Die Münchner Schwedengeiseln

Für die Verschonung Münchens hatte Gustav Adolf 300.000 Reichstaler verlangt. Magistrat und Bürgerschaft versuchten, diese riesige Kontribution - sie entsprach in etwa 40 Prozent der damaligen jährlichen schwedischen Steuereinnahmen - aufzubringen. Obwohl Stadt, Kirchen und Bürger soviel als möglich an Geld und Wertgegenständen beisteuerten, kam die erforderliche Summe nicht zusammen. Den Schweden konnten nur 135.000 Gulden, also 90.000 Reichstaler, übergeben werden. Deshalb bestand die Gefahr, daß Gustav Adolf die vier Haupttore und die Residenz sprengen würde. Der schwedische König entschied sich aber dafür, 44 Geiseln - je 22 weltliche und geistliche - zu nehmen, und zwar so lange, bis der ausstehende Restbetrag von 210.000 Reichstalern bei ihm eingegangen sei. Am 7. Juni 1632 wurden die Geiseln nach Augsburg überführt. Da zwei der Geiseln erkrankt waren, handelte es sich nur um 42 Personen. Im August liefen noch einmal 73.000 Reichstaler bei den Schweden ein, doch diese forderten weitere Zahlungen. Damit wurden die Münchner Hoffnungen zerstört, zumindeste einen Teil der Geiseln freizubekommen. Neue Verhandlungsrunden blieben ergebnislos, und die Situation verschärfte sich, als im Juni 1633 eine der Geiseln, die zu Verhandlungen nach München gesandt worden war, flüchtete und nicht mehr nach Augsburg zurückkehrte. Zwischenzeitlich konnte man sich immerhin darauf einigen, die Münchner Geiseln durch die Lieferung großer Mengen von Salz auszulösen. Aber auch dieser Versuch scheiterte, da die Kriegslage keine ausreichenden Lieferungen erlaubten. Dennoch hatte die lange Gefangenschaft der Münchner Geiseln ein Ende: Nach der schwedischen Niederlage bei Nördlingen am 6. September 1934 begannen bayerische Truppen mit der Belagerung Augsburgs. Mit der Übergabe der Stadt wurden die Geiseln am 1. April 1635 freigelassen und konnten zwei Tage später nach München zurückkehren.

Schon am 21. Juni 1632 hatten die Geiseln das Gelübde abgelegt, bei ihrer glücklichen Rückkehr nach München eine Wallfahrt zu Ehren der Mutter Gottes mit Meßopfer nach Ramersdorf abzuhalten und der dortigen Kirche ein Votivbild zu stiften. Am 19. April 1635 wurde die Wallfahrt auch tatsächlich durchgeführt und das Votivbild aufgestellt. Das Votivbild war übrigens schon kurz nach dem Gelöbnis bei Matthias Karger in Auftrag gegeben worden. Ein prunkvoller Rahmen faßt das Bild ein. Es zeigt vor dem Hintergrund Münchens und des schwedischen Heerlagers 40 der Geiseln. Vier der abgebildeten Geiseln waren bereits in der Haft verstorben. Zwei der Geiseln wurden auf dem Bild nicht dargestellt. Dabei handelt es sich um den Geflohenen und um einen Franziskaner, der inzwischen zum Protestantismus übergetreten war. 1644 richtete man den Wallfahrtsweg von St. Peter in München nach Maria Ramersdorf als Stationsweg mit 16 Säulen ein. Die Säulen wurden später durch 16 Kapellen ersetzt, außerdem wurde am Weg eine Lindenallee angelegt. Die Kapellen bestanden bis zu ihrem Abriß in der Säkularisationszeit.

Eine Wallfahrt zu einem Mariengnadenbild in der Ramersdorfer Kirche hatte zwar schon seit dem 14. Jahrhundert bestanden, doch verdrängte die Marienfrömmigkeit des Dreißigjährigen Krieges eine bedeutende alte Christuswallfahrt. Die Kirche war nämlich vor allem durch eine Kreuzpartikel bekannt geworden, die ihr 1377 übergeben worden war. Diese Kreuzpartikel hatte Herzog Ludwig der Brandenburger der Kirche geschenkt. Ursprünglich stammte sie aus dem Besitz von Kaiser Ludwig dem Bayern, der sie 1328 als Geschenk des Papstes aus Italien mitgebracht hatte.

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Autor: Walter Graßmann
 
Artikel: 1. Version vom 6.12.2000
 
siehe auch:
 
Literatur:
  • Brems, Franz Josef: Marien-Wallfahrtsstätten in Oberbayern, München/ Zürich 1988.
  • Heimers, Manfred Peter: Krieg, Hunger, Pest und Glaubenszwist. München im Dreißigjährigen Krieg. Eine Veröffentlichung des Stadtarchivs München, München 1998.
  • Steiner, Peter: Altmünchner Gnadenstätten. Wallfahrt und Volksfrömmigkeit im kurfürstlichen München. Mit einem Geleitwort von Bischof Ernst Tewes, München/Zürich 1977.
  • Sigl, Franz: Geschichte der Münchner Geißeln in schwedischer Gefangenschaft vom 7. Juni 1632 bis 3. April 1635. Aus einer gleichzeitigen Handschrift herausgegeben, und mit erläuternden Anmerkungen und Zusätzen, größtentheils aus archivalischen Nachrichten, begleitet von Maximilian Joseph Stöger, München 1836.
 
Votivbild der Münchner Schwedengeiseln

Votivbild der Münchner Schwedengeiseln, Matthias Kager, 1635 (Foto: Mark Schütze), Münchner Stadtarchiv.

Abbildung aus: Heimers, M. P.: Krieg, Hunger, Pest und Glaubenszwist. München im Dreißigjährigen Krieg, München: Buchendorf Verlag 1998, S. 39.


Zitieren Sie diesen Artikel bitte als: Walter Graßmann: Die Münchner Schwedengeiseln, in: Gudrun Gersmann / Torsten Reimer (Hg.): München im Dreißigjährigen Krieg. Ein universitäres Lehrprojekt, 1. Version vom 6.12.2000, URL: http://www.krieg.historicum.net/themen/m30jk/schwedengeiseln.htm