/ historicum.net / Lehren & Lernen / Link-Winks
  Logo

forum oö geschichte - Virtuelles Museum Oberösterreich

Nr. 1 / 2007  

Resümee:  Eine Bibliografie zur oberösterreichischen Landesgeschichte sowie retrodigitalisierte Zeitschriftenaufsätze stellen zwei der wichtigsten Bestandteile dieses Onlineangebots dar.
URL:  http://www.ooegeschichte.at/
Kategorie:  Themenangebote

Die Webseite zur oberösterreichischen Geschichte charakterisiert sich zwar selbst als "virtuelles Museum", doch sie stellt eine weit größere Bandbreite an Informationen bereit, als dies bei anderen "virtuellen Ausstellungen" der Fall ist. Im Auftrag des Landes Oberösterreich verantwortet der Verbund Oberösterreichischer Museen den Betrieb der Plattform, wobei zahlreiche weitere Kulturinstitutionen einschließlich des Landesarchivs und universitärer Forschungseinrichtungen als Kooperationspartner beteiligt sind. Unter der Gesamtleitung von Prof. Dr. Roman Sandgruber soll das "forum oö geschichte" der Vermittlung eines wissenschaftlich fundierten Überblicks über die oberösterreichische Landesgeschichte dienen. Im Sinne eines "virtuellen Museums" werden beispielsweise thematisch und chronologisch fokussierte "Rundgänge" angeboten, in denen Text- und Bildinformationen zusammenwirken. Die in diesem Bereich bislang verfügbaren Module entstammen der Zeitgeschichte und sind Themen wie "Befreiung und Kriegsende" oder "Die Besatzungszeit in Oberösterreich" gewidmet. Zur Frühen Neuzeit finden sich noch keine entsprechenden Module, doch andere Bereiche der Webpräsentation beinhalten u. a. bibliographische Rechercheangebote sowie digitale Reproduktionen landesgeschichtlicher Zeitschriften.

Die Startseite gibt zu den Hauptbestandteilen von "forum oö geschichte" bereits knappe Erläuterungen, doch können als Einstiegspunkte für eine erste Orientierung die Navigationszeilen-Links Interaktion bzw. Forschung empfohlen werden. Im erstgenannten Bereich wird das wissenschaftliche Büro vorgestellt, das die Webpräsentation organisiert. Neben einer Auflistung der Kooperationspartner findet sich hier auch eine Liste der beteiligten Autorinnen und Autoren. Außerdem finden sich Hinweise zur Nutzung von interaktiven Angeboten: Besucher können sich beim Forum registrieren und anschließend ein Schwarzes Brett für Veranstaltungshinweise etc. nutzen. Außerdem besteht die Möglichkeit, im Bereich MyMuseum ausgewählte Bestandteile des Webangebots zusammenzustellen und diese persönliche Kompilation als PDF-Datei ausgeben zu lassen. Auf diese Weise können personalisierte Präsentationsmaterialien erstellt und z. B. für Lehrzwecke verwendet werden. Der Navigationszeilen-Link Forschung enthält zusammenfassende Informationen zur "Regional- und Heimatforschung in Oberösterreich". Hier finden sich Hinweise auf einschlägige Aus- und Weiterbildungsveranstaltungen sowie eine Liste von deutlich über hundert Heimatforscherinnen und -forschern samt deren Arbeitsschwerpunkten. Außerdem wird ein Überblick über landeskundliche Arbeitsgemeinschaften angeboten.

Im Bereich Forschung finden sich auch zwei der Hauptbestandteile des Webangebots, die schon von der Startseite aus direkt angesteuert werden können. Zunächst sei die Historische Bibliografie hervorgehoben. Der größte Teil der von Eduard Straßmayr begonnenen und von Alfred Marks und Johannes Wunschheim fortgesetzten "Bibliographie zur oberösterreichischen Geschichte" wurde vom Oberösterreichischen Landesarchiv digitalisiert und als Datenbank online bereitgestellt. Für den Zeitraum 1935 bis 2000 sind rund 43.000 historisch-landeskundliche Veröffentlichungen verzeichnet, und zwar sowohl Monographien als auch Aufsätze und Zeitungsartikel. Zur Zeit steht nur eine einfache Stichwortsuche zur Verfügung, eine Expertensuche mit der Möglichkeit zur Kombination unterschiedlicher Suchfelder ist in Vorbereitung. Die Suchergebnisse können nach den Kriterien "Autor", "Titel", "Zeitschrift/Sammelwerk" und "Erscheinungsjahr" sortiert werden. Angezeigt wird zunächst nur ein Kurztitel. Der Langtitel verbirgt sich jeweils hinter dem Link Details, der auch die Option zum Ausdrucken der Literaturangabe eröffnete. Bei einem Teil der Aufsätze wird auch ein Direktlink zu digitalen Reproduktionen angeboten.

Diese Links verweisen meist auf landesgeschichtliche Veröffentlichungen, die im Bereich Periodika aufgelistet sind. Es handelt sich um Zeitschriftenaufsätze aus den "Oberösterreichischen Heimatblättern" (1947-2000) bzw. deren Vorgängerpublikationen "Der Heimatgau" (1938/1939-1942/1943) und "Heimatgaue" (1919/1920-1937). Für die Zeitschrifteninhalte wird eine Stichwortsuche sowie eine Eingrenzung bezüglich des Veröffentlichungszeitpunkts bzw. -zeitraums angeboten. Man kann jedoch auch in Gesamtlisten der in den drei Titeln enthaltenen Aufsätze blättern, wobei die gleichen Sortierungsmöglichkeiten bestehen, wie im Fall der Bibliographie. Wer beispielsweise in den Oberösterreichischen Heimatblättern nach Publikationen von Rudolf Zinnhobler sucht, findet mehr als ein Dutzend Veröffentlichungen des Kirchenhistorikers und ehemaligen Direktors des Diözesanarchivs Linz. Interessiert man sich etwa für den 1975 erschienenen Aufsatz "Die katholische Erneuerung der Stadt Wels und der Bauernkrieg des Jahres 1626", kann man eine digitale Reproduktion des gedruckten Aufsatzes im PDF-Format abrufen. Die Scanqualität ist hier wie in anderen Fällen noch zufriedenstellend zu nennen. Eine Volltextsuche innerhalb des PDF-Dokuments ist nicht möglich, so dass auch die Bezeichnung der Stichwortsuche als "Volltext"-Suche fragwürdig erscheint. Insgesamt stehen ca. 2.400 Aufsätze als Reproduktionen zu Verfügung.

Die Betreiber des Webangebots bleiben nicht bei der Erschließung und Digitalisierung älterer Veröffentlichungen stehen, sondern bieten interessierten Autoren auch ein Publikationsforum an. Diese Option wurde bislang erst von einem halben Dutzend Landeshistorikern genutzt, doch bleibt angesichts der wachsenden Akzeptanz elektronischer Publikationsformen auf eine Vermehrung der bislang verfügbaren Materialien zu hoffen. Abschließend sei auf den Bereich Datenbanken verwiesen, der eine übergreifende Suche in der Bibliographie, in einer Datenbank historischer Ortsansichten sowie in der oberösterreichischen Museumsdatenbank erlaubt.

[Gregor Horstkemper, 8. Januar 2007]

Logo