Gustav Adolf in München

Aus den zur Verfügung stehenden Quellen lässt sich ersehen, dass König Gustav Adolf von Schweden sich gut und gerecht gegenüber der Münchner Bevölkerung und auch gegenüber dem Jesuitenorden verhielt. Schon vor der Einnahme Münchens versprach Gustav Adolf, die Stadt gegen Zahlung einer Kontribution von Plünderung und Brand zu verschonen, Personen und Eigentum zu schützen und auch Religion und Verfassung zu bewahren. Dieses Versprechen sollte er auch einhalten.

Gustav Adolf gewährte nicht nur die freie Religionsausübung, sondern zeigte sogar Interesse, den katholischen Glauben kennenzulernen. Er besichtigte die wichtigsten Kirchen der Stadt und wohnte Gottesdiensten bei; dies trotz des Eifers der wenigen in München verbliebenen Jesuitenpriester, seine protestantischen Soldaten zum katholischen Glauben zu bekehren. Von 69 Mitgliedern des Jesuitenkollegs waren 22 Priester in der Stadt geblieben, obwohl sie Verfolgung befürchten mussten. Am 19. Mai suchte Gustav Adolf diese sogar persönlich in St. Michael auf. Dort ließ er sich vom Rektor Walter Mundbrod herumführen, während gerade ein Gottesdienst für einen günstigen Ausgang des Krieges zelebriert wurde. Gustav Adolf fragte nach allen heiligen Handlungen der Zeremonie, die ihm der Rektor ausführlich erläuterte. Schließlich erkundigte der König sich, ob man auch für Tote das Messopfer bringe und ob schon das Messopfer für Tilly dargebracht worden sei. Darauf erwiderte der Pater, er habe dazu noch nicht die Zeit gefunden und außerdem erschienen ihm Tillys Verdienste so groß, dass er seiner Fürbitte wohl nicht bedürfe. Dies quittierte Gustav Adolf nur mit "Tyrannus fuit". Sie führten ihren Rundgang noch fort, aber ins Kolleg wollte der König nicht mehr mitgehen. Beim Hinausgehen äußerte er, es sei nur schade, dass in einem so prächtigen Tempel das wahre Wort Gottes nicht verkündet werde. Wäre er ein katholischer Fürst, erklärte er, dann würde er sich an die Jesuiten halten.

Am folgenden Tag, dem Himmelfahrtstag, ließ Gustav Adolf in seinen Räumen in der Residenz Gottesdienst halten. Danach begab er sich in die Frauenkirche, die er sich von Dechant Jakob Golla zwei Stunden lang ausgiebig zeigen ließ:

An dem heiligen Auffarthtag den 20 May nach Mittag ist der Khinig sambt beeden PfalzGrafen, beeden herzog WeinMarkt und Holstain, neben der hohansehlihen Comitat zwischen 1 und 2 Uhr in Unser lieben frauen Pfarkhiehen zur Auffahrt Christi gerithen, und derselben zwischen dem Better sancti Benonis Altar beygewohnet, dorten mit dm Heren Bolla Dehanten ein wönig conuersiert: und gerdt, nah volender himelfarth bescichtigt er auch die Kurfürstliche begrebnus auf dem Chor, wöliche ihm wolgeselig, da er umb 3 Uhr wieder auß der khrichen gangen, ehe er zu Pfert gesössen, etlich Ducaten under dass gemain Volkh ausgeworffen, und also wieder in die residenz eingezogen.
(zitiert aus: Anonym, "Gewiser Bericht und Urkhundt deß entstandnen Ubls und Unruehe in Minchen im Jar 1632", in Westenrieder, Lorenz (Hrsg.): Beyträge zur vaterländischen Historie, Geographie, Staatistik, etc., Bd. 7, München 1852, S. 83-91.)

Der schwedische Aufenthalt in München sollte jedoch nicht ohne Nachteil für die Münchner zu Ende gehen: Am 19. Mai wurden die Bürgerschaft auf dem Münchner Anger und die Geistlichkeit im Jesuitenkollegium zusammengerufen und man eröffnete ihr, dass der Schwedenkönig für die Schonung der Stadt eine Kontribution von 300.000 Reichstalern fordere. Magistrat und die Bürgerschaft bemühten sich, diese horrende Summe zusammenzubekommen, was ihnen jedoch nicht gelingen sollte. Vermutlich verließ Gustav Adolf am 27. Mai die Stadt, während die Sammlung der Kontributionsgelder noch voll im Gange war.

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Autorin: Anna Kugler
 
Artikel: 1. Version vom 6.12.2000
 
siehe auch:
 
    Quelle:
  • Anonym, "Gewiser Bericht und Urkhundt deß entstandnen Ubls und Unruehe in Minchen im Jar 1632", in Westenrieder, Lorenz (Hrsg.): Beyträge zur vaterländischen Historie, Geographie, Staatistik, etc., Bd. 7, München 1852, S. 83-91.)

Zitieren Sie diesen Artikel bitte als: Anna Kugler, Gustav Adolf in München, in: Gudrun Gersmann / Torsten Reimer (Hg.): München im Dreißigjährigen Krieg. Ein universitäres Lehrprojekt, 1. Version vom 6.12.2000, URL: http://www.krieg.historicum.net/themen/m30jk/30jkeinfuehrung.htm