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Gustav Adolf hatte sich dazu bewegen lassen, München Schonung vor Brand und Plünderung sowie die Sicherheit von Leib, Leben und Religion der Bewohner zu gewähren. Im Gegenzug war dem Schwedenkönig die Zahlung einer Kontribution von 300.000 RT zugestanden worden. Ein Teil der schwedischen Armee war in der Stadt einquartiert worden, die Hauptarmee aber lagerte vor den Mauern Münchens, und die Reitertruppen nahmen Quartier in den Nachbardörfern. Alles, was die Schweden in München zu ihrem Lebensunterhalt benötigten, mußten sie durch eine angemessene Bezahlung erwerben. Drei schwedische Soldaten, die sich dennoch zu Plünderungen in München hatten hinreißen lassen, wurden öffentlich auf dem heutigen Marienplatz gehängt.
Die Umgebung Münchens wurde dafür um so schlimmer heimgesucht. Schwedische Truppen plünderten und verheerten zahlreiche Ortschaften. Zum Beispiel wurden Ismaning, Bogenhausen und Haidhausen (das eigentlich eine Kontribution an die Schweden geleistet hatte) in Schutt und Asche gelegt, ganz Trudering brannte bis auf die Kirche nieder, Perlach wurde verwüstet, Ottendichl und Putzbrunn litten besonders, die Kirche zu Unterbiberg ging in Flammen auf. Viele der Dorfbewohner hatten ihr Heil in der Flucht gesucht. Sie suchten innerhalb der Mauern Münchens Schutz oder flohen in die Wälder oder an andere unzugängliche Plätze. So brachten sich beispielsweise die Bewohner von Diessen am Ammersee mit ihren Booten auf das Erlaich, der heutigen Schwedeninsel, in Sicherheit. Wie groß die Menschenverluste in jedem einzelnen Dorf waren, ist nicht genau festzustellen. Durch die Plünderungen und Verwüstungen, die daraus resultierenden Hungersnöte und nachfolgenden Seuchen muß es aber zumindest stellenweise zu einer erheblichen Zahl von Toten unter der Bevölkerung gekommen sein. So starben z. B. in Feldmoching innerhalb der Monate Mai, Juni und Juli des Jahre 1632 110 Menschen, ungefähr ein Drittel der Bevölkerung.
Ihre Beute brachten die Schweden nach München und boten sie dort zum Verkauf an. Während die Münchner also selbst von Plünderungen verschont blieben, konnten sie die gerade erst bei ihren Nachbarn geraubte Beute zu Schleuderpreisen erstehen. Wegen des übergroßen Angebots fielen die Preise ins Bodenlose, und bald kostete ein Rind nur noch soviel wie vor der Besetzung ein Pfund Schmalz gekostet hatte, nämlich einen Gulden (Heimers, 32f.). Außerdem waren die Gemeinden des Münchener Umlandes indirekt auch noch von den Lösegeldforderungen der Schweden betroffen. Bereits am 21. April waren die Kirchenpröpste von Ramersdorf und der Pfarrer von Perlach in die Stadt München geflüchtet. Da sich die Geistlichen innerhalb der Stadtmauern Sicherheit vor schwedischen Plünderungen erhofften, brachten sie die wertvollsten Kirchengeräte ihrer Kirchen mit und hinterlegten das Fluchtgepäck in der Stadtkammer. Doch die mitgebrachten liturgischen Geräte mußten für das geforderte Lösegeld von 300.000 RT herausgegeben werden.
Auch nach dem Abzug der Schweden litt die ländliche Bevölkerung unter dem Krieg, denn jetzt rückten die kaiserlichen und spanischen Truppen nach. Auch sie wurden zwangsweise einquartiert und beschlagnahmten gewaltsam Lebensmittel. Letztlich war es für die Dörfer unbedeutend, ob sie von fremden oder eigenen Truppenverbänden besetzt wurden. Faktisch bedeutete aber das Nachrücken der eigenen Streitkräfte, daß noch vorhandene Bestände an Nahrungsmitteln oder Saatgut aufgebraucht werden mußten. Insgesamt scheinen 1632 die Dörfer nördlich und nordwestlich von München besonders schwer bzw. oft vollständig verwüstet worden zu sein. Östlich von München bot sich ein etwas anderes Bild. Hier gerieten die Dörfer als Folge der Ereignisse in Armut und wurden verlassen. Südlich von München war die Lage weniger schlimm.
Erst 1634, nach der Schlacht von Nördlingen und der Niederlage der Schweden, trat eine spürbare Verbesserung ein. Langsam begann man mit dem Wiederaufbau der verwüsteten Dörfer. Dieser wurde aber durch die geringe Anzahl an Überlebenden erschwert. Anfangs konnten daher nicht alle Höfe wieder in Betrieb genommen werden, die Grundherren mußten sich damit begnügen, vorläufig nur die Höfe mit dem fruchtbarsten Boden an die wenigen übrigen Bauern auszugeben. Als 1646 schwedische und französische Truppen erneut an die Isar vorstießen, kam es zu noch schwereren Verwüstungen. Allerdings scheint diesmal der Verlust an Menschenleben weniger schlimm als der Materialverlust gewesen zu sein.
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Autor: Walter Graßmann
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Artikel: 1. Version vom 6.12.2000
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siehe auch:
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Literatur:
- Anonym, Gewiser Bericht und Urkundt deß entstandnen Ubls und Unruehe in Minchen im Jar 1632", in: Westenrieder, Lorenz von (Hrsg.): Beyträge zur vaterländischen Historie, Geographie, Staatistik [sic!] etc., Bd. 7, München 1807.
- Brückl, Josef: 1200 Jahre Trudering. Festausgabe zur zwölfhundertjährigen Wiederkehr der ersten urkundlichen Erwähnung, München 1972.
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Döppl, Hans: 1200 Jahre Raisting. Festschrift zur zwölfhundertjährigen Wiederkehr der ersten urkundlichen Erwähnung, Polling 1976.
- Heimers, Manfred Peter: Krieg, Hunger, Pest und Glaubenszwist. München im Dreißigjährigen Krieg. Eine Veröffentlichung des Stadtarchivs München, München 1998.
- Holzfurtner, Ludwig: Katastrophe und Neuanfang. Kriegsschäden im Dreißigjährigen Krieg im Spiegel oberbayerischer Klöster, in: Zeitschrift für bayerische Landesgeschichte 58 (1995), S. 553-576.
- Mooseder, Georg / Hackelberg, Adolf (Hgg.), 1200 Jahre Perlach. 790-1990: Entstehungs- und Entwicklungsgeschichte eines Münchner Stadtteils mit den Ortsteilen Perlach, Fasangarten, Michaeliburg, Waldperlach und Neuperlach, Bd. 1, München 1990.
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