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Österreichisches Staatsarchiv |
| Nr. 45 / 2006 |
| Resümee: | Eines der wichtigsten Archive zur Geschichte Europas macht auf übersichtlich gestalteten Webseiten ein Archivinformationssystem für seine umfangreichen Bestände zugänglich. |
| URL: | http://www.oesta.gv.at/ |
| Kategorie: | Archive |
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Wer eingehend zur Geschichte des Heiligen Römischen Reichs Deutscher Nation forscht, wird sich unweigerlich auf den Weg nach Wien machen und dem Minoritenplatz einen Besuch abstatten müssen. Hier befindet sich das Haupt-, Hof- und Staatsarchiv, das neben der Archivüberlieferung der obersten Verwaltung und Rechtsprechung des Reiches umfangreiche Materialien zur Geschichte des Hauses Habsburg, zu den Hofämtern und zur kaiserlichen Regierung sowie zur habsburgischen Außenpolitik umfasst. Wie das Haus-, Hof- und Staatsarchiv sind drei weitere für die Beschäftigung mit der Geschichte des Reiches und der habsburgischen Territorien einschlägige Einrichtungen heute Bestandteile des Österreichischen Staatsarchivs: Das Finanz- und Hofkammerarchiv beherbergt Quellen zur staatlichen Finanzverwaltung und zu einer großen Bandbreite ökonomischer Sachverhalte; das Allgemeine Verwaltungsarchiv stellt Schriftgut zur inneren Verwaltung der Habsburgermonarchie ab dem 16. Jahrhundert bereit; das Kriegsarchiv enthält Feld- und Personalakten, Schriftgut der Militärverwaltung sowie eine umfangreiche Karten- und Plansammlung. Angesichts der zentralen Rolle der Habsburgermonarchie für die neuzeitliche Geschichte Europas lässt sich ohne weiteres der Selbstbeschreibung des Österreichischen Staatsarchivs zustimmen, das sich "zu den weltweit bedeutendsten Archiven" zählt. Anfang November 2006 wurde eine neugestaltete Webpräsentation freigeschaltet, die ansprechend und übersichtlich gestaltet ist und umfangreiche Informationen über das Archiv und seine Bestände bereitstellt. Zu einem guten Überblick über die Institutionen, die unter dem institutionellen Dach des Österreichischen Staatsarchivs zusammengefasst sind, führt der Navigationszeilen-Link Aufgaben & Organisation. Zu jedem einzelnen Archiv wird eine allgemeine Charakterisierung seiner Bestände sowie ein Abriss der Archivgeschichte angeboten. In einer Rubrik namens Forschungstipps finden sich bei einigen Archiven außerdem Arbeitsmaterialien im PDF-Format. Für das Kriegsarchiv werden z. B. bibliographische und quellenkundliche Anmerkungen zur kaiserlichen Generalität aus der Feder des Militärhistorikers Dr. Michael Hochedlinger sowie Informationen über genealogische Quellen von Archivdirektor Dr. Christoph Tepperberg bereitgestellt. Hinweise zur Benutzung des Archivs werden unter dem entsprechenden Navigationszeilen-Link gegeben. Für Archiveinsteiger findet sich ein Kleines Archiveinmaleins, während Fortgeschrittene Antworten auf die Frage Wie benutze ich das Archiv? finden. Im Bereich Publikationen werden sämtliche Inhaltsverzeichnisse der "Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs" sowie der dazugehörigen Sonder- und Ergänzungsbände bereitgestellt. Der Abschnitt Service umfasst eine reichhaltige Linksammlung sowie vor allem ein virtuelles Archivregister, in dem Basisinformationen zu zahlreichen österreichischen Archiven verfügbar gemacht werden. Die nützlichste Komponente der Webpräsentation erreicht man über den Navigationszeilen-Link Bestände. Ein 2005 in Gebrauch genommenes Archivinformationssystem, das auf einer Software der schweizerischen Firma Scope Solutions AG basiert, wird zur Erfassung und Erschließung der umfangreichen Materialien verwendet. Als Browsing-Einstieg wird ein Archivplan angeboten, der das schrittweise Vordringen in die Archivtektonik ermöglicht. Exemplarisch seien die Handschriftensammlungen des Haus-, Hof- und Staatsarchivs ausgewählt, die den Status einer "Bestandsgruppe" haben. Auf dieser Ebene werden eine kurze Inhaltsbeschreibung sowie Angaben zu Findhilfsmitteln und zu Veröffentlichungen über die Bestandsgruppe angeboten. Auf der darunter liegenden Ebene ("Bestand") werden Informationen zu Provenienzen und zur Archivierungsgeschichte gegeben. Geht man noch eine Ebene tiefer, gelangt man zu den "Serien" (im vorliegenden Fall: HS Rot und HS Weiß), und schließlich als letzter Stufe zu den "Einzelstücken". Wählt man aus den verzeichneten Einzelstücken der Serie HS Rot z. B. die Autobiographie des Siegmund von Herberstein aus, gelangt man zu einer Beschreibung der Handschrift samt einer Charakterisierung des Autors und seines "Familienbuchs" von 1551. Die beigefügte Abbildung einer Handschriftenseite mit einem Porträt des Moskauer Großfürsten Vasilij III. lässt auf künftige Digitalisierungspläne hoffen. Zunächst dürfte jedoch die weitere Füllung des Archivinformationssystems im Vordergrund stehen. Aus dem reichhaltigen Handschriftenbestand sind beispielsweise bislang nur rund ein Dutzend Einzelstücke erfasst. Andere Bereiche sind bereits intensiver erschlossen. Für das Mainzer Erzkanzlerarchiv sind beispielsweise die umfänglichen Bestände an Reichstags- und Kreisakten bis auf die Faszikel- und Konvolutebene aufgeschlüsselt. Möchte man die am Bildschirm angezeigten Informationen zu einem bestimmten Bestand abspeichern, wird dafür eine PDF-Option angeboten. Neben der Browsing-Möglichkeit steht auch eine leistungsfähige Recherchefunktion (einfache bzw. erweiterte Suche) zur Verfügung. Der Umgang mit Such- und Browsing-Funktionen ist zunächst etwas gewöhnungsbedürftig, doch die Lektüre der Hilfetexte (erreichbar über ein am rechten oberen Bildschirmrand platziertes Fragezeichen-Icon) macht das System schnell verständlich. Die enge Verzahnung beider Navigationswege ist eine der Stärken des Präsentationssystems. Das Archivinformationssystem stellt bereits jetzt ein sehr nützliches Instrument zur Vorbereitung von Archivbesuchen dar, dessen Wert durch den kontinuierlichen Ausbau der bereitgestellten Bestandsinformationen weiter gesteigert werden wird. [Gregor Horstkemper, 6. November 2006] |
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