Maximilian I. von Bayern (1573-1651)

1. Erziehung, Familie und Religion

Seit dem achten Lebensjahr unterwiesen Maximilian einerseits sein Vater und andererseits Erzieher wie Wenzeslaus Peträus aus Budweis in religiösen und geisigen Dingen. Vor allem Peträus wirkte religiös prägend auf Maximilian, der seit seinem siebten Lebensjahr zusammen mit vornehmen Kindern aus Bayern, Tirol, Friaul, Schwaben, Mainz, Lothringen und Polen erzogen wurde. Mit zwölf Jahren las er bereits Cicero, lernte vor allem Französisch und Italienisch, dann aber auch Böhmisch. Praktische Rechtswissenschaft und der Festungsbau standen neben der Lektüre der Gespräche Erasmus von Rotterdams neben Vorlesungen und Umgang mit dem spanischen Theologen Gregor von Valencia und dessen Schüler, dem bedeutenden Gräzisten Jakob Gretser.

Seine erste Gemahlin war Elisabeth Renate von Lothringen, die Tochter Karls II., des Herzogs von Lothringen. Daß die Ehe kinderlos blieb, bedeutete sicher eine schwere Belastung für beide. Trotzdem, als sie am 4. Januar 1635 nach langer Krankheit in Ranshofen starb, war, so ein Biograph, die Trauer Maximilians unbeschreiblich. Fast 40 Jahre waren sie verheiratet, die Ehe scheint in jeder Hinsicht vorbildlich gewesen zu sein.

Die Kinderlosigkeit war auch der Grund für die rasche Eheschließung Maximilians mit seiner Nichte Maria Anna, der Tochter seines Cousins Ferdinand II., des Römischen Kaisers, und seiner Schwester Maria Anna. Am 15. Juli 1635 fand in Wien die Hochzeit statt. Daß Maximilian trotz der denkbar engsten Verwandtschaft diese Wahl traf, hatte sicher auch politische Gründe; noch war Maximilian dabei, die Konsequenzen abzuwehren, die sich aus dem Prager Frieden für seine Stellung als Befehlshaber einer selbständigen Armee ergeben hätten. Der Hauptgrund war aber die Notwendigkeit, für den Fortbestand der Dynastie zu sorgen. In den Fürstenhäusern, die in Frage kamen, war keine dem Alter nach passende Partnerin zu finden. Die Habsburgerin war von kräftiger Gesundheit, damals gerade 25 Jahre alt. Am 1. Oktober 1636 gebar Maria Anna den Kurprinzen Ferdinand Maria. 1638 errichtete der Kurfürst aus religiöser Dankbarkeit heraus am Schrannenplatz in München zu Ehren der Gottesmutter, die 1854 auch dem Platz den Namen gab, die Mariensäule. Die Marienfrömmigkeit, die in seinem Haus wie bei den Habsburgern so ausgeprägt war, erhielt durch die Weihe der Mariensäule und durch die Segengestalt der "Patrona Boiariae" an der Westfassade der Residenz, weithin sichtbaren Ausdruck.

Alles, was er in seinem langen Leben an menschlichen und politischen Erfahrungen gesammelt hatte, legte er 1639 als alter Mann in den väterlichen Ermahnungen an seinen Sohn und Nachfolger nieder. Die "Monita paterna" Maximilians beginnen mit den Pflichten gegen Gott und gegen sich selbst, und zwar nicht in einem Schriftstück, das für die Öffentlichkeit bestimmt war, sondern nur dem Sohn galt, dem es den rechten Weg zeigen sollte. Die deutsche Fassung der Monita paterna stammt angeblich von Maximilian selbst. Darin empfiehlt er ihm vor allem Selbstkontrolle. Er warnt ihn vor übermäßiger Autorität, vor Hochmut und forderte "freundliche Autorität". "Vergnügtheit und guter Wille" der Untertanen sind ihm wichtiger als Kriegsmacht und Geld, so wenig er deren Bedeutung unterschätzt. Für Maximilian setzte Gott den Fürsten als Vater und Hüter seiner Untertanen ein. Das gemeine Volk müsse den Fürsten sowohl über sich als für sich vorhanden fühlen. Nicht das Volk, sondern Gott aber sei es, "aus dessen Hand alle Gewalt herkommt".

Die religiöse Bekundungen seiner Untertanen, Osterbeichte, Meßbesuche, Fasten erzwang er teilweise unter Strafandrohung. Die Beamten in seiner Umgebung mußten sogar an der Sakramentsprozession jeden Donnerstag teilnehmen. Außerordentlich streng waren die Strafen für Ehebruch und Fluchen. Ansporn für die Untertanen zu eigenen Andachtsübungen waren sicherlich die Wallfahrten, bei denen der Fürst mit gutem Beispiel voranging. Er gab zahllose Zuwendungen an die Orden, vor allem an Jesuiten und Kapuziner, und gründete eine ganze Reihe von Ordenshäusern im Land. Auf dem Bild rechts ist eine Überweisung von 200 Gulden, zum Kauf katholischer Bücher an die Jesuiten zu sehen.

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2. Maximilian und das Reich

Das außenpolitische Wirken Maximilians ist mit dem Verlauf des 30jährigen Krieges untrennbar verbunden, zählte er doch zu seinen wichtigsten Protagonisten. Diese wichtige Rolle erhielt Maximilian spätestens nach dem 14. Mai 1608. An diesem Tag wurde die "Union zur Verteidigung des evangelischen Glaubens" gegründet - eine Reaktion auf die Reichsexekution der Reichsstadt Donauwörth. Zwar hatte Maximilian schon vorher die Gründung eines katholischen Zusammenschlusses propagiert, um sich gegen die protestantische Bedrohung zu rüsten, erst jetzt aber fand er damit Gehör. Die Gründung der Union brachte praktisch "das letzte Argument zum Zusammenschluss" (Kraus, 78). Dies spiegelt sich auch in den Zielen der 1609 gegründeten katholischen Liga wider: der Verteidigung und Erhaltung der katholischen Religion sowie des Religionsfriedens. Die Reaktion auf die Union, die auf zehn Jahre angelegt war, wird auch in der Dauer des Liga-Bündnisses deutlich: neun Jahre sollte die Liga bestehen. Damit wurde die bis dato rein konfessionelle Spaltung des Reichs mit zwei eindeutig gegeneinander gerichteten Bündnissen weiter vertieft und manifestiert (vgl. Altmann, 1ff).

Nachdem der berühmte sogenannte Prager Fenstersturz am 23. Mai 1618 den Beginn des Krieges markiert hatte, wurde Maximilian erstmals 1619 eine führende Rolle zuteil. Er lehnte die angebotene Kaiserkrone ab und machte dadurch die Wahl von Ferdinand II. möglich. Diesen unterstützte er massiv bei der Niederschlagung der böhmischen Rebellen ("Münchner Vertrag" vom 8. Oktober 1619). Nicht zuletzt diese Unterstützung ermöglichte den berühmten Sieg am Weißen Berg bei Prag, den der von Maximilian eingesetzte Heersführer Tilly sowie das kaiserliche Heer unter Buquoy errangen. In unmittelbarer Folge wurde die Pfalz zum nächsten Kriegsschauplatz, an der nicht zuletzt Maximilian starkes Interesse hatte. Letztlich gelang Tillys Heer der militärische Sieg, und Maximilian wurde 1923 auf dem Kurfürstentag feierlich die Kurwürde verliehen. 1928 erhielt er zudem die Oberpfalz. Damit war nicht nur die erste Kriegsphase beendet, Maximilian hatte auch den Höhepunkt seiner politischen Karriere erreicht. "Die Kurwürde bedeutete ihm nicht nur Zuwachs an staatlichen Rechten, wenngleich auch diese von Gewicht waren. Sie war ihm in erster Linie Selbstzweck, Verkörperung der Reputation im Sinne des 17. Jahrhunderts, Selbstbestätigung, machtvolle Teilhabe am Reich, das ihm gleich der Kirche ein Heiligtum von überzeitlicher Größe war" (Kraus, 325). Allerdings: "Man kann zeigen, daß Maximilian in Entscheidungssituationen wiederholt, besonders 1628/30, als es um die Restitution der Kirchengüter ging, den Gewinn der letzten Jahre, Kurwürde und Oberpfalz, ja die Existenz seines Standes, aufs Spiel setzte, um die Selbstbehauptung der katholischen Kirche in Deutschland zu sichern" (ebda.). Es bleibt also festzuhalten, dass es Maximilian bei aller Skrupellosigkeit, bei allen persönlichen Interessen sehr wohl auch - oder sogar in erster Linie - um die katholischen Interessen ging.

Ein weiteres Beispiel für die herausragende Stellung Maximilians ist bereits kurz angesprochen worden: die Durchsetzung des Restitutionsedikts. Obwohl es noch keinen Friedensschluß gab, beschloß Kaiser Ferdinand II. am 6. März 1629, dass alle Bistümer und Stifte, die die Protestanten seit 1552 eingezogen hatten, zurückgegeben werden mußten. Und auch innerhalb der katholischen Reihen behauptete Maximilian seine Stellung: unter seiner Führung begehrten die Fürsten gegen den Kaiser auf und erzwangen die -vorübergehende - Entlassung Wallensteins.

Derlei Durchsetzungskraft bewies Maximilian auch noch am Ende des Krieges: während innerhalb des Reiches weitestgehend die Besitzstände von 1618 wiederhergestellt wurden, gelang es Maximilian, die Kurwürde des geächteten pfälzischen Kurfürsten bei Bayern zu halten.

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3. Maximilian und München

Das starke reichspolitische Engagement des bayerischen Herzogs brachte auch Bayern und München ins Zentrum des Interesses. Während Bayern immer wieder schwer unter den Kriegsgeschehnissen litt, wurde München selbst weitgehend verschont. Daran hat nicht zuletzt auch Maximilian selbst Verdienst, da er schon früh auf umfassende Verteidigungsanlagen drängte. Zunächst lehnte der Magistrat dieses Anliegen zwar mehrfach ab, im August 1615 wurde den Schutzmaßnahmen aber letztlich zugestimmt (vgl. Heimers, 11f.). Als der Krieg schließlich ausbrach, wurden die Anstrengungen für den Schutzwall weiter verstärkt.

Mit der überregionalen Bedeutung Maximilians, vor allem mit dem Erlangen der Kurwürde, wuchs auch das Ansehen Münchens. Zugleich wuchsen aber auch die Belastungen. Da die protestantischen Stände in den neugewonnenen Landesteilen auch nach Verleihung der Kurwürde noch heftigen Widerstand leisteten, mußten die Münchner große finanzielle Anstrengungen vollbringen, um die ehrgeizigen Pläne ihres Herzogs zu unterstützen. Der Lohn für ihre Anstrengungen war, dass München ein Ziel der schwedischen Truppen wurde. Die schwedische Besetzung Münchens war sicherlich eines der einschneidendsten Erlebnisse für die Münchner Bevölkerung während des Krieges, zumal in jener Zeit auch noch die Pest wütete. Nicht zuletzt deshalb verlegte der Kurfürst seinen Hof für einige Zeit nach Braunau am Inn (heute Österreich).

Versucht man die Rolle Maximilians im Dreißigjährigen Krieg und ihre Auswirkungen auf München zu untersuchen, kommt man zu einem zweischneidigen Ergebnis. Zum einen hatte Bayern - und damit auch München - wie oben bereits dargestellt, von den Regelungen des Westfälischen Friedens sehr wohl profitiert. Allerdings weist Heimers auf den stark gewachsenen Einfluß Maximilians auf die Stadt hin: "Der Dreißigjährige Krieg hatte den staatlichen Absolutismus ein gutes Stück vorangebracht." Als Begründung fügt er vor allem die finanzielle Abhängigkeit an. Die außerdem aufgeführten sozialen Folgen sind nur bedingt als direkte Folge der Politik Maximilians zu sehen. Die verheerende Wirkung der Auseinandersetzungen über drei Jahrzehnte, der Hungersnöte und Krankheiten, waren überall im Reich enorm. Hier bildet München keine Ausnahme, sondern lediglich ein durchschnittliches Bild der traurigen Zustände, in denen sich das gesamte Reich am Kriegsende befand.

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Autoren: Amina Galijas & Mike Schier
 
Artikel: 1. Version vom 6.12.2000
 
    Gliederung des Artikels
  1. Erziehung, Familie und Religion
  2. Maximilian und das Reich
  3. Maximilian und München
 
 
Literatur:
  • Albrecht, Dieter: Maximilian I. von Bayern 1573-1651, München 1998.
  • Albrecht, Dieter: Die auswärtige Politik Maximilians von Bayern 1618-1635, Göttingen 1962.
  • Altmann, Hugo: Die Reichspolitik Maximilians I. von Bayern 1613-1618, München, Wien 1978.
  • Glaser, Hubert (Hg.): Um Glauben und Reich: Kurfuerst Maximilian I. Beitraege zur Bayerischen Geschichte und Kunst 1573-1657, Muenchen 1980.
  • Kraus, Andreas: Maximilian I. Bayerns großer Kurfürst, Graz, Wien, Köln 1990. Roll, Hans: Die Wittelsbacher in Lebensbildern, Graz, Wien, Köln 1986.
 
Bildnisbüste Maximilians I.

Bildnisbüste Kurfürst Maximilians I., Lindennholz, gefaßt, mit Glasaugen, um 1640/50, Münchner Stadtmuseum

Bild aus: Heimers, M. P.: Krieg, Hunger, Pest und Glaubenszwist. München im Dreißigjährigen Krieg, München: Buchendorf Verlag 1998, S. 61.


Zitieren Sie diesen Artikel bitte als: Amina Galijas & Mike Schier: Maximilian I. von Bayern (1573-1651), in: Gudrun Gersmann / Torsten Reimer (Hg.): München im Dreißigjährigen Krieg. Ein universitäres Lehrprojekt, 1. Version vom 6.12.2000, URL: http://www.krieg.historicum.net/themen/m30jk/maximilian.htm