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Digitales Dokumentenarchiv der Universitätsbibliothek Augsburg

Nr. 2 / 2007  

Resümee:  Die Universitätsbibliothek Augsburg macht umfangreiche Bestände an frühneuzeitlichen Drucken als Reproduktionen in verschiedenen Grafikformaten abrufbar.
URL:  http://www.bibliothek.uni-augsburg.de/dda/
Kategorie:  Digitale Editionen

Die 1970 gegründete Universität Augsburg kann zwar noch nicht auf eine jahrhundertelange Tradition zurückblicken, aber ihre Universitätsbibliothek verfügt dennoch über einen sehr beachtlichen Altbestand: Der Löwenanteil dieses Altbestands kam im Jahr 1980 nach Augsburg, als die Oettingen-Wallersteinsche Bibliothek vom Freistaat Bayern erworben und an die junge Universität gegeben wurde. Zur Reichhaltigkeit dieser Bestände trugen im Lauf der Frühen Neuzeit nicht nur die Linien der Grafen von Oettingen bei. Einverleibt wurden den Oettinger Sammlungen u. a. Bibliotheken von Angehörigen der Familie Fugger sowie im Zuge der Säkularisation die Bestände mehrerer Klöster, darunter St. Mang in Füssen und Heilig Kreuz in Donauwörth. Auch wenn im 19. und 20. Jahrhundert wertvolle Stücke der Bibliothek veräußert wurden, so stellt die Sammlung mit ihren 1.600 Handschriften, rund 1.300 Inkunabeln und 117.000 Drucken des 16. bis 19. Jahrhunderts für jeden Frühneuzeitinteressierten eine wahre Fundgrube dar.

Hintergrundinformationen zur Konzeption des "Digitalen Dokumentenarchivs", für dessen Aufbau die Kunsthistorikerin Katharina Urch verantwortlich zeichnet, finden sich vor allem über den Navigationsspalten-Link Projekte. Hier wird erkennbar, dass ein Teil des Angebots auf ein von der Deutschen Forschungsgemeinschaft gefördertes Digitalisierungsvorhaben zurückgeht, in dessen Rahmen vor allem historische Quellenschriften (Drucke und Handschriften) sowie historische Druckgraphik aus den Beständen der Bibliothek Oettingen-Wallerstein bearbeitet wurden. Daneben ist ein weiterer Teil des Angebots als Augsburger Beitrag zur Bayerischen Landesbibliothek Online (BLO) entstanden. Zu den interessantesten Dokumenten des BLO-Schwerpunkts Handschriften gehört beispielsweise das "Diarum oder Tägliche Verzaichnus Wie es in dem OberLand Zue Schwaben mit der Statt Fiessen in Kriegswesen einen Verlauff gehabt, in dem Jahr 1632". Diese Abschrift von Tagebuchaufzeichnungen des Füssener Pfarrers Matthäus Schalk enthält auf rund 100 Blatt Folio eine Schilderung der wechselhaften Zeitläufte während des Dreißigjährigen Krieges. Zur Reproduktion der Quelle wird eine Beschreibung der Handschrift und eine Charakterisierung des Inhalts mitgeliefert. Außerdem findet sich als PDF-Datei ein Aufsatz von Hans Popp von 1936/37, der sich mit der Quelle auseinandersetzt. Die Reproduktion der Quelle kann mit Hilfe einer einfachen Blätterlösung benutzt werden. Die im JPG-Format abrufbaren Seiten können in zwei Auflösungsstufen betrachtet werden. Zusätzlich wird eine dritte Variante als PDF-Datei angeboten, die die beste Bildqualität bietet. Die Quelle wird jedoch nicht nur als grafische Reproduktion bereitgestellt: Zu jeder Seitenabbildung findet sich - etwas versteckt im unteren Frame - eine von Christine Böhm erstellte Transkription.

Den weitaus größten Teil des Gesamtangebots erreichen Besucher über den Navigationsspalten-Link Drucke vor 1900. In der Abteilung Historische Geschichtswerke sind beispielsweise einschlägige "Quelleneditionen und historische Darstellungen zur deutschen Geschichte des 16. und 17. Jahrhunderts" versammelt. Johann Gottfried von Meierns "Acta Pacis Westphalicae Publica" (1734/35) finden sich hier ebenso vollständig wie Johann Christian Lünigs "Corpus Iuris Militaris des Heil. Roem. Reichs". Im Vergleich zur erwähnten Handschrift dürften bei diesen Druckreproduktionen den meisten Benutzern bereits die beiden JPG-Versionen für eine komfortable Lektüre ausreichen. Auch hier kann jedoch jede Seite zusätzlich im PDF-Format heruntergeladen werden. Als Highlight dieser Abteilung dürften viele Besucher die 21 Bände des "Theatrum Europaeum" betrachten, die hier komplett digitalisiert vorliegen. Für die einzelnen Bände werden nicht nur detaillierte Kollationsinformationen mitgeliefert, sondern die Register wurden im Volltext erfasst und können zu jedem Band aufgerufen werden. Aus der 1662 erschienenen Auflage des ersten Bandes (Erstdruck 1635) werden zusätzlich 95 Blätter Druckgraphik von Matthäus Merian in besonders guter Auflösung zur Verfügung gestellt. Schließlich sei noch das für die Beschäftigung mit der Geschichte des Alten Reiches nach wie vor höchst nützliche "Teutsche Reichs-Archiv" von Johann Christian Lünig erwähnt. Mehr als ein Dutzend der insgesamt 24 Bände steht bereits zur Verfügung.

In der Abteilung Geschichte Augsburgs finden sich neben mehreren umfänglichen Werken Paul von Stettens u. a. die zwölf Bände der "Bibliotheca Augustana" (1785-1796), die Franz Anton Veith der Gelehrten- und Literaturgeschichte Augsburg widmete. Im Gegensatz zu den bisher erwähnten Werken wird in diesem Fall keine Blätterversion angeboten. Vielmehr kann jeder Band komplett als PDF-Datei heruntergeladen werden. Für die Mediengeschichte findet sich in der Abteilung Zeitungen eine einschlägige Quelle: Die "Augspurgische Ordinari Postzeitung", von der bislang die Jahrgänge 1770 bis 1806 digitalisiert wurden - die Vorlagen stammen in diesem Fall aus der Staats- und Stadtbibliothek Augsburg, die ebenfalls über einen sehr ergiebigen Altbestand verfügt. Überwiegend als reine PDF-Versionen werden Einzelne Werke aus der Oettingen-Wallersteinschen Bibliothek bereitgestellt - darunter z. B. die in arabischer und lateinischer Sprache gedruckten "Fides Et Leges Mohammaedis" von Theodoricus Hackspan aus dem Jahre 1646 oder Hieronymus Oertels Publikation "Schöne Bildnus in Kupfer gestochen der erleuchten beru[m]btisten Weiber Altes vnd Neues Testaments" aus dem jahre 1610. Als weiteres Schatzkästlein seien abschließend die Flugschriften aus der Bibliothek Oettingen-Wallerstein erwähnt: Hier findet sich zum Beispiel zur Frühphase des Dreißigjährigen Krieges eine große Zahl einschlägiger Drucke als komplett im PDF-Format abspeicherbare Reproduktionen, angefangen bei Caspar Schoppes aus katholischer Sicht verfasster Polemik "Newer Caluinischer Modell deß heiligen Roemischen Reichs" von 1616 über die "Apologia" der böhmischen Stände von 1618 bis hin zu den "Acta Mansfeldica" von 1623. Wer sich in irgendeiner Weise mit dem Dreißigjährigen Krieg beschäftigt, für den ist ein Besuch des "Digitalen Dokumentenarchivs" also ein Muss - und für alle anderen Frühneuzeitinteressierten wäre es eine vertane Chance, wenn sie sich nicht selbst einen Eindruck von den im Lauf der Zeit zusammengetragenen Materialien verschaffen würden.

[Gregor Horstkemper, 22. Januar 2007]

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