| Kaiser und Verbündete | Gegner Habsburgs |
|---|---|
Kaiser Ferdinand II. von Habsburg - im Jesuitenkolleg in Ingolstadt erzogen (z.T. zusammen mit seinem Cousin Maximilian von Bayern) - überzeugter Katholik, extrem antiprotestantisch (Protestanten=Ketzer=Rebellen) - Jesuiten als "Gewissenswächter" und Berater - ab 1617 Böhmischer König - 1619 von den böhmischen Ständen abgesetzt, erlangt Macht nach siegreicher Schlacht am Weißen Berg 1620 wieder - ab 28.08. 1619 Kaiser des Reiches - politische Ziele: vollständige Rekatholisierung des Reiches, Stärkung der kaiserlichen Macht (absolutistische Bestrebungen) und Stärkung des Hauses Habsburg |
Friedrich V. von der Pfalz; "Winterkönig" - seit 1613 mit Elisabeth Stuart von England verheiratet - 1614 Regierungsantritt in der Pfalz - 26.08.1619 Wahl zum böhmischen König (Gegenkönig zu Ferdinand II.) - politisch nicht sehr ambitioniert, von seinen Beratern (v.a. Christian von Anhalt) dazu überredet die Krone Böhmens anzunehmen - Flucht in die Vereinigten Niederlande nach der Niederlage der böhmischen Stände am Weißen Berg 1620 - ab 23.01.1621 in Reichsacht - schon von zeitgenössenischen Gegnern als "Winterkönig" (da seine Herrschaft nur einen Winter gedauert hatte) verspottet - versucht bis zum Ende seines Lebens seine Herrschaft wiederzuerlangen - muß diese Hoffnungen mit dem Tod Gustav Adolfs begraben, stirbt als gebrochener Mann 1632 an der Pest |
Kaiser Ferdinand III. von Habsburg - ab 1625: König von Ungarn - ab 1627: König von Böhmen - als Heerführer erfolgreich (Schlacht von Nördlingen 1634) - 22.12.1636: Wahl zum Römischen König (-> nach dem Tod seines Vaters 1637 automatisch Kaiser) - Ziele: Stärkung des Hauses Habsburg und der kaiserlichen Macht im Reich; Erlangung des Friedens - galt aber als etwas entschlußschwach - an Kunst und Wissenschaft interessiert |
Christian der IV. von Dänemark - seit 1596 König von Dänemark - außerdem Herzog von Holstein und damit Mitglied der Stände des Reiches; strebte nach Hegemonialstellung in Norddeutschland - Juni 1625: Eintritt in den Dreißigjährigen Krieg - kann im Lübecker Frieden 1629 trotz schwächerer Verhandlungsposition den Status quo halten - 1643-45: Krieg gegen Schweden - Dänemark verliert im Frieden von Brömsebro 1645 die Vormachtstellung in Skandinavien - führte ein ausschweifendes Privatleben |
Maximilian I. von Bayern - streng katholisch (Marienverehrer), antiprotestantisch, dennoch zu Kompromissen bereit - begabter Politiker - ab 1598 Herzog von Bayern - Initiator der Gründung der katholischen Liga 1609 - seine Besetzung der Oberpfalz und die Übertragung der pfälzischen Kurwürde auf ihn(Verfassungsbruch) werden u.a. als Gründe für die Verlängerung des Konflikts angeführt. - konnte durch den Dreißigjährigen Krieg seine Position entscheidend stärken: - starb 1651 in Ingolstadt |
Gustav II. Adolf - "Löwe aus Mitternacht" - seit 1611 König von Schweden anfangs mit Unterstützung des Kanzlers Axel Oxenstjerna - überzeugter Protestant - charismatische Führungspersönlichkeit - hielt sich selbst und wurde auch von anderen für unverwundbar gehalten - 16.11.1632 Tod in der Schlacht von Lützen |
Albrecht Wenzel Eusebius von Wallenstein (eigentlich Waldstein/Valdstejn) - Sproß einer protestantischen böhmischen Adelsfamilie - schon in den Türkenkriegen und in Ungarn in militärischen Diensten - 1606: Konversion zum Katholizismus - wohlhabender Großgrundbesitzer in Böhmen und Mähren (besaß z.T. mehr als ¼ Böhmens) durch reiche Heirat und v.a. durch günstige Erwerbung von über 50 Gütern, die Beteiligten am Böhmischen Aufstand von Ferdinand II. als Bestrafung entzogen worden waren - stellte aus eigenen Mitteln Heere auf, die er dem Kaiser zur Verfügung stellte; Erhaltung der Heere durch ein Kontributionssystem nach dem Motto "Der Krieg ernährt den Krieg" - 1625 Herzog von Friedland - 1628 General des Ozeanischen und Baltischen Meeres - enorme Organisationsbegabung - verschrobener Mensch (extrem lärmempfindlich, abergläubisch) - umstrittene Persönlichkeit, hatte auch im eigenen Lager viele Gegner - verhandelte hinter dem Rücken des Kaisers mit den gegnerischen Parteien, was zu großem Argwohn ihm gegenüber führte - am 25.02. 1634 nach der Anweisung, ihn tot oder lebendig nach Wien zu schaffen, in Eger ermordet |
Markgraf Georg Friedrich von Baden-Durlach - überzeugter Protestant - von Beginn an Mitglied der protestantischen Union - stellte zur Unterstützung Friedrichs V. von der Pfalz und für den Kampf gegen die katholische Liga ein eigenes Heer auf - kämpfte nach der Niederlage seines Heeres in der Schlacht bei Wimpfen auf der Seite der Dänen und Schweden - gabt nach der Niederlage von Nördlingen seinen Kampf für die protestantische Sache auf - starb 1638 in Straßburg |
Gottfried Heinrich Graf zu Pappenheim - konvertierte zum Katholizismus - Reichshofrat in Prag - kämpfte von Beginn an im Heer der katholischen Liga, danach in bayerischen Diensten - ab 1623: eigenes Kürassierregiment (Reiter): die "Pappenheimer" (Ausdruck ursprünglich positiv gebraucht) - überhaupt sehr ungestümer Befehlshaber und Soldat, wurde wegen seiner angeblich über 100 Narben und Verletzungen auch "Schrammenhans" genannt - starb 1632 in der Schlacht bei Lützen |
Christian von Braunschweig, "der tolle Halberstädter" - Herzog von Braunschweig-Wolfenbüttel und Administrator des säkularisierten Bistums Halberstadt - seit 1620 in militärischen Diensten - Verehrer Elisabeth Stuarts der Gemahlin Friedrichs V. von der Pfalz - angeberisch, roh, unbeliebt, kämpfte um des Krieges und des Kampfes willen - starb 1626 an einer Krankheit - Zeitgenossen schrieben seinen Tod seinem unsteten Lebenswandel zu |
Franz von Mercy - seit jeher im Dienst des bayerischen und kaiserlichen Heeres - sehr begabter Heerführer ("sah voraus" was der Gegner vorhatte) - Mitglied in der "Fruchtbringenden Gesellschaft" zur Pflege der deutschen Sprache - fiel in der Schlacht von Alerheim 1645 (durch einen Kopfschuß) |
Axel Graf Oxenstjerna - Sproß eines alteingesessenen schwedischen Adelsgeschlechts - Studium der Theologie und des Rechts u.a. in Rostock, Jena und Wittenberg - von Anfang an Berater Gustav Adolfs - ab 1611 schwedischer Reichskanzler - begabter Staatsmann und Diplomat - galt als intelligent, ruhig und realistisch und somit als ideale Ergänzung des oft ungestümen schwedischen Königs - meist für die Aushandlung der schwedischen Friedensschlüsse verantwortlich - ab 1631: schwedischer Bevollmächtigter am Rhein - nach dem Tod Gustav Adolfs 1632 als Vorsitzender des Reichsrats Vormund für dessen unmündige Tochter und Nachfolgerin Christina und bis zu ihrem Regierungsantritt 1644 Interims-Regent Schwedens - starb 1654 in Stockholm |
Johann Tserclaes Graf von Tilly - Katholik, Marienverehrer - sein Leben lang im Kriegsdienst (vor dem Dreißigjährigen Krieg in den Türkenkriegen, in den Religionskriegen in Frankreich...) - angesehener Mann, selbst bei seinen Gegnern - Negativpunkt: wurde von der schwedischen Propaganda für die Zerstörung Magdeburgs verantwortlich gemacht - starb nach der Schlacht bei Ingolstadt an den Folgen einer Schußverletzung am Bein |
Carl (Karl) Gustav Wrangel, Graf von Salmis - ab 1646: Oberbefehlshaber der schwedischen Armee im Reich - auch nach dem 30-jährigen Krieg erfolgreich für Schweden aktiv (Schwedisch-Polnischer Krieg; Einfall Schwedens in Brandenburg) - "Kriegsgewinnler": wurde durch den 30-jährigen Krieg zum Millionär, erbeutete v.a. Kunstschätze (heute in Schloß Skokloster) - starb 1676 auf Gut Spycker auf Rügen |
Kardinalinfant Fernando (auch: Ferdinand von Österreich) - Sohn Philipps III. von Spanien - 1619 Administrator von Toledo - Kardinal - ab 1634: Regent in den südlichen Niederlande - kämpft abwechselnd gegen Frankreich, Holland und seine Verwandten am spanischen Hof |
Lennart Torstensson, Graf von Ortala - gilt als Entwickler der sehr erfolgreichen schwedischen Kampftaktik der ,leichten Feldartillerie' - Nachfolger Banérs: konnte die unter Banér ausgebrochenen Meutereien wegen nichterfolgter Soldzahlungen bändigen, indem er den Soldaten erlaubte, die Bevölkerung auszuplündern - litt sehr unter der Gicht, mußte deshalb 1646 den Befehl über das schwedische Heer abgeben - 1647 von Königin Christina von Schweden in den Adelsstand erhoben und zum Generalgouverneur von Vestergötland ernannt |
Erzherzog Leopold Wilhelm - Sohn des Kaisers Ferdinand II. - ab 1625: Bischof von Passau und Straßburg - ab 1629: Erzbischof von Magdeburg - ab 1641: Hochmeister des Deutschen Ordens - 1639-1642; 1645-1648: Oberbefehl über das kaiserliche Heer - 1645-1656: Statthalter der spanischen Niederlande - an Kunst interessiert (große Sammlung) |
Gustav Horn Graf von Björneborg - vor dem schwedischen Eingreifen in den Dreißigjährigen Krieg Oberbefehlshaber der schwedisch-finnischen Truppen in Livland, ab der Landung Gustav Adolfs in Pommern Feldmarschall im Reich - verheiratet mit Christina der Tochter des schwedischen Reichskanzlers Axel Oxenstjerna, die mit ins Reich kam und dort bald an einer Krankheit starb - nach dem Tod Gustav Adolfs zusammen mit Bernhard von Weimar (mit dem er sich nicht gut verstand) Befehlshaber des schwedischen Heeres - nach der verlorenen Schlacht bei Nördlingen 1634 für 8 Jahre in Gefangenschaft - 1642 Rückkehr nach Schweden - 1653 Beförderung zum Reichsmarschall |
Maximilian von Trautmannsdorff - trat schon in jungen Jahren zum Katholizismus über - großer Diplomat, an zahlreichen Friedensverhandlungen Habsburgs entscheidend beteiligt - v.a nach der Schlacht von Nördlingen wichtiger Ratgeber des Kaisers - kaiserlicher Prinzipalgesandter bei den westfälischen Friedensverhandlungen |
Ernst II. Graf zu Mansfeld - unehelicher Sohn des kaiserlichen Statthalters von Luxemburg, Peter Ernst I. zu Mansfeld - ab 1603 in militärische Führungsposition - 1618 als Söldnerführer von den böhmischen Ständen verpflichtet - typischer Kriegsunternehmer seiner Zeit (Condottiere), der egal auf welcher Seite in den Krieg zog und nur zufällig immer auf der Seite der Gegner Habsburgs blieb - gab 1626 wegen Krankheit den Oberbefehl über das von ihm zusammengeworbene Heer an Johann Ernst von Weimar ab - starb auf dem Weg nach Venedig in einer von ihm eigens inzwenierten Show |
Jost Maximilian Graf von Gronsfeld - seit Ausbruch des Krieges Soldat im Heer der Liga - ab 1626: eigenes Regiment - 1623: Nachfolger Pappenheims - 1645: nach neunjähriger Abwesenheit vom Militärdienst, Befehlshaber des bayerischen Heeres - 1648 kam er wegen seines kampflosen Rückzugs bei der Schlacht bei Zusmarshausen vors Kriegsgericht - betätigte sich als Literat: seine "Erinnerungen" behandeln die Zeit von 1620-1632 und gelten als wichtige historische Quelle |
Johan Banér - vor seinem Einsatz im Reich kämpfte er in Rußland und Polen für Schweden - 1632: Oberbefehl über die schwedischen Truppen in Süddeutschland - ab 1634: Feldmarschall - ab 1635 immer wieder Meutereien unter seinen Soldaten, die er nie richtig in den Griff bekam - galt als fähiger Soldat aber auch als roh, trunksüchtig und mißlaunig - starb 1641 in Halberstadt |
Peter Melander (eigentlich Eppelmann) Graf von Holzappel - Calvinist - Sohn eines Landsknechts - steile Militärkarriere im Dienste verschiedener Herrscher (u.a. Niederlande, Venedig, Frankreich) - 1633-1640: Kampf auf Seiten Hessen-Kassels gegen die Liga - 1641: Ernennung zum Reichsgraf - 1642: wechselt er auf die Seite der Liga, wurde 1647 Oberbefehlshaber des kaiserlichen Heeres - fiel 1648 in der Schlacht bei Zusmarshausen |
Bernhard von Weimar - ehrgeiziger und äußerst fähiger Heerführer - 11. Sohn des Herzogs von Sachsen-Weimar , da er keine Chance auf eine politische Karriere sah, wählte er das Militär - von Beginn des Krieges an auf der Seite der jeweiligen Gegner Habsburgs - großer Erfolg: Eroberung der Festung Breisach 1638 - starb 1639 an einer Krankheit, evtl. den Schwarzen Blattern |
|
Henri de la Tour d`Àuvergne Vicomte de Turenne - Hugenotte - ab 1643: Oberbefehl über das französische Heer in Süddeutschland - auch nach dem Dreißigjährigen Krieg für den französischen Hof in militärischen Diensten (franz. Bürgerkrieg, Krieg gegen Spanien, Devolutionskrieg, Niederländisch-Französischer Krieg) - gilt als bedeutenster französischer Heerführer des 17. Jahrhunderts - fiel 1675 in einer Schlacht des Niederländisch-Französischen Krieges |
|
Louis II. Fürst von Condé - Sproß des Hauses Bourbon-Condé - Herzog von Enghien - begabter Heerführer, konnte schon sehr jung große Erfolge feiern - nach dem Dreißigjährigen Krieg auf wechselnden Seiten miliärisch aktiv |
| Zitieren Sie diesen Artikel bitte als: Edith Koller: Dramatis personae. Akteure des Dreißigjährigen Krieges, in: Gudrun Gersmann / Torsten Reimer (Hg.): München im Dreißigjährigen Krieg. Ein universitäres Lehrprojekt, 1. Version vom 6.12.2000, URL: http://www.krieg.historicum.net/themen/m30jk/30jkpersonen.htm |