|
Maria genießt in der katholischen und in der orthodoxen Kirche höchste Verehrung. Für die katholische Kirche bestimmen vier Dogmen ihre Stellung in der Theologie:
- Maria ist als Gottesgebärerin die Mutter Gottes
- Maria ist trotz der Geburt immer Jungfrau geblieben
- Maria ist unbefleckt empfangen (d.h., sie ist vom ersten Augenblick ihres Daseins an heilig und ohne Erbsünde)
- Maria ist als ganzer Mensch mit Leib und Seele in den Himmel aufgenommen worden (dieses Dogma wurde erst am 1.11.1950 von Papst Pius XII. verkündet)
Vor allem die Erklärung des Ökumenischen Konzils von Ephesus im Jahre 431, daß Maria die Gottesgebärerin, also die leibliche Mutter Gottes sei, und die Ansicht über ihre immerwährende Jungfräulichkeit führten zu einer gesteigerten Marienverehrung. Zu Ehren Mariens wurden Kirchen geweiht und Feste (besonders Verkündigung, Geburt, Reinigung, Tod und Aufnahme in den Himmel) gefeiert. Während die theologische Klärung der hervorragenden Stellung Marias im Heilsgeschehen und die dazu entsprechende Marienverehrung vor allem in Ordenskreisen (Zisterzienser) des hohen Mittelalters lebendig waren, verbreitete sich eine verstärkte Verehrung Mariens im Volk erst im 14. und 15. Jahrhundert. Volkstümliche Formen marianischer Frömmigkeit kamen in Gebeten (Ave Maria, Rosenkranz) und Wallfahrten zum Ausdruck. Die Anfänge des Rosenkranzbetens (15 Betrachtungsverse aus dem Leben Jesu oder Mariens und 150 Ave Marias) finden sich bei den Trierer Kartäusern Adolf von Essen (gest. 1427) und Dominikus von Preußen (gest. 1427). Zur Erinnerung an den Sieg der Heiligen Liga in der Seeschlacht von Lepanto am 7.10.1571 über die Türken, führte Papst Pius V. das Fest "Unserer Lieben Frau vom Sieg" (am 7.10.) ein und nahm die Anrufung "Maria, Hilfe der Christen" in die Lauretanische Litanei auf. Seit Gregor XIII. (1572-1585) feiert die katholische Kirche dieses Fest als Rosenkranzfest. Zu den wichtigsten Marienwallfahrtsorten zählen La Salette, Lourdes und Fatima, in Bayern ist es Altötting.
Die Reformation verwarf die kultische Verehrung Marias. Sie war mit den reformatorischen Grundprinzipien - solus Christus, sola fides (gratia) und sola scriptura - nicht zu vereinbaren. Vor allem Martin Luther stellte die Marienverehrung wieder auf ein biblisches Fundament. Zwar sah Luther in Maria ein Vorbild in Glaube und Demut, doch lehnte er es strikt ab, sie als Fürbitterin oder als Mittlerin anzurufen. So mußte im Protestantismus die Mutter Gottes hinter ihren göttlichen Sohn Jesus - dem allein Erlösung und Gnade zu verdanken sind - zurücktreten.
Zurück zum Seitenanfang
|
|
|
|
Zurück zum Dreißigjährigen Krieg in München
|
| |
|
Autor: Walter Graßmann
|
| |
|
Artikel: 1. Version vom 6.12.2000
|
| |
|
siehe auch:
|
| |
Literatur:
- Andersen, Carl / Denzler, Georg: DTV-Wörterburch der Kirchengeschichte, München 1982.
- Köster, Heinrich M. "Marienverehrung", in: Josef Höfer / Karl Rahner (Hrsg.): Lexikon für Theologie und Kirche. Band 7: Marcellinus bis Paleotti, zweite,völlig neu bearbeitete Auflage, Freiburg im Breisgau 1962. Sp. 78-80.
- Weerda, J., "Mariologie", in: Kurt Galling (Hrsg.): Die Religion in Geschichte und Gegenwart. Handwörterbuch für Theologie und Religionswissenschaft, vierter Band Kop - O, dritte, völlig neu bearbeitete Auflage, Tübingen 1960. Sp. 767-770.
- Jannasch, W.: "Marienverehrung", in: Kurt Galling (Hg.), Die Religion in Geschichte und Gegenwart. Handwörterbuch für Theologie und Religionswissenschaft, vierter Band Kop - O, dritte, völlig neu bearbeitete Auflage, Tübingen 1960. Sp. 764-766.
|
|