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Storia di Venezia. Materiali per la ricerca

Nr. 38 / 2006  

Resümee:  Eine Gruppe von ausgewiesenen Historikerinnen und Historikern macht Forschungsliteratur und Quellenmaterial zur Geschichte Venedigs frei im Internet verfügbar.
URL:  http://www.storiadivenezia.it/
Kategorie:  Themenangebote

Nachdem Venedig im Hoch- und Spätmittelalter nicht nur zu einer ökonomischen, sondern auch zu einer politischen Großmacht des Mittelmeerraums aufgestiegen war, setzte in der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts ein Prozess des allmählichen politischen Bedeutungsverlusts ein. 1797 kulminierte dieser Vorgang in der Eroberung durch Napoleon und im Verlust der Unabhängigkeit. In anderer Hinsicht war die Frühe Neuzeit jedoch keineswegs eine reine Niedergangsepoche. Vor allem im 18. Jahrhundert erlebte Venedig eine wirtschaftliche Blüte, und ihre Rolle als wichtiges kulturelles Zentrum verlor die Lagunenstadt nie. Der gesamten thematischen Bandbreite der venezianischen Geschichte - unter besonderer Akzentuierung des 15. bis 18. Jahrhunderts - ist ein Internetangebot gewidmet, das im Jahr 2000 von einer Gruppe ausgewiesener Historikerinnen und Historiker aus der Taufe gehoben wurde. Der an der Università Ca' Foscari di Venezia wirkende Giuseppe Del Torre koordiniert eine Redaktionsgruppe von rund 20 Forschern, die Materialien für Spezialisten, aber auch für Studierende und andere Geschichtsinteressierte im Internet bereitstellt. Die Gründung der "Associazione Culturale Storia di Venezia" im Jahr 2003 diente u. a. der Verstetigung des Online-Angebots, dessen Betrieb zu den Hauptaufgaben des Vereins gehört.

Hat man den Homepage-Link Entra nel sito angeklickt, wird auf der anschließend angezeigten eigentlichen Startseite der Aufbau der Website mit Hilfe einer klar strukturierten Navigationsspalte verdeutlicht. Als Einstiegspunkt kann der Link Redazione empfohlen werden. Er führt zu einer Überblicksdarstellung der Ziele, die von den beteiligten Wissenschaftlern verfolgt werden. In einer zweiten, etwas unauffälligen Navigationszeile am oberen Bildrand kann man anschließend einen zweiten Redazione-Link anklicken und gelangt dann zu einer Liste der beteiligten Forscher. Für alle aufgeführten Personen werden die wissenschaftliche Laufbahn, die wichtigsten Forschungsinteressen sowie einschlägige Publikationen dokumentiert. Wer aktuelle Entwicklungen und Forschungstrends nachvollziehen will, wird im Bereich Agenda fündig, wo aktuelle wissenschaftliche Veranstaltungen mit Bezug zur Geschichte Venedigs aufgeführt sind. Ergiebig ist auch der Bereich Links, der eine gut gegliederte Zusammenstellung von wichtigen Internetressourcen zur venezianischen Geschichte bietet.

Zu den Hauptbereichen des Webangebots führen die Links im oberen Teil der Navigationsspalte. Der Bereich Storici befasst sich mit wichtigen Historiographen der venezianischen Geschichte. Für bislang fünf Forscher - Marino Berengo, Gaetano Cozzi, Frederic C. Lane, Gino Luzzatto und Vittorio Lazzarini - werden ein biographisches Profil sowie eine möglichst umfassende Bibliographie ihrer Publikationen verfügbar gemacht. Ein Kernbestandteil des Webangebots findet sich im Bereich Saggi, wo eine beachtliche Anzahl von Aufsätzen bereitgestellt wird. Insbesondere finden sich hier solche Texte, die an entlegenen Orten publiziert wurden oder aus anderen Gründen schwer zu beschaffen sind. Erschlossen werden die Materialien bislang nur über eine alphabetische Autorenliste. Klickt man einen der Einträge an, etwa den Namen des bereits erwähnten Giuseppe Del Torre, gelangt man zu einer Liste der verfügbaren Aufsätze dieses Autors. Wählt man z. B. den Beitrag "Carriera politica e benefici ecclesiastici in una famiglia veneziana del primo '500: Zaccaria e Lorenzo Gabriel", wird eine PDF-Datei angezeigt, die den durchsuchbaren Volltext dieses 2000 gedruckt erschienenen Textes enthält. Die Datei enthält dabei keine typographiegetreue Reproduktion der Originalfassung, sondern eine speziell aufbereitete Version für die Bereitstellung im Internet. Seitenzählung und Seitenwechsel des Originals werden bedauerlicherweise nicht dokumentiert.

Beachtlich ist der Umfang der hier zugänglich gemachten Forschungsliteratur: Im Herbst 2006 konnten rund 80 Beiträge von etwa vier Dutzend Autorinnen und Autoren als PDF-Datei abgerufen werden. Ebenfalls bemerkenswert ist die Tatsache, dass der weitaus größte Teil der Aufsätze weniger als zwanzig, meist sogar weniger als zehn Jahre alt ist. Für die meisten Autoren stehen ein Überblick über die Forschungslaufbahn sowie eine Veröffentlichungsliste zur Verfügung, so dass man leicht nachhalten kann, welche weitere Publikationen der Verfasser eines bestimmten Textes verantwortet hat. Neben dem Bereich Saggi dürften viele Besucher den Bereich Strumenti als nützlichsten Abschnitte betrachten. Hier finden sich mehrere umfangreiche Bibliographien zu Spezialgebieten versammelt, etwa zu Flottenbau und Kriegsführung im Mittelmeer des 16. bis 18. Jahrhunderts, oder zur Geschichte Friauls im 15. und 16. Jahrhunderts. Ein sehr ergiebiger Unterbereich enthält Quellenmaterial (Testi). Hervorgehoben seien insbesondere die "Relazioni degli ambasciatori veneziani", wobei Material zu England, Frankreich und Spanien vorliegt. Es handelt sich größtenteils um bereits gedruckte, nun in digitale Form gebrachte Quellen. Besonders nützlich ist in diesem Zusammenhang der von Stefano Villani erarbeitete Überblick aller bislang publizierten Berichte venezianischer Botschafter. Schließlich sei noch der Unterbereich Banche dati genannt, der eine Reihe spezieller Datenbankangebote umfasst.

In einigen Bereichen der Website wird deutlich, dass das Projekt nicht auf allen Betätigungsfeldern gleich schnell voranschreitet. Im Bereich Rivista finden sich zwei Jahrgänge der erstmals 2003 erschienenen Zeitschrift "Storia di Venezia - Rivista", doch ist nach dem Jahrgang 2004 zumindest eine Publikationsverzögerung eingetreten. Immerhin stehen mit den beiden verfügbaren Jahrgängen über 500 Seiten aktuelle Forschungspublikationen frei im Volltext zum Abruf bereit. Noch ganz am Anfang steht man offenbar im Bereich E-Book, wo bislang noch keine Inhalte zu finden sind. Auch wenn man auf dieser Website noch mit dem einen oder anderen Baustellenschild konfrontiert wird, machen der Umfang und die inhaltliche Ergiebigkeit dieses Internetangebot zu einer der lohnendsten Online-Ressourcen zur italienischen Geschichte.

[Gregor Horstkemper, 18. September 2006]

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