Die Schweden in München - 1632

1. Anmarsch der Schweden

Bis zum Frühjahr 1632 war Bayern weitgehend vom Dreißigjährigen Krieg verschont geblieben. Unter der Führung von König Gustav Adolf gelang den schwedischen Truppen ein rascher Vormarsch im bayerischen Gebiet. Nach der vergeblichen Belagerung Ingolstadts marschierte der Schwedenkönig mit seinem Heer in Richtung München, der Residenzstadt seines Erzfeindes, des Kurfürsten Maximilian. Noch bevor sich die Schweden in der näheren Umgebung Münchens befanden, eilte ihnen eine Welle von Angst und Schrecken voraus. Dies erklärt auch die Abreise der kurfürstlichen Familie am 8. April 1632 und das Wegschaffen der Schätze nach Salzburg. Das schwedische Heer zog nicht auf direktem Weg nach München, sondern machte einen Umweg über Freising und Landshut. In dieser ungewissen Zeit zeigten sich immer wieder vereinzelt schwedische Soldaten vor München, und man befürchtete, dass der Hauptstadt nun das gleiche Schicksal wie die Stadt Magdeburg drohe, die 1631 von Tilly und Pappenheim verwüstet worden war. Der bayerische Kurfürst Maximilian bat den französischen Gesandten Jean de Saint-Etienne in einem Schreiben, die Fürsprache für München zu übernehmen. Dieser begab sich sogleich nach Freising, wo er einen verbitterten Gustav Adolf antraf, der schon acht Tage in Moosburg auf eine Münchner Gesandtschaft gewartet hatte. St. Etienne reagierte rasch und sandte einen Brief an seinen Geschäftsträger v. Beringhan, um ihm mitzuteilen, dass eine Delegation von Münchner Abgeordneten so schnell wie möglich nach Freising kommen solle. Am darauffolgenden Tag, den 15. Mai, erschienen zwei Bürgermeister, Friedrich Ligsalz und Ferdinand Barth, gemeinsam mit dem Stadtrat Paulus Parsdorfer und dem kurfürstlichen Kriegsrat Johann Küttner als Vertreter der Stadt München. Nachdem sie dreimal abgewiesen worden waren, empfing der schwedische König sie schließlich und garantierte ihnen, dass München von Brand und Plünderung verschont, die Erhaltung von Religion und politischer Ordnung gewährleistet bleiben werde. Außerdem werde er Personen und Eigentum schützen. Als Gegenleistung forderte er eine finanzielle Abgabe, deren Betrag zu einem späteren Zeitpunkt festgelegt wurde.

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2. Aufenthalt der Schweden in München

Am 16. Mai kam eine kleine schwedische Schutzgarde (sauve garde) nach München, die Hauptstreitmacht musste aber vor den Toren bleiben. Nachdem die Stadtschlüssel am 17. Mai feierlich übergeben worden waren, zog Gustav Adolf gegen Mittag mit seiner Gefolgschaft (Pfalzgraf Friedrich V., dem Winterkönig, Pfalzgraf August von Sulzbach, den Herzögen Bernhard und Wilhelm von Weimar und General Horn) ein. Die einheimischen Wachen an den Toren und in der Nacht wurden schon bald durch schwedische ersetzt. Zusätzlich erhielt jedes Kloster eine vier Mann starke Sicherheitswache. Für das Zeughaus, das städtische Waffenlager, wurden 15 Mann abgestellt. Zahlreiche Soldaten bekamen ihr Quartier in den Häusern von Bürgern, der Großteil des Heeres lagerte aber zunächst vor dem Schwabinger Anger, später dann auf dem Neuhauser. Im Zeitraum der schwedischen Besatzung gab es nur sehr wenig Unruhen, so kamen nur sieben Beschwerden vor den Münchner Rat. Es ist bekannt, dass von den wenigen Übergriffen der schwedischen Besatzer vor allem landesherrliche Einrichtungen betroffen waren. Gustav Adolf ließ z.B. elf Gemälde und die Münzsammlung des Kurfürsten nach Schweden bringen. Die Reichsfürsten, die zur Gefolgschaft des Schweden-Königs gehörten, veranlassten zusätzlich, dass die Gemäldegalerie, die Hofbibliothek und die Kunstkammer geplündert wurden. Bei der Besichtigung des Zeughauses am 18. Mai entdeckte Gustav Adolf, dass mehrere Kanonen fehlten. Dank der Mithilfe eines Bauerns gelang es schließlich, 140 Kanonen aus ihrem unterirdischen Versteck zu bergen. Unter diesen Kanonen befanden sich auch die sogenannten "12 Apostel", auffallend große Kanonen, die angeblich Tilly von den Schweden erobert hatte. Des weiteren raubten die Schweden die Waffenvorräte aus dem Zeughaus, z.B. Musketen, Pulver und Blei. Bei den wenigen Plünderungen, die nicht landesherrliche Gebäude betrafen, handelte es sich vor allem um die Häuser reicher Einwohner, die vor dem Eintreffen der Schweden geflohen waren. Das öffentliche Leben war von der Gegenwart der Schweden nicht negativ beeinflusst, man konnte z.B. weiter katholische Gottesdienste abhalten. Sogar Gustav Adolf nahm bei Gelegenheit an diesen Messen teil.

Die vom Schwedekönig gemachten Garantien -Verschonung von Brand und Plünderung, Erhaltung der politischen Verfassung und der Religion sowie der Schutz von Personen und Eigentum - wurden also weitestgehend eingehalten, auch während der kurzen Abwesenheit Gustav Adolfs vom 27. Mai bis zum 5. Juni, als der Stadtkommandant Oberst Hepburn die Aufsicht hatte.

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3. Verhalten der schwedischen Soldaten

Beim Verhalten der schwedischen Soldaten muss klar zwischen Stadt und Land unterschieden werden. Normalerweise hinterließen die verschiedenen Armeen im Dreißigjährigen Krieg ein Feld der Verwüstung. Für Bayern ist es charakteristisch, dass die Schweden bevorzugt die Dörfer verwüsteten und den großen Städten finanzielle Kontributionen auferlegten.

Für das Münchner Umland ist dies nicht anders gewesen. So gibt es zahlreiche Quellen, die das Abbrennen und Morden in den einzelnen Dörfern bezeugen (vgl. den Artikel von Holzfurtner). Diese Raubzüge der Schweden dienten hauptsächlich dazu, privaten Profit aus dem Krieg zu ziehen, indem man die Güter, zu denen Rinder und Schweine genauso gehörten wie Kupfergeschirr, Schüsseln, Röcke, Mäntel, Pelze, Betten, Flachs und Garn, in München billigst verkaufte. Die Münchner "rissen" sich auch buchstäblich um diese günstigen Waren, obwohl der Erwerb von geraubtem Gut verboten war. Im Gegensatz dazu war das Verhalten der Soldaten in München friedlich, dort gab es kaum Ausschreitungen. Ein Grund dafür mag das harte Vorgehen von Gustav Adolf gewesen sein, der schon für kleine Vergehen bittere Strafen verhängte. Es sind nur einige Plünderungen von Soldaten überliefert, bei denen einzelnen Bürgern Hausrat abhanden kam. Insgesamt wurden drei Soldaten auf dem Marktplatz erhängt. Einer hatte einem Münchner die Kleider geraubt, ein anderer eignete sich das Geld eines Bürgers an, der dritte wurde erwischt, als er einen Jungen auszog. Ansonsten bezahlten die schwedischen Soldaten die Produkte, die sie zum täglichen Leben benötigten, und kurbelten so das Gewerbe an. Die Bierbrauer brachten regelmäßig "braunes Märzenbier" zum Lager der Schweden, wo die Feldmaß (= 1 Liter) dann für zehn Kreuzer verkauft wurde. Einmal gab es auch ein öffentliches "Schulfechten" zwischen einigen Einwohnern Münchens und schwedischen Soldaten. Als Preise teilten schwedische Generäle Goldstücke aus.

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4. Auflagen für die Einwohner Münchens

Die Einwohner bekamen eine Reihe von Auflagen, so mussten sie den einquartierten Soldaten Speis und Trank zur Verfügung stellen. Die Bäcker wurden angehalten, für die Schweden sogenanntes Kommißbrot zu backen.

Der große Schock kam, als am 19. Mai von Gustav Adolf die Summe der Kontribution verkündet wurde: 300.000 Reichstaler. Für eine Stadt mit ungefähr 20.000 Einwohnern war es schier unmöglich, diesen enormen Betrag aufzubringen. Schon kurz nach dieser Hiobsbotschaft begannen die Münchner das Geld von Haustür zu Haustür einzusammeln. Einige Bürger gaben ohne größere Einwände ihr ganzes Hab und Gut her, andere gaben erst unter Druck ihre Wertsachen ab. Deshalb war es auch nicht verwunderlich, dass die Geldeintreiber von Schutzwachen begleitet wurden. Man bemühte sich auch noch vergeblich um finanzielle Unterstützung durch die Augsburger Bürger. Trotz all dieser Anstrengungen gelang es nicht, die geforderten 300.000 Reichstaler aufzutreiben. Insgesamt sammelten die Münchner einen Betrag von 104.340 fl. in Münzen und 40.568 fl. in Gold- und Silberschmuck ein. Nach dem Abzug der Besatzungskosten konnten den Besatzern schließlich nur noch 135.000 fl. überreicht werden, was 90.000 Reichstalern entsprach. Für die verbliebenen 210.000 Reichstaler nahm Gustav Adolf 22 weltliche und 22 geistliche Geiseln mit nach Augsburg. Dies diente ihm als Garantie für den noch ausstehenden Geldbetrag. Die Weltlichen wurden durch Wahl des Magistrats und der Bürgerschaft bestimmt, wie die Auswahl der geistlichen Geiseln erfolgte, ist nicht bekannt. Als die Schweden am 7. Juni aufbrachen, mussten sich die Geiseln um 7 Uhr bei den Jesuiten einfinden, allerdings waren zwei der weltlichen Auserwählten erkrankt, deshalb konnten am Ende nur 42 Geiseln mit dem schwedischen Heer nach Augsburg ziehen. Die Geiseln blieben bis April 1635 in schwedischer Gefangenschaft.

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Autor: Christopher Neumaier
 
Artikel: 1. Version vom 6.12.2000
 
    Gliederung des Artikels
  1. Anmarsch der Schweden
  2. Aufenthalt der Schweden in München
  3. Verhalten der schwedischen Soldaten in München
  4. Auflagen für die Einwohner Münchens
 
siehe auch:
 
Literatur:
  • Hefner, Otto Titan von: Original-Bilder aus der Vorzeit Münchens, Nr. 17: Die Schweden in München 1632, in: Oberbayerisches Archiv für vaterländische Geschichte 13 (1852), S. 81-86.
  • Heimers, Manfred Peter: Krieg, Hunger, Pest und Glaubenszwist. München im Dreißigjährigen Krieg, München 1998.
  • Holzfurtner, Ludwig: Katastrophe und Neuanfang. Kriegsschäden im dreißigjährigen Krieg im Spiegel der Stiftbücher oberbayerischer Klöster, in: Zeitschrift für bayerische Landesgeschichte 58 (1995), S. 553-576.
  • Riezler, Sigmund: Geschichte Baierns .Fünfter Band von 1597-1631, in: A.H.C. Heeren, u.a.: Geschichte der europäischen Staaten, Gotha 1903, S. 414-415.
  • Schaedel, Ludwig: Gustav Adolf von Schweden in München, in: Forschungen zur Geschichte Bayerns 16 (1908), S. 121-126.
  • Sutner, Georg von: München während des dreyßigjährigen Krieges. Eine Rede an dem höchsterfreulichen Geburtsfeste Sr. Churfürstl. Durchlaucht u.u. Carl Theodor in einer öffentlichen akademischen Versammlung auf dem Churfl. Bibliotheksaale abgelesen, München 1796, S. 18-24.
  • Wolf, Joseph Heinrich: Das Haus Wittelsbach. Bayern's Geschichte, Nürnberg 1847, S. 364-366.

Zitieren Sie diesen Artikel bitte als: Christopher Neumaier: Die Schweden in München - 1632, in: Gudrun Gersmann / Torsten Reimer (Hg.): München im Dreißigjährigen Krieg. Ein universitäres Lehrprojekt, 1. Version vom 6.12.2000, URL: http://www.krieg.historicum.net/themen/m30jk/schweden.htm