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Glasgow University Emblem Website

Nr. 3 / 2007  

Resümee:  Die Bibliothek der Glasgow University beherbergt eine der wichtigsten Emblemata-Sammlungen der Welt und macht Teile davon in durchdachten digitalen Editionen zugänglich.
URL:  http://www.emblems.arts.gla.ac.uk/
Kategorie:  Digitale Editionen

Als Erfindung des 16. Jahrhunderts, deren Blütezeit bis in den Barock hineinreichte, ist die Sinnbildkunst ein genuin frühneuzeitliches Phänomen. Da Text- und Bildprogramm vieler Emblemata aus humanistischen Quellen schöpften, überrascht es nicht, dass Emblemata ein gesamteuropäisches Phänomen. Mehrsprachige Ausgaben emblematischer Druckwerke trugen zusätzlich dazu bei, dass diese gewissermaßen multimediale Gattung über politische oder sprachliche Grenzen hinweg rezipiert wurde. Die Bibliothek der Glasgow University kann sich glücklich schätzen, eine der wichtigsten Emblemata-Sammlungen der Welt zu beherbergen, die Stirling Maxwell Collection of Emblem Books. Der in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts zusammengetragene Bestand umfasst rund 2.000 Werke, angefangen bei der ersten Auflage von Alciatos Emblemata (1531) bis hin zu Drucken des 19. Jahrhunderts. Die Zentren der Emblemataproduktion - Italien, Frankreich, Niederlande, Spanien, England und das Alte Reich - sind ebenso vertreten wie Regionen mit eher geringerer Bedeutung für die Entwicklung der Sinnbildkunst. Nicht zuletzt aufgrund dieser reichhaltigen Sammlung verfügt die Glasgow University über ein "Centre for Emblem Studies", das der internationalen Emblemata-Forschung wichtige Impulse gegeben hat. Um die in Glasgow versammelten Werke leichter zugänglich zu machen, wurden seit 2001 Initiativen zur Nutzung des Internet entwickelt. Zwischenergebnisse dieser Bemühungen stehen als Online-Editionen zur Verfügung.

Eine Basisorientierung über die in Glasgow entfalteten Emblemata-Aktivitäten bietet bereits die Startseite, angefangen bei einer Kurzdefinition des Emblembegriffs über den Verweis auf Kooperationspartner bis hin zu Kurzbeschreibungen verschiedener Teilprojekte. Wer sich vor allem für die Theorie der Emblematik interessiert, dem sei ein Link ganz am Ende der Startseite zur Beachtung empfohlen. Er führt zu Mignault's theoretical work on the Emblem, einer von Denis Drysdall besorgten kritischen Edition des "Syntagma de Symbolis" und weiterer Texte von Claude Mignault (1536-1606), in denen dieser sich mit Alciatos Emblemata auseinandersetzt. Der lateinische Wortlaut der Textfassung von 1577 wird um eine englische Übersetzung ergänzt. Wer dagegen gleich zu den digitalen Reproduktionen von Werken aus der Maxwell-Sammlung gelangen will, kann zwischen mehreren Optionen wählen. Die im Kopf der Startseite zu findenden Verweise auf The French Project sowie The Italian Project führen jeweils zu virtuellen Bibliotheken, während der Verweis auf The Alciato Project zur Zeit noch zu einer im Aufbau befindlichen, noch nicht mit Digitalisaten gefültten Sektion führt.

Zu den französischen und italienischen Emblembüchern wurden zwei jeweils eigenständig gestaltete Unterangebote aufgebaut, wobei die "French Emblems at Glasgow" umfangreicher ausfallen als das Geschwisterangebot namens "The Study & Digitisation of Italian Emblems". Auf der Startseite für die französischen Emblembücher wird darauf verwiesen, dass nur Drucke des 16. Jahrhunderts angeboten werden. Die meisten Werke werden in einer französischen und einer lateinischen Fassung bereitgestellt, fast alle Ausgaben entstammen der Maxwell Collection. Vor dem Zugriff auf ein bestimmtes Werk empfiehlt sich das Anklicken des Help-Reiters in der Navigationszeile. Hier werden ausführliche Informationen zur Navigation, zu Suchoptionen und zu den verfügbaren Möglichkeiten der kombinierten Darstellung von Faksimile und Transkription angeboten. Außerdem werden die Transkriptionsregeln sowie die Übersetzungs- und Annotationspraxis erläutert.

Der Navigationszeilen-Reiter Books führt zur Liste der verfügbaren Titel. Als Beispiel sei das 1544 in Paris publizierte erste französischsprachige Emblembuch ausgewählt, das von Guillaume de la Perrière verfasste "Theatre des bons engins". Zunächst können Informationen über Autor und Werk zur Kenntnis genommen werden. Mehrere Links eröffnen Einstiegsmöglichkeiten in das Emblembuch: Der Verweis auf die contents page führt zu einer Thumbnail-Galerie sämtlicher Bildelemente, während der Link zum first transcribed emblem die Besucher zu einer Blätterversion weiterleitet. Die Bildelemente jedes Emblems können in zwei Vergrößerungsstufen angezeigt werden, während die Subscriptio in transkribierter Form angezeigt wird. Man kann jederzeit zu einer Faksimile-Darstellung der entsprechenden Seite springen, oder sogar die Option Dual Emblem Display wählen, bei der Faksimile und Transkription nebeneinander angezeigt werden. Das Navigieren in den einzelnen Werken ist noch nicht optimal gelöst, da ein gezieltes Springen zu einzelnen Seiten nur über den Rückweg zur Startseite des jeweiligen Buches und dann zur contents page möglich ist. Besonders positiv fällt die Erschließung der Bild- wie auch der Textelemente durch die Zuweisung von Iconclass-Kategorien auf. Hat man bei Guillaume La Perrière beispielsweise eine Passage mit Bezug auf das Thema "Bürgerkrieg" gefunden, kann man den entsprechenden Iconclass-Begriff ("civil war") anklicken und zu Stellen in weiteren Werken der vorliegenden Emblembuch-Sammlung finden, die Material zum Bürgerkriegs-Thema bieten.

Die Iconclass-Notationen können auch über den Search-Button gezielt angesteuert werden. Wer sich mit den kryptischen Iconclass-Codes auskennt, kann direkt danach suchen, ansonsten steht auch eine Browsing-Option zur Verfügung. Außerdem steht eine Reihe weiterer spezieller Suchinstrumente zur Verfügung, die z. B. die gezielte Recherche nach Eigennamen oder sogar nach bestimmten Versformen ermöglichen. Trotz der einen oder anderen Holprigkeit bei der Navigation wirkt die Gesamtpräsentation sehr durchdacht, so dass der Mehrwert einer digitalen Präsentation eindrücklich verdeutlicht wird. Ähnliches kann für das Parallelangebot zu italienischen Emblemata gesagt werden, das allerdings bisher nur ein gutes halbes Dutzend Titel umfasst. Der weitere Ausbau des Gesamtangebots an Emblemata-Ressourcen durch die Glasgow University Library steht sehr zu hoffen, da die in Glasgow versammelten Quellen von höchstem Rang sind und die Konzeption der Online-Präsentation als sehr gelungen bezeichnet werden kann.

[Gregor Horstkemper, 17. Februar 2007]

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