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English Short Title Catalogue |
| Nr. 46 / 2006 |
| Resümee: | Die retrospektive Nationalbibliographie des zwischen 1473 und 1800 gedruckten Schrifttums des englischen Sprachraums ermöglicht die Recherche in etwa 470.000 Titeln. |
| URL: | http://estc.bl.uk |
| Kategorie: | Fachinformationen |
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Der English Short Title Catalogue (ESTC) ist ein unverzichtbares Rechercheinstrument für die Suche nach englischsprachigen Druckwerken der Frühen Neuzeit. Die retrospektive Nationalbibliographie für die Jahre zwischen 1473 und 1800 weist rund 470.000 Titel nach und fügt den Titeln Besitzangaben aus über 2.000 Bibliotheken bei. Während bei der datenbankgestützten Erarbeitung ähnlich angelegter bibliographischer Werke in anderen europäischen Ländern zunächst das 16. und 17. Jahrhundert den Schwerpunkt bildete (z. B. bei den deutschen Projekten VD16 und VD17 oder beim niederländischen STCN), geht der ESTC in seiner heutigen Form auf den 1977 in Angriff genommenen "Eighteenth Century Short Title Catalogue" zurück. 1987 wurde beschlossen, auch das 15. bis 17. Jahrhundert in die Bibliographie einzubeziehen und für diesen Zweck die älteren Kurztitelkataloge von Pollard und Redgrave (1473-1640) bzw. von Wing (1641-1700) zu überarbeiten und in Datenbankform zu bringen. Die Arbeit am ESTC wird von zwei Arbeitsstellen koordiniert, von denen eine bei der British Library und die andere beim Center for Bibliographical Studies and Research an der University of California in Riverside angesiedelt ist. Die bislang lizenzpflichtige Datenbank, die weiterhin als CD-ROM und über eine Online-Plattform der Research Libraries Group zugänglich ist, wird seit Herbst 2006 von der British Library kostenlos im Internet bereitgestellt. Zwar wird auf der Startseite in wenigen Worten zusammengefasst, nach welchen geographischen und sprachlichen Auswahlkriterien über die Aufnahme eines Titels in die Bibliographie entschieden wird, doch dürfte das selbst für eine Erstorientierung kaum ausreichen. Über den im rechten unteren Seitenbereich platzierten Link About the ESTC project lässt sich eine ausführlichere Erläuterung abrufen. Enthalten sind nicht nur Drucke, die in englischsprachigen Ländern und Kolonien erschienen sind, sondern auch englischsprachige Werke, die außerhalb dieser Gebiete gedruckt wurden. Zusätzlich wurden solche Publikationen aufgenommen, die eigentlich im Ausland erschienen sind, aber einen fingierten englischen Druckort - z. B. London - angeben. Daher ist die sprachliche Bandbreite der einbezogenen Veröffentlichungen groß: Zu den erfassten Titeln können deutschsprachige Drucke aus Nordamerika, portugiesische Werke aus Indien oder französische Publikationen aus den Niederlanden gehören - letztere dann, wenn als Druckort "Londres" genannt wird. Zu den Suchmöglichkeiten führt der Startseiten-Link Search the ESTC. Als erstes wird dem Besucher eine simple, einzeilige Suchmöglichkeit in Google-Manier angeboten. Unterhalb der Suchmaske finden sich Hinweise zu Boole'schen Operatoren, Platzhaltern und Phrasensuche. Auf der Suche nach Veröffentlichungen zur Schlacht von Höchstädt, die im Englischen Battle of Blenheim genannt wird, führt die Eingabe der Suchbegriffe "Blenheim 1704" zu einem guten Dutzend Treffern. Der Ende August 1704 von Antoine de Pas, Marquis von Feuquières, verfasste Brief mit einem Bericht über den Verlauf der Schlacht - veröffentlicht als "Mareschal Tallard’s aid-de-camp: his account of the battle of Bleinheim" - kann als Beispiel für den Aufbau der Datensätze dienen. Neben den Standardangaben zu Titel, Ort und Zeit der Veröffentlichung findet sich eine "General Note" mit einer kurzen Erläuterung zu Besonderheiten des Druckwerks. Im Feld "Surrogates" wird festgehalten, ob eine Mikroform- oder Digitalversion des Druckes existiert. Die erste und zweite Auflage des Drucks sind z. B. in der Datenbank "Eighteenth century collections online" (ECCO) als digitale Reproduktionen zu finden. Schließlich werden noch alle Bibliotheken aufgeführt, die über Exemplare der Schrift verfügen. Wer umfangreiche Retrodigitalisierungsdatenbanken wie ECCO oder "Early English Books Online" (EEBO, mit Werken des 15. bis 17. Jahrhunderts) kennt, mag sich fragen, welchen Mehrwert der ESTC gegenüber diesen teilweise mit Volltextsuche aufwartenden Angeboten aufweist. Der ESTC bietet zunächst den Vorteil der übergreifenden Suche über den gesamten Zeitraum vom 15. bis zum 18. Jahrhundert. Auch wenn ein großer Teil seiner Datensätze in ECCO bzw. EEBO importiert wurden, ist der ESTC gerade bei kleineren Druckwerken oder Zeitschriften reichhaltiger. Die erwähnten Treffer für die Suche nach "Blenheim 1704" sind ein gutes Beispiel, denn bei mehr als der Hälfte der Titel - meist Predigten, Lieddrucke oder Gedichte - werden keine "Surrogates" erwähnt. Schließlich bietet der ESTC auch vielseitigere Suchoptionen, die z. B. die Recherche nach Beständen einer bestimmten Bibliothek umfassen. Neben der einfachen Suche kann auch eine Advanced Search genutzt werden, die komplexe Kombinationen von Suchtermini erlaubt. Als Eingrenzungskriterien können z. B. die Sprache, ein Veröffentlichungszeitraum oder das Land des Publikationsortes verwendet werden. Schließlich wird neben der Suche auch eine Browsingfunktion offeriert, die das Blättern durch Register zu Autorennamen, Titeln, Publikationsorten, Schlagwortketten und Dokumenttypen erlaubt. Da sich die Ergebnisse der Recherchebemühungen auch noch auf einfache Weise abspeichern oder per E-Mail verschicken lassen, kann die frei zugängliche ESTC-Datenbank der British Library als vollwertige Parallelversion zu den lizenzpflichtigen ESTC-Erscheinungsformen empfohlen werden. [Gregor Horstkemper, 13. November 2006] |
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