittel zugänglich. An erster Stelle ist der "Index du Bulletin de Bibliographie Spinoziste" zu nennen (erreichbar über den Navigationsspalten-Link B.B.S.), der in seiner Gesamtheit eine umfassende Bibliographie des Spinoza-Schrifttums der Jahre 1978 bis 2001 bildet. Zwar wurde das BBS nicht in eine relationale Datenbank überführt, aber das Material kann dennoch auf mehreren Wegen blätternd durchforstet werden. Neben einem jahrgangweisen Zugang besteht die Option, einen Autorenindex anzusteuern oder eine nach Publikationssprachen sortierte Liste zu benutzen. Schließlich wurden für die beiden Gattungen "Arbeitsinstrumente" und "Textausgaben und Übersetzungen" Gesamtlisten für sämtliche erfassten Jahrgänge erstellt. Begrüßenswert ist die Tatsache, dass mehrere Veröffentlichungen der G.R.S. im Volltext verfügbar gemacht werden, darunter La biographie de Spinoza von Pierre-François Moreau. Für Zwecke der Lehre sind die Texte gedacht, die im Bereich Documents agrégation versammelt sind; unter anderem wird hier eine Reihe von Vorlesungen dokumentiert. Umfangreicher fällt der Bereich Cours et documents aus, der allerdings aufgrund seiner Unterteilung in sieben Teilabschnitte auch ziemlich unübersichtlich gestaltet ist. Hier werden beispielsweise einige Articles im Volltext bereitgestellt, darunter die von Laurent Gerbiert verfasste Macchiavelli-Studie "Les mécanismes de réécriture dans le Prince: le statut des exemples". Umfangreiche Materialien finden sich in weiteren Unterbereichen, etwa in der beachtenswerten Dokumentation der Soutenances de thèses von rund 30 Promovenden bzw. Habilitanden. Für Studienzwecke ist schließlich der Unterabschnitt Notices bio-bibliographiques von Nutzen, in dem Informationen zu knapp fünfzig Philosophen der Frühen Neuzeit angeboten werden. Neben kurzen biographischen Notizen beinhaltet dieses Angebot eine Zusammenstellung von Werkausgaben sowie von Monographien und Aufsätzen über den jeweiligen Autor. Lohnend ist auch ein Besuch des Bereiches Publications. Im Abschnitt D.A.T.A. findet sich eine Dokumentation des CERPHI-Rundbriefs "Documents, Archives de Travail et Arguments", der als Kommunikationsinstrument für die Arbeitsgruppen gedacht ist und daher solche Materialien enthält, die (noch) nicht für die offizielle Publikation vorgesehen sind. Die Rundbriefe ab Nr. 47 (2003) können als PDF-Dateien heruntergeladen werden. Besonders empfehlenswert ist der letzte Link in dieser Abteilung, der zum frei zugänglichen Online-Jahrbuch Astérion führt. Von diesem geistes- und ideengeschichtlich ausgerichteten Periodikum sind bis zum Frühjahr 2006 vier Nummern erschienen, in denen Beiträge zur Frühen Neuzeit einen beachtlichen Anteil des Gesamtangebots ausmachen. Der Bereich Divers schließlich bietet u. a. ein Forum an, in dem Forschungsfragen diskutiert oder aktuelle Nachrichten übermittelt werden können. In seiner Gesamtheit macht das Webangebot von CERPHI den Eindruck einer ideengeschichtlichen Fundgrube, die über die Jahre an Reichhaltigkeit, aber auch an Unübersichtlichkeit zugenommen hat. Eine einfache Volltext-Suchfunktion hilft jedoch beim Durchstöbern der Webseiten, so dass auch der gezielte Zugriff auf bestimmte Informationen möglich ist. Wer sich für Themen der Geistes- und Ideengeschichte interessiert, sollte dieser Online-Fundgrube unbedingt einen Besuch abstatten. [Gregor Horstkemper, 17. Juli 2006] |
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