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Staatliche Museen Kassel

Nr. 33 / 2006  

Resümee:  In mehreren Online-Katalogen werden u. a. Architekturzeichnungen des 17.-20. Jahrhunderts und nachantike Kameen mit Hilfe eines durchdachten Bereitstellungssystems präsentiert.
URL:  http://www.museum-kassel.de/
Kategorie:  Virtuelle Ausstellungen

Seit 1277 fungierte Kassel als Hauptresidenz der Landgrafen von Hessen, die ihren Hauptort im Laufe der Jahrhunderte mit repräsentativen Schloss- und Parkanlagen ausstatteten sowie umfangreiche Sammlungen von Kunst- und Wissenschaftsobjekten anlegten. Diese Sammlungen bilden heute den Kernbestand der Staatlichen Museen Kassel, deren bekanntester Standort - das Schloss Wilhelmshöhe samt dazugehörigem Bergpark und Herkules-Monument - ein landschaftsarchitektonisches Gesamtkunstwerk darstellt. Die Vielfalt der in Kassel zusammengetragenen Objekte ist beeindruckend: Sie reicht von der Antikensammlung über die berühmte Galerie Alter Meister und die Graphische Sammlung bis zum astronomisch-physikalischen Kabinett und der Sammlung Angewandte Kunst. Die Webpräsentation der Staatlichen Museen enthält - neben den Standardinformationen zu laufenden Ausstellungen, Öffnungszeiten, Anreisemöglichkeiten etc. - in den Unterbereichen zu den einzelnen Teilsammlungen recht allgemein gehaltene Charakterisierungen. Für einen Teil der umfangreichen Bestände werden jedoch detaillierte Informationen sowie digitale Reproduktionen angeboten.

Hat man der Startseiten-Aufforderung zum Eintreten in die virtuelle Museumspräsentation Folge geleistet, gelangt man zunächst zu einer Überblicksseite. In der am linken Bildschirmrand zu findenden Navigationsspalte führt der Link Online-Kataloge zum ergiebigsten Bestandteil des Online-Angebots. Seit dem Jahr 2004 wurden bislang vier solcher digitalen Kataloge bereitgestellt, von denen drei aus frühneuzeitlicher Perspektive relevant sind: Der "Bestandskatalog der Architekturzeichnungen des 17.-20. Jahrhunderts" und der "Katalog der nachantiken Kameen" weisen viele in der Frühen Neuzeit entstandene Objekte nach, während der "Bestandskatalog der Skulpturen in der Antikensammlung – Römische Epoche" Manifestationen der landgräflichen Sammelleidenschaft des 17. und 18. Jahrhunderts dokumentiert. Auf der Überblicksseite zu den verfügbaren Katalogen wird darauf hingewiesen, dass die Online-Kataloge nicht als Konkurrenz zu Ausstellungen der Originalobjekte oder zu gedruckten Bestandsnachweisen, sondern als "mediale Unterstützung" hergebrachter Präsentationsmethoden zu verstehen sind. Am Beispiel der erwähnten Architekturzeichnungen lässt sich dieser komplementäre Charakter der Onlinepräsentation leicht nachvollziehen: Der digitale Katalog umfasst mehr als 1.000 Manuskriptseiten und über 4.000 Farbabbildungen - weder in einer Ausstellung noch im Rahmen einer konventionellen Buchpublikation hätte diese Informationsmenge bewältigt werden können.

Am Beispiel des Bestandskatalogs der Architekturzeichnungen kann der Aufbau der Online-Kataloge erläutert werden. In jedem Katalog werden zunächst Basisinformationen zu den Sammlungen, zum Erschließungsprojekt sowie zu Bedienungsmöglichkeiten angeboten, im Fall der Architekturzeichnungen im Kapitel Einführung und Vorwort. Der Link Startseite führt zu einer Suchmaske, mit deren Hilfe auf die Kataloginhalte zugegriffen werden kann. Dabei werden drei Optionen angeboten: Unter der Überschrift "Katalog" wird eine überwiegend nach der geographischen Zuordnung dargestellter Objekte untergegliederte Blätterhierarchie bereitgestellt. Da sich naturgemäß viele Zeichnungen von hessischen Bauten finden, seien drei über die Navigationsschritte "Orte in Deutschland / Rheinfels / Pläne" erreichbare Architekturzeichnungen der Festung Rheinfels bei St. Goar als Beispiel ausgewählt. Drei Zeichnungen aus der Zeit zwischen 1692 und 1753 geben unterschiedliche Zustände und Ausbaustufen der Festungsanlagen wieder.

Die um 1692 entstandene Bauaufnahme der Festung und ihrer Umgebung dokumentiert beispielsweise die Schäden, die französische Truppen bei der vergeblichen Belagerung der Festung angerichtet hatten. Klickt man den Titel dieses Objekts an, werden zunächst eine niedrig aufgelöste Reproduktion der Zeichnung sowie eine Objektbeschreibung angezeigt. Interessiert man sich für nähere Erläuterungen, hilft der Button Text anzeigen weiter. Im vorliegenden Fall wird eine Beschreibung von immerhin über 2.000 Zeichen angeboten. Wenn man sich das Objekt genauer ansehen will, führt ein Klick auf die digitale Reproduktion zu einer Zoom-Option, mit deren Hilfe Ausschnitte der Zeichnung vergrößert werden können. Das Ausschnitt-Werkzeug ermöglicht die präzise Festlegung des interessierenden Bildbereichs, und sogar Helligkeit und Kontrast können verändert werden. Die Auflösung des Bildmaterials könnte noch ein wenig höher sein, aber im vorliegenden Fall reicht die Qualität aus, um die auf der Zeichnung angebrachten handschriftlichen Erläuterungen im Zoom-Modus entziffern zu können. Neben dem Katalog-Zugang werden noch eine Stichwortsuche und ein Künstler- und Ortsindex angeboten. Da die beiden Indizes miteinander und mit weiteren Indizes (Gattung und Objektart) kombiniert werden können, stellt der Indexzugang das flexibelste Erschließungsinstrument dar.

Neben dem Katalog der Architekturzeichnungen sei auch der "Katalog der nachantiken Kameen" kurz vorgestellt. Die Suchfunktion ermöglicht differenzierte Kombinationsmöglichkeiten von Titel-, Künstler-, Motiv-, Motivgruppen-, Werkgruppen- und Materialsuche. Interessant ist beispielsweise ein Porträt Heinrichs IV. von Frankreich, das möglicherweise aufgrund der persönlichen Bekanntschaft zwischen Landgraf Moritz und dem französischen König in die hessische Sammlung gelangt ist. Neben einer ausführlichen Objektbeschreibung wird die Option zur Anzeige einer Detailansicht angeboten, mit deren Hilfe die Chalcedon-Kamee als 50 KByte große Reproduktion im JPG-Format betrachtet werden kann. Wie bei den anderen Katalogen fallen die Objektbeschreibungen sehr umfangreich und detailliert aus, und die durchdachte Erschließung bietet zahlreiche Zugangsoptionen. Die Qualität der präsentierten Objekte und der Materialaufbereitung sowie das vielseitige, zugleich aber leicht benutzbare Bereitstellungssystem lassen hoffen, dass die Reihe der Online-Kataloge der Staatlichen Museen Kassel kontinuierlich erweitert werden wird.

[Gregor Horstkemper, 14. August 2006]

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