Der Dreißigjährige Krieg. Eine Einführung

Der Dreißigjährige Krieg gilt als eines der einschneidensten historischen Ereignisse in Europa. Lange Zeit wurde seine außerordentliche Grausamkeit betont, doch darf nicht vergessen werden, daß dieser Krieg keineswegs überall die gleichen Auswirkungen hatte. Die berühmte Frage "Wie lange dauerte der Dreißigjährige Krieg?" ist nicht unbedingt als Scherz aufzufassen, denn es existieren auch Interpretationen, die den Dreißigjährigen Krieg als ein Element einer längeren Krisenphase (Eric Hobsbawm, Hugh Trevor-Roper) oder aber als eine Phase der Kriegsverdichtung im Zusammenhang mit der Staatsbildung (Johannes Burkhardt) betrachten. Traditionellerweise überwiegt aber der Begriff "Dreißigjähriger Krieg", der auch von den Zeitgenossen benutzt wurde (wie Konrad Repgen nachwies). Zu betonen ist dennoch, daß die Phase zwischen 1618 und 1648 nicht einen abgeschlossenen Ereignisblock bildet, der sich zusammenhangslos auf der Zeitleiste der historischen Entwicklung befindet. Vielmehr sind diese 30 Jahre fest in den konfessionellen und politischen Prozeß des späten 16. und des 17. Jahrhunderts eingebunden. Ebenso sei darauf hingewiesen, daß sich die kriegerischen Handlungen nicht allein im Reich abspielten, sondern ganz Europa betroffen war. Da es sich hier jedoch um einen einführenden Text handelt, wird dieser Aspekt weitgehend vernachlässigt und hauptsächlich das Geschehen im Reich betrachtet.

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Vorbedingungen:

Der Ausgburger Religionsfriede 1555

Einen entscheidenden Schritt in der Auseinandersetzung zwischen Protestanten und Katholiken im 16. Jahrhundert bildete der Augsburger Religionsfriede von 1555, der auch bei der Auslösung des Dreißigjährigen Krieges eine maßgebliche Rolle spielte. Vereinfacht gesagt, kämpften die Protestanten im Reich um die Anerkennung ihrer Konfession, die Katholiken hingegen um deren Eindämmung. 1555 versuchte man, die konfessionellen Streitigkeiten auf eine politisch-rechtliche Art anzugehen, wobei eine endgültige Lösung des zugrundeliegenden Konfliktes auf später vertagt wurde. Der auf diese Weise zustandegekommene Vertrag enthielt drei zentrale Bestimmungen:

  1. die Augsburger Konfession wird unter den Schutz des Allgemeinen Landfriedens gestellt und somit rechtlich anerkannt. Die Calvinisten bleiben jedoch weiterhin ausgeschlossen.
  2. das "ius reformandi": nur der Landesherr hat das Recht die Konfession zu bestimmen; die Untertanen müssen sich anpassen. Diese Bestimmung wird in der berühmten Formel Cuius regio eius religio deutlich, die in dieser From aber erst später geprägt wurde. Andersgläubige dürfen auswandern (ius emigrandi).
  3. der Geistliche Vorbehalt (reservatum ecclesiasticum): die geistlichen Fürsten werden von der Religionsfreiheit ausgenommen. Wer zum evangelischen Glauben übertreten möchte, verliert sein Amt. Damit soll die katholische Reichskirche geschützt werden.

Der territoriale Besitzstand wurde auf der Basis von 1552 fixiert.

Verschärfte Konfliktsituation

Trotz oder wegen dieser Vereinbarungen währte der Frieden nicht lange. Da der Augsburger Religionsfriede nur vorläufige Bestimmungen fasste, begann bald darauf die Diskussion um seine Auslegung desselben. Sie führte zu weiteren, verschärften Konfrontationen zwischen den beiden Konfessionen. Dies wirkte sich auch auf die Reichsverfassung aus, da einzelne Organe 'lahmgelegt' wurden, z.B. das Reichskammergericht und der Reichstag. Beide Verfassungsorgane besaßen eine wichtige Ausgleichsfunktion im Reich. Bei den Auseinandersetzungen spielte die Frage der Kirchengüterregelung eine zentrale Rolle, da im Augsburger Religionsfrieden nicht geklärt war, was mit den zahlreichen Gebieten geschehen sollte, die nach 1552 säkularisiert worden waren. Die Protestanten wollten die Güter natürlich behalten, die Katholiken fürchteten eine weitere Ausdehnung der Reformation und wollten die Säkularisierungen rückgängig machen.
Die Debatten erhitzten sich, als die Landesherren ihre Territorien ausbauten und die Einheit von politischer Ordnung und Religion festigten. Der Augsburger Religionsfriede hatte die paradoxe Situation hinterlassen, daß zwar im Reich eine strenge Parität der Konfessionen herrschte, in den einzelnen Territorien hingegen die Einheit der Konfession gewahrt werden mußte. Die Landesherren nutzten die Durchsetzung des einheitlichen Glaubens, um ihren Territorialstaat in Hinsicht auf Verwaltung, Behörden und Bildungswesen weiter auszubauen.
Als 1606 ein Waffenstillstand mit den Türken geschlossen wurde und somit ein Solidarisierungsgrund zwischen den Parteien im Reich wegfiel, verschärften sich die Fronten weiterhin. 1608 kam es auf dem Reichstag zu einem Eklat aufgrund von Uneinigkeit in konfessionellen Standpunkten, so daß auch dieses Reichsorgan gesprengt wurde.


Gründung von Union und Liga

Daraufhin gründeten die protestantischen Stände (u.a. Pfalz, Sachsen-Anhalt, Württemberg, Baden-Durlach) die sog. Union, ein Defensivbündnis unter der Führung der Kurpfalz. Allerdings war das Bündnis nicht besonders stark, da sich die norddeutschen Kurfürsten sowie Kursachsen nicht anschlossen und das Bündnis unter zahlreichen Uneinigkeiten zwischen Lutheranern und Calvinisten sowie unter Geldmangel litt.
Auf der katholischen Seite wurde im Jahr darauf (1609) die Liga unter der Führung Maximilians von Bayern gegründet, der die meisten katholischen Reichsstände (Bischöfe von Würzburg, Augsburg, Passau, Erzbischöfe von Köln, Mainz, Trier u.a.) beitraten. Vorgebliches Ziel der Liga war die Verteidigung des Landfriedens und der katholischen Religion. So standen sich also zu Beginn des Krieges zwei konfessionelle Fronten gegenüber.

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Verlauf des Dreißigjährigen Krieges:

Im Allgemeinen wird der Krieg in vier Phasen unterteilt, die jeweils nach den Kriegsgegnern des Kaisers benannt sind:

  1. Böhmisch-Pfälzischer Krieg (1618-1623);
  2. Niedersächsisch-Dänischer Krieg (1624-1629);
  3. Schwedischer Krieg (1630-1635);
  4. Schwedisch-Französischer Krieg; europäischer Krieg (1635-1648)

Diesem Schema gemäß wird im folgenden der Verlauf des Krieges skizziert.



1. Böhmisch-Pfälzischer Krieg (1618-1623):

Der böhmische Aufstand
Der Tropfen, der das Faß zum Überlaufen brachte, war eine Krise in Böhmen. Böhmen unterstand den Habsburgern und war mehrheitlich protestantisch. Die Stände hatten sich zu Beginn des Jahrhunderts einen Streit im Hause Habsburg (den sog. Bruderzwist) zunutze gemacht und sich 1609 vom Kaiser Rudolf II. den sogenannten "Majestätsbrief" ausstellen lassen. Dieser garantierte den Ständen weitgehende Autonomie und v.a. Religionsfreiheit. Nachdem dies einige Jahre gutgegangen war, versuchte der 1617 zum König von Böhmen gewählte Ferdinand wiederum den Katholizismus einzuführen. Die Protestanten wehrten sich gegen die Beschränkungen und bildeten ein ständisches Regiment. Ihr Widerstand gipfelte schließlich im berühmten Prager Fenstersturz am 23. Mai 1618. Dabei wurden die königlichen Statthalter Wilhelm von Slawata und Jaroslaw Martinizt aus dem Fenster der Prager Burg (Hradschin) geworfen. Anschließend erhob sich der böhmische Aufstand.

Der Winterkönig
Im August 1619 setztendie böhmischen Stände König Ferdinand ab und wählten den protestantischen Kurfürsten Friedrich von der Pfalz zum neuen König. Dieser versuchte im Reich Unterstützung zu finden, aber die beiden mächtigsten Stände - Kurbrandenburg und Kursachsen - wurden rechtzeitig vom Kaiser durch Gebietsabtretungen neutralisiert. Der schickte Truppen, um den Aufstand niederzuschlagen. Böhmen erhielt allein aus der Kurpfalz Unterstützung, wo Christian von Anhalt ein Söldnerheer mobilisierte. Während sich die protestantische Seite nicht entschließen konnte, war die katholische Seite um so schneller und effektiver: Die Liga stellte ihre Truppen zur Niederschlagung des böhmischen Aufstandes zur Verfügung. Die Union sowie die meisten europäischen Mächte lehnten Friedrich ab. Auch bei der Kaiserwahl 1619 nach dem Tod des Kaisers Matthias erhielt Friedrich keine Unterstützung. Stattdessen wurde Ferdinand zum neuen Kaiser gewählt.
Am 8. November 1620 kam es zur Schlacht am Weißen Berg zwischen den kaiserlichen und den Ligatruppen auf der einen Seite und dem böhmischen Ständeheer auf der anderen Seite, das eine große Niederlage erlitt. Der böhmische König mußte fliehen, gegen die Anführer des Aufstandes wurden harte Strafen verhängt. Adeliger Besitz wurde konfisziert und eine konsequente Rekatholisierungspolitik betrieben. In der Zwischenzeit wurde die Reichsacht über den Pfälzer Kurfürsten verhängt und sein Land von spanischen und ligistischen Truppen besetzt.

Der Erfolg der katholischen Seite
Da der Pfälzer Kurfürst vertrieben war, erhielt Maximilian von Bayern die mit der Pfalz verbundene Kurwürde auf Lebenszeit. Dies war Maximilian 1619 im Münchener Vertrag zugesichert worden, als Gegenleistung für die militärische Unterstützung der Liga, deren Anführer Maximilian war. Ohne die militärische Unterstützung von Spanien, Bayern und der Liga hätte der Kaiser wohl nicht so erfolgreich sein können, denn die Kämpfe gingen weiter. Auf katholischer Seite kämpfte Graf von Tilly erfolgreich gegen die protestantischen Söldnerführer Ernst von Mansfeld, Christian von Halberstadt und Markgraf Georg Friedrich von Baden.
1622 war ein bedeutsames Jahr, denn Heidelberg und Mannheim, die beiden Zentren des Calvinismus, wurden von Tilly eingenommen und waren somit in katholischer Hand. Die Erfolgssträhne Tillys setzte sich auch 1623 fort, als er weiter nach Norden vordringen und die Armeen unter Mansfeld und Christian von Halberstadt endgültig aufreiben konnte.
Diese erste Phase ist durch folgende Ereignisse gekennzeichnet: die Erhebung der böhmischen Stände gegen ihren österreichischen Landesherrn; ihre Niederlage unter dem "Winterkönig"; die Besetzung der Pfalz durch Spanien und die Liga im Auftrag des Kaisers. Zu diesem Zeitpunkt stand die katholische Seite siegreich da.


2. Niedersächsisch-Dänischer Krieg (1625-1629):

Eintritt Christians von Dänemark in den Krieg
Diese Phase begann mit dem Auftritt Christians IV. von Dänemark, der sich im Juli 1625 mit Ernst von Mansfeld und den niedersächsischen Reichsständen zusammenschloß und in den Krieg eingriff, da die katholischen Heere mittlerweile im Norden Deutschlands standen. Christian drang zusammen mit Mansfeld und Christian von Halberstadt nach Westfalen vor. Daraufhin gab der Kaiser Albrecht von Wallenstein den Auftrag, eine Armee aufzustellen, was dieser auch tat und zusammen mit der Ligaarmee Christian von Dänemark zurückdrängen konnte.
Im Verlauf der nächsten drei Jahre gelang es Tilly und Wallenstein, weiter nach Norden vorzudringen und schließlich Christian zum Lübecker Frieden zu zwingen. Christian war besiegt, kam allerdings noch recht glimpflich davon, denn er mußte sich lediglich in Zukunft aus dem Reich heraushalten und erlitt keine territorialen Verluste.

Der Höhepunkt der kaiserlichen Macht
Wallenstein spielte mittlerweile eine sehr bedeutende Rolle: Er hatte großen militärischen Erfolg, erhielt Mecklenburg als Lehen und wurde damit beauftragt, eine kaiserliche Flotte aufzubauen. In dieser Zeit befand sich auch der Kaiser auf dem Höhepunkt seiner Macht. Deutlich wird dies u.a. daran, daß er 1629 das Restitutionsedikt erliess.
Wie bereits erwähnt, ging es seit 1555 darum, den Augsburger Religionsfrieden zu interpretieren, da nicht geklärt war, was mit den Gebieten geschehen sollte, die nach 1552 säkularisiert worden waren. Die Katholiken hatten sich darüber beschwert und einzelne Fälle auch vor das Reichskammergericht gebracht, aber da es noch keine Rechtsgrundlage gab und das Gericht seit 1594 lahmgelegt war, kam es zu keinen Entscheidungen.
Der Kaiser erließ nun dieses Edikt, das jede Entfremdung von katholischem Kirchengut nach 1552 für rechtswidrig erklärte. Kaiserliche Kommissare sollten dafür sorgen, daß der ursprüngliche Besitzstand wieder hergestellt würde. Die tatsächliche Umsetzung des Ediktes hätte allerdings eine riesige Macht- und Besitzverschiebung bedeutet und über 500 Klöster sowie die Bistümer Bremen, Magdeburg, Verden, Halberstadt u.a. betroffen. Die Protestanten erhoben Widerstand, aber auch die katholische Seite brachte Einwände vor.
Diese zweite Phase des Krieges ist durch folgende Ereignisse gekennzeichnet: Dänemark errichtete mit Unterstützung der Niederlande, Frankreichs und Englands eine zweite Front, erlitt allerdings eine Niederlage. Die kaiserliche Macht dehnte sich bis zur Ostsee aus.


3. Schwedischer Krieg (1630-1635):

Der Regensburger Kurfürstentag
Der Höhepunkt der kaiserlichen Macht währte nicht lange. Bereits 1630 mußte Ferdinand auf dem Regensburger Kurfürstentag Zugeständnisse machen. Eigentlich plante er, die Nachfolge seines Sohnes Ferdinand gegenüber den Kurfürsten durchzusetzen und forderte zudem militärische Unterstützung für seine Aktionen in Italien. Frankreich und Spanien strebten beide nach der Erbfolge in Mantua (Mantuanischer Erbfolgekrieg), wobei der deutsche Kaiser seine spanischen Verwandten unterstützte. Die deutschen Kurfürsten sahen es aber nicht ein, ihre Truppen dem Kaiser zur Verfügung zu stellen, sondern verlangten vielmehr die Beendigung des Krieges. Überdies sahen sie aufgrund der zahlreichen Erfolge des Kaisers ihre Stellung im Reich bedroht und fürchteten um ihren Einfluß. So verlangten sie eine Verkleinerung der kaiserlichen Armee sowie die Entlassung Wallensteins, der ihrer Ansicht nach zu viel Macht besaß. Der Kaiser wurde derart unter Druck gesetzt, daß er Wallenstein entlassen mußte und Graf von Tilly die Führung der kaiserlichen Armee übernahm.

Der Eintritt Schwedens in den Krieg
Aber noch ein weiteres Ereignis machte dem Kaiser zu schaffen - die Landung des schwedischen Königs Gustav Adolf in Pommern im Juli 1630. Über seine Kriegsziele ist lange debattiert worden: Manche Forscher waren der Meinung, er habe den Protestantismus retten wollen, andere glaubten, er wollte seine Interessen an der Ostsee verteidigen (Anm. Olafsson). Dank der finanziellen Unterstützung Frankreichs konnte Gustav Adolf einige Erfolge für sich verbuchen und weit in den Süden des Reiches vordringen. Allerdings hatte er Schwierigkeiten, die protestantischen Stände auf seine Seite zu bringen. Erst nach der Katastrophe von Magdeburg und dem Einmarsch Tillys in Sachsen erhielt der schwedische König Unterstützung im Reich. Tilly hatte im Mai 1631 die Plünderung Magdeburgs in Kauf genommen, da sich die Stadt mit Gustav Adolf verbündet hatte. Dabei wurde ein gewaltiges Blutbad angerichtet und die gesamte Stadt in Schutt und Asche gelegt. Zahlreiche Flugschriften verbreiteten die Nachricht von der Magdeburger Katastrophe und schlachteten sie propagandistisch aus. Anschließend marschierte Tilly dann ins zwar protestantische, aber kaisertreue Kursachsen ein, das sich daraufhin auch Gustav Adolf anschloß. Die Erfolge Gustav Adolfs im Sommer 1631 brachten einen Wendepunkt des Krieges.
Da die katholische Seite über Kriegsführung und -ziele uneinig war, wurde erneut Wallenstein zurückberufen, der eine große Armee aufstellte und zum unumschränkten Oberbefehlshaber ernannt wurde.
Gustav Adolf steuerte inzwischen Süddeutschland an, konnte dort Tilly besiegen und Bayern besetzen (am 17.Mai 1632 erreichte Gustav Adolf München). Bis zu diesem Zeitpunkt waren die Schweden sehr erfolgreich und in unzähligen Bildern und Schriften wurde Gustav Adolf als Held gefeiert.

Die Wende des Krieges
Im November 1632 kam es bei Lützen zu einer der schwersten Schlachten des Krieges. Die Schweden siegten zwar und Wallenstein mußte sich zurückziehen, aber Gustav Adolf fiel. Dies bedeutete eine große Schwäche für die Schweden, da sie ihre Führungsperson verloren hatten und seine Tochter Christina, die Königin werden sollte, noch minderjährig war. Auch und besonders für die protestantischen Reichsstände fiel eine charismatische Führungspersönlichkeit aus. In der Zwischenzeit übernahm der schwedische Reichskanzler Axel Oxenstjerna die Regierung.
Oxenstjerna versuchte nun die protestantischen Stände im Heilbronner Bund organisatorisch zu vereinen. Dieser verfolgte drei Ziele: die Stabilisierung der deutschen Libertät, Friede im Reich und angemessene Kriegsentschädigung für Schweden. Allerdings hielt dieser Bund nicht lange, denn im Jahr darauf, 1634, erlitt Schweden in der Schlacht von Nördlingen eine heftige Niederlage gegen spanische und kaiserliche Truppen. Der Bund fiel auseinander, Schweden mußte fast alle seine Positionen am Rhein und Main aufgeben.
In der Zwischenzeit war auch Wallenstein erneut entlassen. Ihm wurde Verrat vorgeworfen, da er mit den Kriegsgegnern in Verhandlung getreten war, wozu er nicht befugt gewesen war. Er wurde im Januar 1634 ermordet. Unterdessen hatte auch der Kaiser erkannt, daß er gewisse Kompromisse eingehen mußte. Das Hauptanliegen mußte sein, die fremden Mächte aus dem Reich zu drängen. Vertraglich abgesichert wurde dies im Prager Frieden von 1635, der zwischen dem Kaiser und Kursachsen, das sich mittlerweile wieder dem Kaiser angenähert hatte, geschlossen wurde. Zum erstenmal wurde in diesem Frieden ein "Normaljahr" festgelegt: der 12. November 1627 sollte als Stichtag für die konfessionellen Besitzungen gelten. Dieses Normaljahr wurde später im Westfälischen Frieden aufgenommen. Gleichzeitig wurde das Restitutionsedikt ausgesetzt und eine endgültige Entscheidung auf später verschoben. Die Übertragung der pfälzischen Kurwürde auf Bayern wurde ebenso abgesichert. Ziel war es, die fremden Mächte zu vertreiben und für Frieden im Reich zu sorgen. Im Prager Frieden vollzog sich sozusagen eine Umkehrung der Allianzen, denn fast alle deutschen Stände schlossen sich diesem Frieden an, traten damit auf die spanisch-habsburgische Seite und Frankreich und Schweden standen fortan auf der gegnerischen Seite.
Diese dritte Kriegsphase ist vorwiegend durch die Kriegszüge Schwedens gekennzeichnet. Zu Beginn war Gustav Adolf durchaus militärisch erfolgreich, konnte aber die protestantischen Stände nicht auf seine Seite bewegen. Diese unterstützten nur kurze Zeit die Schweden, wandten sich dann aber fast geschlossen auf die Seite des Kaisers, um endlich Frieden zu erlangen. Dieser stand jedoch noch in weiter Ferne, denn im März 1636 erklärte Frankreich den Krieg und eröffnete damit die vierte und letzte Phase.


4. Der Schwedisch-Französische Krieg (1635-1648)

Der Kriegseintritt Frankreichs
Warum griff Frankreich in den Krieg ein? An entscheidender Stelle saß Kardinal Richelieu, der das Ziel verfolgte, die habsburgische Monarchie soweit als möglich zu schwächen und die "spanische Straße", also den spanischen Militärkorridor, der zwischen den spanischen Besitzungen in Oberitalien und den spanischen Niederlanden verlief, zu unterbrechen. An der Tatsache, daß sich Frankreich mit Schweden verbündete, wird deutlich, daß religiöse Gründe offensichtlich nicht im Vordergrund standen: Frankreich war katholisch und Schweden protestantisch.
Die letzte Phase des Krieges ist durch kriegerische Handlungen ohne entscheidende Schlachten gekennzeichnet. Das Jahr 1637 bildet insofern eine Zäsur, als Kaiser Ferdinand II. starb und sein weit versöhnlicherer Nachfolger Ferdinand III. auf Frieden drängte. Ab 1640 konnte Frankreich Erfolge verbuchen, da es in Spanien zu Aufständen in Katalonien kam und sich Portugal, das seit Ende des 16. Jahrhunderts zu Spanien gehörte, löste.

Beginn der Friedensverhandlungen
Allmählich machte sich - neben der nachlassenden militärischen Kraft des Kaisers und seiner Verbündeten - eine allgemeine Kriegsmüdigkeit und eine Bereitschaft zu Friedensverhandlungen breit. Seit 1643 verhandelten Frankreich und der Kaiser in Münster; die Schweden, die protestantischen Stände und der Kaiser in Osnabrück. Nach langen Verhandlungen war der Kaiser auch dazu bereit, die Reichsstände selbständig auf dem Friedenskongreß verhandeln zu lassen. Der Krieg setzte sich jedoch fort. Erst nachdem am 24. Oktober 1648 die beiden Friedensschlüsse unterschrieben wurden und sich die Nachricht im Reich verbreitete, war der Krieg beendet.
Diese letzte Phase ist durch folgende Ereignisse gekennzeichnet: Frankreich trat in den Krieg ein und verhinderte somit eine Niederlage Schwedens. Spanien wurde militärisch geschwächt, da sein Versorgungsnachschub in die Niederlande nach 1638 abgeschnitten wurde und Unruhen im eigenen Land zunahmen. Durch die Schwäche Spaniens erhielt Wien keine Unterstützung mehr und Frankreich konnte im Reich weiter vordringen. Aufgrund allgemeiner Kriegsmüdigkeit begannen schließlich die Friedensverhandlungen.

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Der Westfälische Frieden:

Die Akten des Friedenswerkes sind sehr umfangreich. Hier seien nur die wichtigsten Ergebnisse bezüglich territorialer Veränderungen, konfessioneller und verfassungsrechtlicher Regelungen erwähnt.

Territoriale Bestimmungen
Frankreich erhielt u.a. die Bistümer Metz, Toul und Verdun bestätigt und die österreichische Landgrafschaft Ober- und Unterelsaß. Schweden erhielt das Erzbistum Bremen, Bistum Verden und Vorpommern. Brandenburg erhielt als Entschädigung Hinterpommern und die Bistümer Kammin, Halberstadt und Minden. Bayern durfte die Kurwürde und die Oberpfalz behalten. Die Kurpfalz wurde wieder hergestellt und eine achte Kur eingerichtet.

Konfessionelle Bestimmungen
Hinsichtlich der konfessionellen Auseinandersetzungen galt der Stichtag des 1. Januar 1624 (Normaljahr), der den Besitzstand regelte. Der Augsburger Religionsfriede blieb gültig und wurde auf die Calvinisten ausgedehnt. Alle drei Konfessionen waren nun gleichberechtigt. Der Landesherr durfte künftig nicht mehr die Konfession seiner Untertanen bestimmen.

Verfassungsrechtliche Bestimmungen
Verfassungsrechtlich herrschte strenge Parität. Für alle Fragen mit konfessionellem Hintergrund galt fortan die "itio in partes"-Regelung: die Stände teilen sich in ein "Corpus catholicorum" und "Corpus evangelicorum", entscheiden untereinander und müssen sich anschließend einigen. Die kaiserlichen Rechte wurden stark limitiert. Die Reichsstände hingegen erhielten die Landeshoheit und das Recht, Bündnisse zu schließen, außer gegen Kaiser und Reich.

Der Westfälische Frieden wurde zur wichtigen Grundlage der Reichsverfassung.

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Autor: Beatrice Hermanns
 
Artikel: 1. Version vom 6.12.2000
 
Gliederung des Artikels
 
siehe auch:
 
Einführende Literatur:
  • Friedemann Bedürftig, Taschenlexikon Dreißigjähriger Krieg, München 1998
  • Johannes Burkhardt, Der Dreißigjährige Krieg, Frankfurt/Main 1992
  • Hans Medick und Benigna von Krusenstjern, Die Nähe und Ferne des Dreißigjährigen Krieges, in: Dies. (Hrsg.), Zwischen Alltag und Katastrophe. Der Dreißigjährige Krieg aus der Nähe, Göttingen 1999, S. 13-38.
  • Volker Press, Kriege und Krisen. Deutschland 1600-1715, München 1991
  • Konrad Repgen, Der Dreißigjährige Krieg, in: Dreißigjähriger Krieg und Westfälischer Freide. Studien und Quellen, hg. v. Franz Bosbach und Christoph Kampmann, Paderborn 1998, S. 291-318
  • Georg Schmidt, Der Dreisßgjährige Krieg, München 1999 (4. Auflage)
  • Gerhard Schormann, Der Dreißigjährige Krieg, Göttingen 1993 (2. Auflage)

Zitieren Sie diesen Artikel bitte als: Beatrice Hermanns: Der Dreißigjährige Krieg. Eine Einführung, in: Gudrun Gersmann / Torsten Reimer (Hg.): München im Dreißigjährigen Krieg. Ein universitäres Lehrprojekt, 1. Version vom 6.12.2000, URL: http://www.krieg.historicum.net/themen/m30jk/30jkeinfuehrung.htm