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Painted Prints: The Revelation of Color |
| Nr. 51 / 2006 |
| Resümee: | Am Baltimore Museum of Art werden kolorierte Holzschnitte, Stiche und Radierungen der Renaissance und des Barocks zum Gegenstand einer virtuellen Ausstellung gemacht. |
| URL: | http://artbma.org/paintedprints/html/home.html |
| Kategorie: | Virtuelle Ausstellungen |
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Das Baltimore Museum of Art ist unter Kunstkennern vor allem für die "Cone Collection" bekannt, die zahlreiche Werke von Matisse, Cézanne und Picasso umfasst. Das Museum beherbergt daneben aber auch eine der umfangreichsten Sammlungen von Drucken, Zeichnungen und Fotografien in den USA. Die zeitliche Spannweite der Objekte reicht vom 15. Jahrhundert bis in die Gegenwart. Neben den Dauerausstellungen der eigenen Sammlungen werden auch Wechselausstellungen präsentiert, die auf spezielle Objektgruppen fokussiert sind. So bildeten mehr als einhundert Stiche, Radierungen und Holzschnitte der Renaissance und des Barock den Mittelpunkt einer 2002/2003 in den Räumlichkeiten des Museums gezeigten Ausstellung von kolorierten Drucken. Für das Internet wurde eine virtuelle Fassung dieser Ausstellung erarbeitet, so dass ausgewählte Reproduktionen und ergänzende Informationen online zugänglich sind. Obwohl zwischen 1450 und 1650 die nachträgliche Kolorierung von Druckwerken keine Seltenheit war, wurde dieses Phänomen von der Forschung lange Zeit vernachlässigt. Die Kuratorin Susan Dackerman hat im Baltimore Museum of Art erstmals eine größere Sammlung von deutschen und niederländischen kolorierten Drucken präsentiert, um die nähere Beschäftigung mit diesen interessanten Objekten zu fördern. Wer sich zunächst mit Beispielen für kolorierte Drucke vertraut machen möchte, kann dem Startseiten-Link Gallery folgen. Unter den 16 exemplarischen Werken kann Albrecht Dürers "Flucht nach Ägypten" als typisches Beispiel betrachtet werden. Der 1511 von Dürer als Teil eines Zyklus zum Leben der Maria angefertigte Holzschnitt wurde 1585 in Nürnberg von Johann Bechtholt koloriert. Das heute im Besitz des Germanischen Nationalmuseums befindliche Objekt war zusammen mit den weiteren 19 Holzschnitten des Marien-Zyklus dem Bischof von Straßburg zum Geschenk gemacht worden. Die mit strahlenden Farben - u. a. mit Gold- und Silbertönen - bemalten Holzschnitte sollten laut Widmung des Straßburger Domdekans die Augen des Bischofs erfreuen. Die digitale Reproduktion des kolorierten Drucks kann mit Hilfe einer Flash-Zoomoption näher in Augenschein genommen werden. Auf diese Weise lässt sich nicht nur das Dürersche Monogramm, sondern auch die Signatur Bechtholts auffinden. Zudem kann mit Hilfe eines speziellen Buttons mit der Aufschrift Swap images zwischen der kolorierten und der ursprünglichen Fassung des Holzschnitts hin- und hergewechselt werden. Ein Glossar bietet Erläuterungen zu einigen grundlegenden Begriffen, fällt aber mit 16 Einträgen sehr überschaubar aus. Erläuterungen zur Motivation für die Erarbeitung der Ausstellung macht der Startseiten-Link Investigating Colored Prints zugänglich. Neben der Kuratorin äußert sich hier der Konservator Tom Primeau über die Untersuchungsmethoden, mit deren Hilfe das Alter der Kolorierungen erforscht wurde. U. a. konnte festgestellt werden, dass entgegen früherer Vermutungen der größte Teil der Bearbeitungen bereits vor dem 18. Jahrhundert durchgeführt wurde. Mit Hilfe von Röntgenanalysen der Farbpigmente wurde nachgewiesen, dass die weitaus meisten der untersuchten Druckwerke relativ zeitnah nach der Drucklegung koloriert worden sind. Als Beispiel wird ein weiterer Dürer-Holzschnitt präsentiert, anhand dessen die Verwendung unterschiedlicher Pigmentsorten demonstriert wird. Drei weitere Themenblöcke werden in den Abschnitten The Coloring Process, Artists & Colorists sowie Reasons for Coloring behandelt. Der erstgenannte Bereich führt verschiedene Techniken der Kolorierung vor, mit denen Ergebnisse von unterschiedlicher Qualität erzielt werden konnten. Von den Koloristen werden Domenicus Rottenhammer, Albrecht Altdorfer und Georg Mack der Ältere mit Beispielen vorgestellt. Am umfangreichsten fällt die Darstellung von Beweggründen für die Kolorierung von Druckwerken aus. Abgerundet wird die kleine virtuelle Ausstellung durch einen Bereich mit Lehrerhilfen (Teachers' Material). Zu fünf Themen können Bild- und Textmaterialien im PDF-Format heruntergeladen werden. Zu Kaiser Maximilian I. (Meet Maximilian) werden z. B. 7 Seiten angeboten, in denen ergänzende Informationen zu einem Portrait und einem Triumphbogen zusammengestellt wurden. Des weiteren werden u. a. eine auf das Jahr 1580 datierte Kometenbeobachtung in Nürnberg (Spectacular News) sowie eine 1598 kolorierte Tugenddarstellung (A Virtue Personified) behandelt. Die virtuelle Ausstellung ist sehr übersichtlich gestaltet und wartet mit einer leicht zu bewältigenden Stoffmenge auf. Der Einblick in den Erkenntnisprozess der beiden Protagonisten sowie die ansprechende Aufbereitung der ausgewählten Objekte machen die Webseite zu einem lohnenden Ziel aller kunstgeschichtlich Interessierten, die sich mit frühneuzeitlichen Holzschnitten, Stichen und Radierungen beschäftigen. [Gregor Horstkemper, 27. Dezember 2006] |
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