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Les Archives Audiovisuelles de la Recherche en Sciences Humaines et Sociales

Nr. 47 / 2006  

Resümee:  Die "Fondation Maison des Sciences de l'homme" stellt mehrere hundert Videos bereit, in denen Geistes- und Sozialwissenschaftlicher ihre Forschungsergebnisse vortragen und diskutieren.
URL:  http://semioweb.msh-paris.fr/AAR/
Kategorie:  Forschungseinrichtungen

Die am Boulevard Raspail im 6. Arrondissement von Paris beheimatete "Fondation Maison des sciences de l'homme" (MSH) zählt zu den wichtigsten Forschungseinrichtungen Frankreichs. Ähnlich wie die in unmittelbarer Nachbarschaft liegende "Ecole des hautes études en sciences sociales" ist die 1963 gegründete Institution einem stark interdisziplinär ausgerichteten sozialwissenschaftlichen Forschungsprogramm verpflichtet. Die MSH bietet sowohl französischen als auch ausländischen Sozial- und Kulturwissenschaftlern Unterstützung bei der Durchführung von Forschungsprojekten und wissenschaftlichen Veranstaltungen an. Die aus diesen Aktivitäten resultierenden Publikationen werden in einem eigenen Verlag, den "Editions de la Maison des sciences de l'homme", veröffentlicht. Angesichts der wachsenden Bedeutung der neuen Medien für die Wissenschaften etablierte die MSH 2001 mit der "Equipe Sémiotique Cognitive et Nouveaux Médias" eine Service- und Forschungsstelle, die den Einsatz digitaler Technologien für die Sicherung, Erschließung und Bereitstellung des kulturellen und wissenschaftlichen Erbes erforschen und erproben sollte. Ein Ergebnis dieser Aktivitäten stellen die "Archives Audiovisuelles de la Recherche" (AAR) dar, in denen mehrere hundert audiovisuelle Dokumentationen von Interviews, Kolloquien und Seminaren zu finden sind. Durch die frei zugängliche Präsentation dieser Materialien im Internet soll die an der MSH betriebene Forschung auf lebendige Weise verständlich gemacht und veranschaulicht werden.

Um sich ein Bild von der Zielsetzung und dem Aufbau der AAR machen zu können, sollte man auf der Startseite dem Navigationszeilen-Link Présentation folgen. Anschließend findet man eine Zusammenfassung der AAR-Ziele sowie einen Überblick über das von Peter Stockinger geleitete AAR-Team. Wer sich detaillierter informieren möchte, kann das mit Hilfe von PDF-Dateien tun: Die Présentation générale du programme des Archives Audiovisuelles de la Recherche (AAR) enthält weiterführende Erläuterungen zur Programmatik, während an anderer Stelle (Matériel et infrastructure informatiques et audiovisuelles) Informationen zur verwendeten Technik zu finden sind. Einen ersten Eindruck von der Vielfalt der verfügbaren Ressourcen bietet bereits die Startseite: Hier werden rund dreißig wissenschaftliche Disziplinen aufgelistet, zu denen Multimedia-Materialien bereitgestellt werden. Aus geschichtswissenschaftlicher Perspektive sind rund ein Viertel der Rubriken von potentiellem Interesse, darunter die Bereiche Epistémologie, histoire des sciences et des techniques, Histoire des mondes modernes und Histoire sociale et culturelle. Neben dieser fachlichen Untergliederung der Materialien stehen weitere Browsing-Optionen zur Verfügung: Zum einen werden mehrere Gattungen unterschieden (Interviews, Kolloquien, Reportagen etc.), zum anderen kann in einer alphabetischen Liste von Forschernamen geblättert werden.

Als Einstieg kann das Stöbern in der Rubrik Histoire sociale et culturelle empfohlen werden, die mit über 80 Einträgen den größten Bereich des gesamten Angebots darstellt. Als Beispiel für eines der zahlreichen Interviews kann die Dokumentation eines rund zweistündigen Gesprächs zwischen Maurice Aymard und Peter Stockinger angeführt werden, in dem "La recherche en histoire: problématiques et objets" thematisiert wurden. Will man einen Überblick über die Inhalte des 2002 geführten Interviews bekommen, muss man zunächst dem Link Accès aux Vidéos folgen. Anschließend startet direkt ein Videostream im Windows Media Format. Neben dem Videofenster werden rund ein Dutzend Zwischenüberschriften angezeigt, die das Navigieren innerhalb der Videodokumentation erlauben. Wer sich z. B. speziell für die Reflexionen Aymards über das Problème de l'européocentrisme interessiert, kann direkt zum entsprechenden Punkt im Videostream springen. Zusätzlich zur Videodokumentation wird ein Glossaire angeboten, in dem ausgewählte Äußerungen Aymards zu bestimmten Themenkomplexen in schriftlicher Form dokumentiert sind. Die sprachlich überarbeiteten Gesprächsausschnitte stehen im XML-Format zur Verfügung, können jedoch wegen technischer Probleme nur auf Umwegen abgerufen werden.

Als Beispiel für eine Seminar-Dokumentation sei die Veranstaltung "Civilisations et cités perdues dans la littérature des voyages (de la Renaissance au Romantisme)" angeführt. Der auf frühneuzeitliche Reiseliteratur spezialisierte Philologe François Moureau organisierte im ersten Halbjahr 2005 eine achtteilige Veranstaltungsreihe, bei der u. a. Yvonne Bellenger über "Rome au XVIème siècle: les restes de l'Urbs" und Michel Bideaux über "Voyageurs anglais des Lumières en quête du passé national" vortrugen. Die AAR-Videos beschränken sich fast durchgängig auf das Abfilmen von Gesprächspartnern oder Vortragenden, das gesprochene Wort sowie dessen dessen mimische und gestische Begleitung bilden den Kern der einzelnen Videos. Die präsentierten Materialien beinhalten keine interaktiven E-Learning-Elemente, sondern konfrontieren die Adressaten mit sprachlich und inhaltlich anspruchsvollen Diskursen. Auch wenn mancher Gesprächsdokumentation eine gewisse Sprödigkeit zu eigen ist und die Anreicherung der Videos um die eine oder andere Zusatzinformation hilfreich wäre, so bietet das AAR-Angebot doch zahlreiche anregende und informative Beiträge. Wer seine Französischkenntnisse auffrischen will, der findet hier außerdem umfangreiches und gehaltvolles Übungsmaterial.

[Gregor Horstkemper, 20. November 2006]

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