EinführungSöldner waren die Hauptakteure des Dreißigjährigen Krieges. Am Ende des Krieges hielten die Kaiserlichen etwa 70.000 Mann unter Waffen, ihre Gegner - Schweden, Frankreich und Hessen-Kassel - etwa 140.000 (vgl. Parker, 280). Einzelpersonen mögen schillernder gewesen sein. Letztlich waren es aber Söldner, die im Krieg kämpften, töteten, starben, die in Scharen durch Europa zogen und dabei ebenso viel Elend erleiden mussten wie sie anderen brachten. Wer waren diese Söldner, die scheinbar gesinnungslos mal für die eine, mal für die andere Partei kämpften? Was trieb sie? Mit welchen Mitteln kämpften sie? Im folgenden soll versucht werden, einige dieser Fragen zu beantworten. Hierfür erscheint es zunächst notwendig, den Begriff des Söldnertums beziehungsweise des Söldners genauer zu definieren. Der Bedarf an Söldnern war gewaltig und das Anheuern - also die Heeresaufbringung - brachte den Werbern viel Geld. Nicht selten entstanden Tumulte auf den zentralen Sammelplätzen, wenn Tausende von kriegswilligen Männern zur Musterung antraten. Doch ist es falsch zu behaupten, die Söldner habe nichts als ihre rohe und abenteuerlustige Natur in den Krieg getrieben. Die Motivation zum Söldnerleben ist um einiges vielschichtiger, und besonders gegen Ende des Krieges trieb der blanke Hunger die Menschen in ihr Söldnerdasein - eine paradoxe Tatsache angesichts der geringen Überlebenschancen im Schlachtengetümmel. Auf den Dreißigjährigen Krieg bezogen ist das Wort Getümmel ein zutreffendes. Die Schlachten verliefen oftmals chaotisch. Die Infanterie machte den Großteil der Heere aus. Ihre größte Bedrohung waren die schweren Kanonen der Artillerie. In der Kavallerie ritten zumeist Adlige. Um den eindeutigen Sieger einer Feldschlacht zu ermitteln, bedurfte es oft umständlicher Verfahren. Eine zentrale Rolle spielte dabei die Fahne. Da die Kleidung der Söldner auch innerhalb eines Regiments kunterbunt gemischt war, stellte die Fahne den wichtigsten Anhaltspunkt dar, um Freund von Feind zu unterscheiden. Eine Unterscheidung, die im Dreißigjährigen Krieg für den durchschnittlichen Söldner ohnehin schwierig war. Denn die Religion/Gesinnung eines Söldners hatte oftmals nichts damit zu tun, wen er als Feind oder Freund betrachtete. Er konnte für alle Seiten kämpfen, solange nur der Sold stimmte. Blieb die Bezahlung jedoch aus, führte das nicht selten zur Meuterei der Söldnerheere. Disziplin herzustellen, war eine der schwierigsten Aufgaben eines Heerführers. Das Kriegsrecht konnte dabei nur begrenzt zu Rate gezogen werden. Denn problematisch war, dass ein Heereszug immer von einer riesigen zivilen Gefolgschaft - dem Tross - begleitet werden musste. Im Tross zogen Handwerker und Händler mit, um die Heeresversorgung zu sichern. Aber auch Frauen und Kinder der Söldner begleiteten die Heere auf ihren Märschen durch Europa. Söldnerwesen / Definition des Begriffs "Söldner"Das Söldnerwesen, das für die Schlachtfelder des 15. und 16. Jahrhunderts prägend war, hatte im Dreißigjährigen Krieg noch einmal seinen Höhepunkt. Ein Söldner war - einfach ausgedrückt - ein bezahlter Kriegsmann, also ein für Sold angeworbener, zeitlich befristet dienender und meist durch Vertrag gebundener Soldat. Doch schon an dieser einfachen Definition werden Begriffsprobleme deutlich: Schließlich bekam auch ein Wehrpflichtiger seinen Sold. Hier kann man einwenden, dass sich letzterer mit seinem Waffendienst nicht seinen Lebensunterhalt verdienen mußte. Doch erklärt diese Definition wiederum nicht den Unterschied zwischen einem Söldner und einem Berufssoldaten. Mit dem Sold allein ist der Begriff des Söldners wohl nicht zu erklären. Aber auch Kriterien wie Moral, Motivation und Loyalität sind keine endgültigen Abgrenzungspunkte. Vielmehr ist der Begriff nach Baumann "mit den Inhalten zu füllen, die er in der Gesellschaft seiner Zeit hatte". (Baumann, 4) "Die Söldner hielten sich selbst aufgrund ihrer erlernten (eingedrillten) Fertigkeiten - etwa im Umgang mit dem Langspieß oder der Doppelmuskete - für Ausübende des Kriegshandwerks." (Schmidt, 84). In der Zeit des Dreißigjährigen Krieges kann man den Söldner - trotz der genannten Kritik - also
durchaus als "bezahlten Kriegsmann" verstehen, jedoch darf man dabei die erhebliche soziale Spannweite,
die diesem Begriff innewohnt, nicht übersehen. Sie reicht vom meist adeligen, schwer gepanzerten Kürassier
- einem Mitglied der Kavallerie (ausgerüstet u.a. mit dem Brustharnisch = Kürass) -
bis hin zum einfachen Fußknecht. |
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Die HeeresaufbringungPrinzipiell lassen sich drei Arten der Heeresaufbringung unterscheiden: Wehrpflicht (oder Konskription), Lehnspflicht und Werbung (Söldner): 1. Das System der Konskription - vor allem in Schweden und Finnland angewandt - war die zwangsweise Aushebung von Wehrfähigen. Jede Gemeinde war verpflichtet, eine vorgeschriebene Anzahl an Soldaten zu stellen. Zuerst wurden die Angehörgien der unteren sozialen Stufen, dann mit zunehmender Kriegsdauer schließlich auch die Söhne reicher Bauern in Dienst genommen. Dabei kam es zu verheerenden bevölkerungspolitischen Auswirkungen, denn die Anzahl derer, die gesund aus dem Krieg wiederkamen, war äußerst niedrig. Um diesen Mißstand zu beheben, wurden z.B. in Spanien zur Heeresverstärkung regelmäßig Gefangene auf das Kriegsfeld geschickt. Auch Arbeitslose und örtliche "Radaubrüder" wurden von den Behörden festgenommen und "unter die Fahnen gesteckt." (Vgl. Bedürftig, 119) 2. In Deutschland versuchten mehrere Fürsten, ihre Bauern in "Landesdefensionen" zu organisieren. Der Erfolg war jedoch mäßig. Die alten "Landesaufgebote" waren undiszipliniert und deswegen militärisch oft wertlos. Söldnerheere waren effizienter, aber auch sehr viel teurer. Man versuchte deshalb, beide Formen miteinander zu kombinieren. Man bildete ausgewählte Untertanen militärisch aus und hoffte auf ihre ureigene Motivation, das Vaterland mitsamt Frau, Kindern, Haus und Hof verteidigen zu wollen. Der große Vorteil dieser Art der Heeresaufbringung war die Gewißheit, daß sich das eigene Heer - anders als die Söldnerheere - nie gegen ihre eigene Heimat und die eigenen Herrscher erheben würden. Aber "der permanente Krieg mußte sie überfordern: Die Bauern fragten sich nicht zu Unrecht, ob sie - fern der Heimat eingesetzt - wirklich noch ihre Interessen verteidigten und warum sie keinen Sold bekamen wie die regulären Soldaten" (Schmidt, 84). 3. Mit der Zeit verschob sich jedoch das Gewicht zugunsten der Söldner: Sie waren als waffengeübte Leute den Landesdefensionern sowohl im Kriegshandwerk als auch an "Langzeitmotivation" überlegen. Außerdem war die Aufstellung eines sogenannten "Reichsheeres" mit Bürgern des jeweiligen Gebietes, die für Vaterland und Heimat kämpften, aufgrund der komplizierten politischen und religiösen Verhältnisse schwierig geworden. Trotzdem konnte keine Land auf die Unterstützung der "billigen Millizionäre" aus den Landesaufgeboten verzichten (vgl. Schmidt, 85). Die Heeresaufbringung durch Werbung lag ganz in den Händen der kriegführenden Reichsfürsten und der Bünde.
Sofern sie nicht selber als Werbeherr auftraten, beauftragten Kaiser, Fürsten oder Städte einen Obersten,
Hauptmann bzw. einen mehr oder weniger bekannten Werbeherren, eine militärische Formation entsprechender
Größe aufzustellen. Dazu erhielt der Beauftragte ein Offizierspatent, den sogenannten "Bestallungsbrief",
der u.a. die Anzahl der Soldaten, den Sold und den Ort des Sammelplatzes ausführlich beschrieb, damit sich
zwischen Kriegs- und Werbeherren später keine Streitigkeiten ergaben und den "Artikelbrief", der die Rechtsverhältnisse regelte.
Um die Finanzen der am Krieg beteiligten Regierungen stand es jedoch so schlecht, daß sie aus ihren
laufenden Einkünften niemals ein Heer hätten ausheben und unterhalten können, "das gelang ihnen nur mit
Hilfe einer neu entstehenden Gruppe von Militärunternehmern, die den Werbeoffizieren im Namen der Regierung
das nötige Geld vorschossen" (Parker, 286).
Für den Söldner begann die "Werbeprozedur" mit dem Laufgeld (rund 1 Gulden, vgl. Baumann, 113) Damit sollte er die Zeit überleben, die er brauchte, um sich zum Musterplatz zu begeben, wo er von den Musterkommissaren - den Vertretern des Kriegsherren - gemustert und offiziell in Dienst genommen wurde. Gleichzeitig bekam er seinen Sold für einen Monat, den sogenannten "Mustermonat" (Vgl. Sörensson, 438), an Ort und Stelle ausbezahlt. Noch am Musterplatz wurden die Einheiten dann formiert, teilweise notdürftig ausgebildet und juristisch belehrt, indem man ihnen das Kriegsrecht vorlas, welches - nachdem der Eid auf die jeweilige Fahne abgelegt war - ab sofort uneingeschränkt gültig war. Der Werbebetrieb brachte Händler (Marketender) und Handwerker auf den Plan. Sie spezialisierten sich auf die Bedürfnisse des Militärs und verkauften den Söldnern was diese für ihr Kriegshandwerk benötigten. Neben Kleidung und dem Geld für die Verpflegung mußte der Söldner nämlich manchmal auch noch Ausrüstung und Waffen selbst zur Verfügung stellen. An eine umfassende Versorgung durch den Kriegsherren war nicht gedacht. So waren weder eine Form von Alterssicherung noch medizinische Versorgung garantiert. Es gab kaum Militärärzte und keine Lazarette, Pensionen oder Invalidenheime: "Wenn Sold gezahlt wurde, hatte der Kriegsherr keine weiteren Verpflichtungen, weder gegen Knechte noch gegen Reiter" (Sörensson, 441). Die Heeresleitung vergewisserte sich höchstens, ob Lebens- und Futtermittel in ausreichender Menge im Kriegsgebiet vorhanden waren. Aufgrund der Gewaltbereitschaft des Militärs waren die Musterplätze gefürchtet und lokale Behörden waren meistens erleichtert, wenn sich das Kriegsvolk wieder auf den Marsch machte. Im Allgemeinen hat die Werbung im Dreißigjährigen Krieg den Bedarf an Söldnern gedeckt (Vgl. von Frauenholz, 22). |
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Kleidung eines Söldners"Bunt wie ihre Herkunft war auch die Kleidung der Söldner" (Schmidt, 85). Einem Söldnern stand es, soviel man weiß, relativ frei, was er tragen wollte. Uniformen gab es kaum, sie wurden erst im Zeitalter der stehenden Heere zur Regel. Nach einem 1651 erschienen "Kriegsbüchlein" von Hans Konrad Lavater aus Zürich sollte der Soldat etwa folgende Kleidung tragen (Parker, 281): derbes Schuhwerk, dicke Socken, kräftige Beinkleider, zwei grobe Hemden, ein Wams aus Büffelleder, einen Umhang gegen Regen, dazu einen breitkrempigen Hut. Die Kleidung sollte weit geschnitten sein, weil das zusätzliche Wärme gebe, ohne Pelzbesatz und mit möglichst wenig Nähten, damit sich kein Ungeziefer festsetze. Da ein gewisser Kleiderluxus wohl zum Soldatenleben dazugehörte, "gab es Wämser in schreienden Farben, kunstvolle Spitzenkragen, Federhüte, bunte Bänder an Hose und Strümpfen, gewaltige Stulpenstiefel und Zierwaffen, mit denen der Soldat sich vom grauen Arbeitsmann abhob." (Bedürftig, 226f.). Wenn Kleidungsstücke aufgerieben waren, so ersetzte man sie durch andere, die man den Toten auf dem Schlachtfeld abnahm oder bei den mitreisenden Marketendern erwarb. So boten die Söldner über kurz oder lang "das Bild von Veteranen in abgetragenem, staubbedecktem Zeug oder aber von durcheinander gewürfelten Haufen in bunter Tracht, wie sie von den Militärmalern jener Zeit dargestellt wurden" (Parker, 282). Der Spielraum in der Kleidergestaltung verringerte sich allerdings gegen Ende des Krieges und mit dem Beginn einer umfassenderen Uniformierung. Als Erkennungszeichen verwendeten die Söldner in der Schlacht farbige Armbinden und Schärpen oder improvisierte Kennzeichnungen wie z.B. Zweige oder Federn. Freund und Feind konnten sich jedoch im unübersichtlichen Schlachtgetümmel vor allem an den unterschiedlichen Fahnen (Fähnlein) erkennen. |
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FahneDie Feldzeichen im Dreißigjährigen Krieg, waren im Normalfall etwa 1,8 m² groß und wurden - als einziges gemeinsames Symbol einer Kompanie oder eines Regiments - von den Truppen sehr verehrt. Der Eid wurde dann auch nicht auf den Kriegsherren, sondern auf die Fahne abgelegt. Im Schlachtgetümmel war die Fahne oft das einzige weithin sichtbare Symbol eines Heeres bzw. eines militärischen Verbandes und diente als einziges Erkennungszeichen, um Freund und Feind zu unterscheiden und der Führung einen Überblick über die Lage zu ermöglichen. "Die meisten zeitgenössischen Berichte scheinen sogar die Entscheidung über Sieg oder Niederlage von der Anzahl der eroberten oder verlorenen Feldstandarten abhängig gemacht zu haben, denn dies war bei zahlreichen kriegerischen Treffen der einzig greifbare Anhaltspunkt für einen militärischen Erfolg oder Fehlschlag" (Parker, 281). Fahnenträger, auch Fähnriche genannt, waren ausgebildete Soldaten, die gelernt hatten, das schwere Tuch kunstfertig zu schwingen. Man erwartete von ihnen, dass sie sich lieber töten lassen würden, als sich von der Fahne zu trennen: "Auf den Fahnen entfaltete sich eine reiche Symbolik, beliebt waren Schwerter, Ölzweige und Lorbeerkränze, der Pelikan mit aufgerissener Brust als Zeichen des Opfermuts oder Fortuna, "die Hauptgöttin des freien Söldners" (Bedürftig, 56f.)." Auch Sinnsprüche wie Zitate aus dem Lateinischen, wie z.B. das Legionärsmotto "Pro patria mori - dulce & decorum est" (Süß und ehrenvoll ist es, fürs Vaterland zu sterben) fanden sich auf den Fahnen des Dreißigjährigen Krieges. Truppenzusammensetzung und BesoldungDie Besetzung der Befehlshaber blieb grundsätzlich ein Recht des Kriegsherren. Der Oberst wurde prinzipiell vom höchsten Kriegsherren ernannt. Bei dem Anwachsen der Heere aber konnte der Kriegsherr nicht mehr alle Positionen besetzen. So erfolgte die Besetzung der unteren Stellen durch die oberen Befehlshaber. Das Offizierskorps wurde entsprechend dem Anwachsen der Heere erweitert. Die Bezeichnung General wurde allmählich zur Bezeichnung einer neuen Klasse der Befehlshaber (vgl. von Frauenholz, 28), die über dem Oberst anzusiedeln ist, der immer mehr zur Bezeichnung der Regimentskommandeure wurde. Ein Regimentskommandant mußte zu dieser Zeit nicht nur tiefgehende Kenntnisse auf den Gebieten der Mathematik, Geometrie, Taktik und des Ingenieurwesens vorweisen, sondern auch die Fähigkeit, mit starker Hand die eigenen Truppen zu disziplinieren, um Willkür in der Schlacht zu vermeiden und Übergriffe auf die einheimische Bevölkerung zu verhindern. Die taktische Einheit des Söldnerheeres zur Zeit des Dreißigjährigen Krieges war das Fähnlein, nach der Idealvorstellung etwa 300 Mann stark. Je zehn Fähnlein waren dann zu einem Regiment verbunden. Das Regiment war die größere, die Kompanie die kleinere administrative Einheit. An der Spitze der Kompanie stand ein Hauptmann, bei der Kavallerie "Rittmeister" genannt. Den Stab der Kompanie bildeten neben einer wechselnden Zahl von Unteroffizieren und Spielleuten, Feldschern und Pfarrern, und niederer Stabsbediensteten, wie Regimentsquartiermeister (sollte die Quartiere anordnen), Profoß (hatte den Auftrag, über die Ordnung zu wachen), Sekretär (verantwortlich für den Schriftwechsel des Oberst), Adjudant usw. der Oberst, Oberstleutnant und Major (auch Oberstwachtmeister genannt). "Nach der Benennungsart der Zeit waren alle diese "Offiziere". Den später so bestimmten Unterschied zwischen den verschiedenen Befehlsgraden gab es damals nicht" (Sörensson, 439f.) Diese drei Stabsoffiziere waren auch Kompaniekommandanten. Ihre Kompanien wurden von je einem Leutnant geführt. Daneben gab es bei jeder Kompanie einen Fähnrich, bei der Kavallerie "Kornett" genannt, der vor allem die Fahne (bzw. die Standarte) führen sollte und dafür verantwortlich war. Die soziale Schichtung im Heer war scharf. Der Unterschied zwischen Offizier und Fußknecht trat zur Zeit des Dreißigjährigen Krieges stärker hervor als in der Landsknechtszeit. "Der soziale Aufstieg glückte dem einfachen Landsknechten nur selten [...]. Der normale' Söldner wurde allenfalls Rottmeister (Unteroffizier) oder Wachtmeister (Feldwebel). Bei den höheren Dienstgraden blieben Adel und wohlhabendes städtisches Bürgertum weitgehend unter sich" (Schmidt, 85f.). Allerdings schien hier die gesellschaftliche Grenze zwischen Adeligen und Bürgerlichen nicht mehr so deutlich. Ein kaiserliches Mandat von 1630 kann als Anhaltspunkt für die verschiedenen Dienstränge und Besoldungen unter den Fußtruppen dienen:
Motivation zum SöldnerlebenWarum zogen in der Zeit des Dreißigjährigen Krieges Menschen als Söldner in den Krieg? Welche Motivation steckte hinter dieser Entscheidung? Die oft genannte Abenteuerlust und die Hoffnung auf Beute haben hierbei sicherlich eine Rolle gespielt, dazu gibt es zahlreiche zeitgenössische Zeugnisse. Oft aber dürfte wirtschaftliche Not der Anlaß gewesen sein. Die sogenannten "nährenden Berufe" erlitten im Krieg so große Einbußen, daß ein Bauer oder "normaler" Bürger nur schwerlich sein Auskommen fand. Man muß deshalb vorsichtig sein, wenn man Söldner als "Freiwillige" bezeichnet. Viele von ihnen - besonders gegen Ende des Dreißigjährigen Krieges, als es kaum mehr zivile Verdienstmöglichkeiten im verwüsteten Land gab - hatten schlichtweg keine andere Wahl. Der militärische Beruf war so gesehen eine Existenzmöglichkeit, in zweierlei Hinsicht: einmal, weil er den Lebensunterhalt finanzierte und zum anderen, weil er Schutz bot. Im Dreißigjährigen Krieg war es oft besser, sich in einem geschützten Heeresverbund zu befinden, als auf sich allein gestellt zu sein. Freiwillig waren auch jene Bauernsöhne nicht, die durch das System der Konskription gezwungenermaßen zu Kriegsmännern gemacht wurden. Die Flucht vor religiöser Verfolgung spielte nur in manchen Regionen eine Rolle. So ist überliefert, dass der Söldnerführer Wallenstein, für den Bekenntnisfragen eher unwichtig waren, mit seiner Werbung besonders in Oberösterreich Erfolg hatte, weil sich Tausende von Protestanten, die unter der Gegenreformation litten, bei ihm anwerben ließen. Aber auch dort wo keine unmittelbare Bedrohung gegeben war, konnte ein sofort ausbezahltes Handgeld und neue Kleidung, die Aussicht auf Sold und Beute - auch wenn Beute und Kriegsruhm meistens den höheren Befehlshabern vorbehalten blieben - "eine attraktive Alternative zu einer bürgerlichen Existenz sein, in der Arbeit und Lohn häufig nur schwer zu bekommen waren und ein hohes Risiko bestand, von Söldnern beraubt oder durch die zahlreiche Steuern ruiniert zu werden" (Parker, 284). Der soziale Aufstieg war für einen einfachen Landsknecht allerdings eine höchst seltenes Glück. Religion / Gesinnung eines SöldnersFür wen oder was kämpfte ein Söldner im Dreißigjährigen Krieg? Das Söldnertum war nur äußerst eingeschränkt an Bezugspunkte wie Reich, Vaterland und Heimat gebunden. Deutsche Söldner bei ausländischen Heeren, ausländische Söldner auf Reichsboden - dies war eine typische Erscheinung während des Dreißigjährigen Krieges. Eine nationale Bindung, wie sie etwa im 18./19.Jahrundert zu finden ist, fehlte. Als Beispiel mag hier ein bayerisches Regiment dienen, bei dem man 1644 bei einer Musterung insgesamt 16 erschiedene Nationalitäten festgestellt hat. Eine Ausnahme dagegen bildete das Heer, mit dem Gustav II. Adolf 1630 durch Deutschland zog. Es bestand hauptsächlich aus Schweden und Finnen. Doch die Verluste während des Marsches - der unter anderem bis nach München führte - zwangen Gustav II. Adolf dazu, Söldner anzuwerben und so verlor auch dieses Heer seine nationale Prägung. Auch die religiöse Bindung wurde schwächer. Während Tilly oder Gustav II. Adolf weitgehend katholische bzw. protestantische Heere führten, nahmen es andere Kriegsherren, wie z.B. Wallenstein, damit weniger genau. HeeresversorgungWaren die Heere zu Beginn des Dreißigjährigen Krieges noch etwa 20.000 Mann groß, wuchsen sie im Laufe der Zeit auf bis zu 120.000 Mann an. Diese Höchststärke soll etwa das wallensteinische Heer im Jahre 1633 erreicht haben (Vgl. von Frauenholz, 37). Der Unterhalt dieser in Europa erstmals auftretenden Massenheere stellte die Landesherren nicht selten vor erhebliche finanzielle und organisatorische Probleme. Bislang waren Kriege mit kaum mehr als 10.000 Mann geführt worden. Eine 'Logistik' im Sinne des heutigen militärischen Verständnisses war bis dato noch nicht entstanden. Dadurch waren die Truppen gezwungen, für sich selbst zu sorgen. Dies erklärt auch die Bildung des mitreisenden zivilen Anhängsels, des sogenannten Troß, der sich um jeden Militärverband herum bildete, und der diesen manchmal an Größe noch übertraf. Kein Staat konnte seine bewaffnete Macht mehr aus der eigenen Tasche finanzieren. Die Kosten eines Feldzuges wurden den in Mitleidenschaft gezogenen Städten und Ländern in Form von Kontributionen auferlegt, also "Steuern, die unmittelbar von jeder Gemeinde in der jeweiligen Umgebung der Armee erhoben und entweder bar oder in Form von Gütern und Dienstleistungen entrichtet wurden, an denen die Truppen Mangel litten" (Parker, 288). Damit war allerdings die Ernährungsfrage noch nicht gelöst. Nach zeitgenössischen Schätzungen benötigte ein Söldner pro Tag etwa ein Kilo Brot, ein Pfund Fleisch und drei Liter Bier (dies war allerdings ein schwächer alkoholisches Getränk als heutzutage). Dies bedeutete für eine Armee von 40.000 Mann, daß pro Tag 40.000 Kilo Brot gebacken, 20.000 Kilo Fleisch (ca. 100 Ochsen) bereitgestellt und 120.000 Liter Bier ausgeschenkt werden mußten. "Daß mit einer Feldarmee 25 000 Stück Vieh zogen, war üblich und unumgänglich" (Schmidt, 86). Die Heere waren aus Transportgründen gezwungen, sich in der Nähe von Flüssen zu bewegen. Wenn die benötigten Lebensmittel nicht mehr zu erhalten waren, zogen die Armeen dorthin, wo es Lebensmittel gab. Unter diesen Umständen hatte die Rücksicht auf Proviantierungsmöglichkeiten einen oft ausschlaggebenden Einfluß auf die Kriegführung: "Oft kann ein scheinbar unbegreifliches Manöver ganz einfach durch Proviantierungsrücksichten erklärt werden. Proviantmangel kann dazu zwingen, von der Verfolgung des geschlagenen Feindes abzulassen, er kann die Fortsetzung einer Belagerung unmöglich machen, obgleich der Erfolg greifbar nahe zu sein scheint" (Sörensson, 456). Neben der lebensnotwendigen Suche nach Lebensmitteln konnte aber auch die Gier nach Beute jede Strategie zum Scheitern bringen: Raubende Truppen "verzichteten" beispielsweise darauf, weiter anzugreifen oder fielen über den eigenen Troß her. Ein lohnendes Ziel, denn ein Heer zur Zeit des Dreißigjährigen Krieges hatte alles bei sich, was es an Gerät, Waffen, Ersatzteilen und Munition brauchte. Der Rest wurde nach Schlachten, bzw. Eroberungen von Städten den Gegnern abgenommen. Auch Sachwerte durften in Massen zusammengerafft werden. Etwa dann, wenn eine belagerte Stadt die Übergabe verweigerte. | |||||||||||||||||
TrossDer Fuhrpark, der ein Heer begleitete, beförderte neben dem Hausstand der Offiziere Munition, Artillerieausrüstung, Schanzwerkzeug und Belagerungsmaschinen, aber nur wenig Nahrungsmittel. Der sich daran anschließende Troß bildete jedoch das eigentliche Problem. Er war, militärisch gesehen, unentbehrlich, aber wegen seiner Größe schlecht kontrollierbar. Außerdem fanden sich in dem wandelnden "Heeresschwanz" neben für den Nachschub Verantwortlichen, Frauen, Kinder, Mätressen, Dienern, Mägden und Knechte auch dubiose Geschäftemacher, viele sozial entwurzelte Außenseiter und Invaliden. Zu zwei bayerischen Regimentern aus dem Jahre 1646 ist z.B. bekannt, daß sie aus 480 Fußsoldaten in Begleitung von 74 Dienern, 314 Frauen und Kindern, drei Marketenderinnen und 160 Pferden und aus 481 Berittenen mit 236 Dienern, neun Marketenderinnen, 102 Frauen und Kindern und 912 Pferden bestand (Parker, 290). Das sind insgesamt 961 Soldaten begleitet von 738 "Zivilisten" und 1018 Pferden. |
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KriegsrechtDie unendliche Freiheit des Söldners darf man größtenteils als Trugbild bezeichnen. Er durfte zwar im Gegensatz zu den Zivilisten Waffen tragen und war der landesherrlichen oder städtischen Justiz entzogen. Auch hatte er theoretisch gewisse Aufstiegschancen innerhalb des Militärs und in Einzelfällen stand sogar ein Adelstitel in Aussicht. Aber ab dem Zeitpunkt der Musterung war der Soldat einer scharfen Militärgerichtsbarkeit unterworfen. "Im Dreißigjährigen Krieg wurde das Malefizgericht der Landknechtszeit, bei dem die Knechte noch untereinander Recht gesprochen und vollzogen hatten, abgelöst durch eine organisierte Militärjustiz. Kriegsrichter fällten die Urteile, und eigens bestallte Profosse oder Gewaltiger vollstreckten sie" (Bedürftig, 156). Das Kriegsrecht wurde in jener Zeit in zwei Formeln festgehalten, im Artikelsbrief und in der Bestallungsordnung. Der Artikelsbrief sollte im wesentlichen Punkte von allgemeiner Bedeutung enthalten, die alle Offiziere, Unteroffiziere und Mannschaften wissen mußten. Die Bestallungsordnung dagegen enthielt die Vereinbarung zwischen dem Kriegsherrn und den Werbeherrn. Das Kriegsrecht bezog sich dabei auch auf die Zivilpersonen, die mit dem Troß reisten. Die Strafen der Militärjustiz unterschieden sich von denen der bürgerlichen Justiz. "Die Verurteilten wurden nicht in den Stock oder ins Gefängnis, sondern in Eisen gelegt, und man hängte sie auch nicht am ordinären Galgen auf, sondern an Bäumen oder (in Städten) an extra aufgerichteten Quartiergalgen'" (Bedürftig, 156). Weitere Strafen waren Arrest, Auspeitschen, zusätzlicher Wachsdienst, Prangerstehen. Die Höchststrafe drohte bei Feigheit, Meuterei, Desertion. Die meisten kriegsgerichtlichen Verfahren behandelten Übergriffe gegen die Zivilbevölkerung. Hier die Disziplin zu halten war aber in vielen Fällen ein unerreichbares Ziel. |
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Disziplin"Die Disziplin ist in vielen Hinsichten ein sehr dunkles Kapitel, und hier tritt der Unterschied zwischen der Zeit des Dreißigjährigen Krieges und der unsrigen und zwischen Theorie und Praxis fast am allergrellsten hervor" (Sörensson, 445). Die Verordnungen und die Strafen lassen wahrlich an Schärfe nichts zu wünschen übrig. Aus Feldakten läßt sich ersehen, daß laut einem Generalbefehl aus dem kaiserlichen Hauptquartier von 1641 jeder, der das zweite Mal beim Fluchen erwischt würde, mit dem Tode bestraft werden sollte (Vgl. Sörensson, 446). Ebenso unter schwere Strafen gestellt waren beispielsweise Mißhandlung von Untertanen, Befehlsverweigerung, Diebstahl von Vieh, Duelle und Schlägereien. Angesichts solch drakonischer Strafen ist es nach unserem heutigen Verständnis verwunderlich, daß die Disziplinlosigkeit der Söldner außer Dienst und ihre Zügellosigkeit gegenüber der Bevölkerung so zahlreich wie verheerend war. Dieser Widerspruch läßt sich vermutlich einmal mehr mit unpünktlichen Soldzahlungen und der mangelhaften Lebensmittelversorgung erklären. "Wenn der Sold nicht gezahlt wurde, hielten die Krieger sich schadlos bei den Bauern und Bürgern. Sie waren oft einfach dazu gezwungen, denn wovon sollten sie sonst leben? Geld hatten sie nicht; die Heeresleitung gab ihnen oft nicht mal das trockene Brot; man konnte sich nicht wundern, daß sie sich dann selbst ihren Unterhalt verschafften" (Sörensson, 446). Je länger der Krieg dauerte, desto schlimmer wurde das Elend der Soldaten, aber auch die Not der Bevölkerung nahm rasch zu. Der Kampf um Lebensmittel zwischen Bauern und Söldnern wurde zeitgenössischen Berichten zufolge immer erbitterter. Und nicht selten ging das aus der Not geborene Suchen nach Lebensmitteln in reine Plünderungen über (Vgl. Sörensson 447). Doch wie sollte die Heeresführung bzw. die oberen Befehlshaber dieser Disziplinlosigkeit Herr werden, deren Ursache sie oftmals selbst waren (Rückstand in den Soldzahlungen) und an denen sich auch der ein oder andere Offizier gerne beteiligte? Über die Disziplin auf dem Schlachtfeld dagegen gab es keine größeren Klagen. (Vgl. von Frauenholz, 26). | |||||||||||||||||
Die SchlachtenBewaffnete Auseinandersetzungen wurden während des Dreißigjährigen Krieges in Feldschlachten und Belagerungen von befestigten, strategisch wichtigen Städten ausgetragen. Angriffe auf befestigte Stellung wurden allerdings lieber vermieden, zu aussichtslos schien der Kampf gegen Befestigungsanlagen und Schanzgräben. Aus der späteren Zeit des Dreißigjährigen Krieges "gibt es kein einziges Beispiel, daß ein solcher Angriff in größerem Maßstab gelungen wäre" (Sörensson, 451). Hatte ein vielleicht gar zahlenmäßig unterlegenes Heer die Zeit, sein Lager mit einfachen Feldbefestigungen zu umgeben, war es praktisch unangreifbar. Dies prägte natürlich auch in hohem Maße die Strategie. Da sich ein Heer mit solch einfachen Mitteln einer Entscheidung auf dem Schlachtfeld entziehen konnte, war es, außer bei zufälligen Zusammenstössen, fast immer von Nöten, daß beide die Entscheidung auf dem Schlachtfeld auch wirklich wollten. Wegen ihres ungewissen Ausgangs bedeutete die offene Feldschlacht immer ein Risiko. Die vielen Einzelgefechte machten es den Kommandierenden häufig schwer, den genaue Überblick über das Geschehen zu behalten. Waren die Truppenteile erst in den Kampf geführt, blieben kaum Möglichkeiten für eine grundlegende Änderung der Schlachtordnung. Wer eine Schlacht gewonnen hatte, ließ sich dann oft nicht immer eindeutig feststellen. Wenn keine der beiden Kriegsparteien bis zum Einbruch der Dunkelheit das Schlachtfeld geräumt hatte, wurden die Kämpfe für die Nacht eingestellt. Über den Rückzug entschieden letztlich die Nerven der oberen Befehlshaber und der Soldaten. So wurde nun das Heer, welches sich länger auf dem Schlachtfeld hielt, im allgemeinen als Sieger angesehen. Jedoch war es sogar nach einer schweren Niederlage dem Geschlagenen möglich, sich in relativ kurzer Zeit zu erholen und neu zu formieren. Das war teilweise darauf zurückzuführen, dass auf dem Schlachtfeld nur ein verhältnismäßig geringer Teil der gesamten bewaffneten Macht versammelt war. Außerdem hing die Möglichkeit den Krieg fortzusetzen, da die kleine nötige Truppenzahl durch Werbung leicht wieder zu beschaffen war, "wenn man nur Geld hatte, hauptsächlich von den finanziellen Mitteln ab" (Sörensson, 454). Die Kriegführung selbst hing stark von der Organisation, den Verkehrsmitteln und der Beschaffenheit des Landes ab. Die Schlachten liefen zu Beginn des Dreißigjährigen Krieges im großen und ganzen ähnlich ab. Beide Heere marschierten gegeneinander auf. Die Infanterie befand sich in der Mitte, begleitet von der Kavallerie auf beiden Flügeln. Nach den Kampfhandlungen, wobei sowohl mit Pistolen geschossen wurde, als auch blanke Waffen wie die Pike zum Einsatz kamen, konnte sich meist die Kavallerie einer Partei auf einem oder auf beiden Flügeln durchsetzen. Wenn sich allerdings jeweils eine der beiden Parteien durchkämpfen konnten, wurde der entscheidende Kampf zwischen den beiden siegenden Flügeln ausgefochten (Vgl. Sörensson, 450f.). Der Kampf der Infanterien gegeneinander war für die Schlacht meist nicht entscheidend. Bei den Schlachtaufstellungen vollzog sich im Laufe des Dreißigjährigen Krieges ein wichtiger Wandel. Kämpften die Heere zu Beginn noch in starren Gevierthaufen (= Viereckformationen von Pikenträgern und Musketieren, dazwischen und auf den Flügeln die Reiterei), deren Wirkung vor allem in ihrer Masse bestand, "gewann seit dem Kriegseintritt Schwedens die weniger tief gestaffelte «schwedische Schlachtordnung» an Bedeutung" (Schmidt, 87). Gustav Adolf hatte die Militärreform, die Moritz von Nassau 1590 in der holländischen Armee durchgeführt hatte, fortentwickelt. Er stellte kleinere Einheiten mit einer Tiefe von höchstens sechs Mann auf das Schlachtfeld. Diese Formationen waren kleiner und bezogen ihre Kampfstärke mehr aus der Feuerkraft denn aus dem Einsatz der Piken. Diese Verringerung der Staffeltiefe bedeutete jedoch "zwangsläufig eine Ausdehnung der Schlachtlinie, so daß sich eine größere Zahl von Soldaten als bisher im Kampf Mann gegen Mann bewähren mußte" (Parker, 296). Wegen der geringen Tiefe wuchs jedoch die Gefahr eines feindlichen Durchbruchs und einer Flucht der eigenen Leute. Diszipliniert kämpfende Söldner waren die unentbehrliche Grundlage für das Gelingen der neuen Gefechtstaktiken. Um die Technik der Salve (bei der jede Reihe gleichzeitig ihre Gewehre auf den Feind abfeuerten und sich anschließend zum Laden zurückzog, während die neuen Reihen aufrückten und den Vorgang wiederholten) auch bei anstürmendem Feind ausführen zu können, war nach einem von Johann Jacobi von Wallhausen (1580-1627) verfaßten Kriegsbuch die Beherrschung von 143 Griffen nötig. Den Pikenieren reichten zum Vergleich etwa 21 (Vgl. Schmidt, 87). Ein harter Drill und strenge Ausbildung jedes einzelnen Soldaten im Umgang mit den Handfeuerwaffen waren - wie die Disziplin - unabdingbar. Sämtliche Bewegungsabläufe mußten "im Schlaf" beherrscht werden. Von den Schweden stammt auch die Idee zur Entwicklung der "Doppelsalve": Drei Reihen - die vorderste auf den Knien, die zweite in gebückter Haltung und die Dritte im Stehen - feuerten gleichzeitig. Durch ihre große Beweglichkeit und hohe Feuerkraft kann man die schwedische Armee über weite Strecken des Krieges als überlegen bezeichnen. "Leichtere Geschütze und flexiblere Kampftaktiken, Ausbau der Kavallerie, insbesondere der leichten Reiterei, und innerhalb der Infanterie eine spürbare Gewichtsverlagerung zugunsten der Musketiere verdeutlichen, wie sich die Taktik in Richtung auf größere Feuerkraft und erhöhte Beweglichkeit fortentwickelte" (Schmidt, 88). |
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ÜberlebenschancenDie Verluste in Feldschlachten - vor allem, wenn die feindlichen Heere annähernd gleiche Stärke hatten - waren enorm. Die Kämpfe zogen sich oft über Stunden hin. Unter den einfachen Söldnern waren deshalb die Chancen, eine offene Feldschlacht zu überleben, nur gering. Ihnen drohte vor allem die Verwundung durch Musketenkugeln und Blankwaffen, die nur schwer zu heilen waren. Während einer Belagerung dagegen hungerten die Soldaten der Belagerungsarmee oft genauso, wie das die Bewohner der belagerten Stadt taten. Ein Sieg wurde meist teuer erkauft. "Mit Verlusten von einigen tausend Mann mußte man unter allen Umständen rechnen, und die Krankenpflege war sehr mangelhaft, so daß schon das Schicksal der Verwundeten ein Problem war" (Sörensson, 453). |
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MeutereiMeutereien kamen relativ selten vor. Zwar war es bei deutschen Söldnern üblich, bei ausbleibendem Sold o.ä. einen oder mehrere Anführer zu wählen, die solange mit den Kriegsherren verhandelten, bis die Mißstände behoben waren. In dieser Zeit wurde der Kriegsdienst verweigert. "Das war jedoch die Ausnahme, gewöhnlich reagierten die Soldaten auf schlechte Bezahlung oder Versorgung mit Fahnenflucht" (Parker, 292). Allerdings gelang es den Befehlshabern erstaunlich oft, die Leute zu vertrösten, und manchmal gar jahrelang hinzuhalten. Die Soldaten verschafften sich derweil durch Plündern Ersatz für den ausgebliebenen Lohn. Wegen Soldforderungen meuterte beispielsweise 1633 das protestantische Heer in Süddeutschland. Letztendlich waren die Kriegsherren gezwungen, den Truppen zu erlauben, selbst im Umland Kontributionen einzutreiben. "Zu den letzten Unruhen kam es - wie immer wegen Soldrückständen - während der Demobilisierung in der bayerischen und in der schwedischen Armee" (Bedürftig, 156). | |||||||||||||||||
InfanterieBestehend aus Pikenieren und Musketieren, bildete die Infanterie die wichtigste taktische Einheit im Gefecht. Entstanden war sie aus den starren, mit Spießen/Piken ausgerüsteten, 50 Mann tief gestaffelten "Gewalthaufen" der Schweizerkriege und der Landsknechtszeit. Das Verhältnis von Pikenträgern und Musketieren verschob sich im Laufe des Krieges zugunsten der letzteren. Zu Beginn des 17. Jahrhunderts war bereits die Hälfte der Fußtruppen mit Handfeuerwaffen, zumeist Musketen, ausgestattet Dazu benötigten sie außerdem Pulverflaschen, Kugeln, Pulver und Lunten. Feldakten konnte man sogar entnehmen, daß in der kaiserlichen Hauptarmee - beispielsweise im Juni 1641 - bereits vier Fünftel der Infanterie mit Feuerwaffen bewaffnet waren (Vgl. Sörensson, 444). Die übrigen Infanteristen trugen Stangenwaffen, meistens vier bis fünf Meter lange Piken. Ein Angriff wurde stets von den Schützen eingeleitet, während in den Ladepausen die Pikeniere die Musketier gegen Reiterangriffe schützen mußten. "Die Pikenträger galten schon den Zeitgenossen als arme Hunde, die mit ihren Körpern die Musketiere - vor allem während des langwierigen Ladevorgangs - schützen mußten" (Schmidt, 87). Beim Durchbruch durch die feindlichen Linien allerdings wurden wieder die Pikeniere eingesetzt. Neben Stangen- oder Handfeuerwaffe war jeder Infanterist noch mit einer Waffe für den Nahkampf, z.B. mit einem Schwert, Säbel oder Dolch ausgerüstet. Teilweise trugen die Infanteristen auch Helme oder Brustharnische (Vgl. Bedürftig, 103). |
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KavallerieMit der Kavallerie (auch Reiterei genannt) sollte der Gegner durch schnelle Manöver und Bewegungen überrascht werden. Die Kavallerie wurde immer noch als der vornehmste Truppenschlag angesehen. "Sie wurde größtenteils aus Edelleuten rekrutiert, und auch der gemeine Kürassier war ein Herr, der sich seine eigenen Diener und 2-3 Pferde hielt" (Sörensson, 431). In militärischer Hinsicht hatten die gepanzerten Reiter allerdings seit dem Mittelalter durch die Infanterietaktik der Landsknechte und die Einführung der Feuerwaffe an Bedeutung eingebüßt. Dass die Heere auch im Dreißigjährigen Krieg zu gut einem Drittel noch aus Reitern bestanden, war in der Tatsache begründet, daß sie nun andere Aufgaben zu erfüllen hatten. Als schnelle bewegliche Angriffstruppe blieben sie unersetzlich. Ausgestattet war ein Reiter im 17. Jahrhundert mit Helm sowie Brust- und Rückenharnisch (der sogenannte Küraß, von dem sich die Bezeichnung Kürassiere ableitet). Als Griffwaffen für den Hieb führte er Schwert, Pallasch und Säbel mit sich. Aber auch in der Reiterei fanden Handfeuerwaffen immer mehr Verbreitung (Pistole, Arkebuse, später der noch kürzere Karabiner). Für den Angriff mit diesen Waffen hatte man eine spezielle Taktik entwickelt: "Man ritt in mehreren Linien an, die jeweils feuerten und abschwenkten, danach erfolgte die Attacke in geschlossener Formation mit blanker Waffe" (Bedürftig, 188). Die Reitermassen wurden in der Regel an den Flügeln postiert, während die Mitte der Schlachtordnung von der Infanterie verteidigt wurde. Gustav Adolf mischte als erster Musketiergruppen und leichte Artillerie unter die Reiterschwadronen und ließ die Waffengattungen sich gegenseitig unterstützen. "Das hieß zwar zeitweilig Geschwindigkeit und Schwung der Kavallerieaktionen dämpfen, erlaubte aber ein besseres Umgehen mit wechselnden Gefechtssituationen. Diese Taktik des Umschaltens von Angriff auf Defensive und von Defensive auf Angriff, [...] wurde schon bald von den übrigen Armeen kopiert" (Bedürftig, 188). |
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ArtillerieDie Artillerie bestand im 17. Jahrhundert aus sehr schweren Geschützen, die von Pferden gezogen werden mußten. Ein Stellungswechsel nach Beginn einer Schlacht war fast unmöglich. Die schweren Kanonen und die Mörser wurden bei weiteren Märschen nicht immer mitgeschleppt, sondern nur bei größeren Belagerungen eingesetzt (vgl. Sörensson, 445). Dann dienten sie vor allem der Beschädigung der Befestigungsanlagen und der Demoralisierung der Belagerten (vgl. von Frauenholz, 34). Gebräuchlichstes Kanonenmodell während des Dreißigjährigen Krieges war die Kartaune in unterschiedlichen Größen. Die ganze Kartaune hatte Kugeln mit 42 Pfund, die halbe, viertel oder Achtelkartaune entsprechend leichtere Geschosse. Außerdem gab es Mörser (Steilfeuergeschütze), die Kugeln im Gewicht von 15-47 Pfund verschossen, und sogenannte Orgelgeschütze mit kleineren Kalibern, aber mit bis zu 60 Rohren. Als Munition wurden zumeist Kugeln aus Gußeisen verwendet. Es gab aber auch sogenannte Kartätschen. Dies waren Beutel oder Büchsen, die mit Steinen, Nägeln oder Schrott gefüllt waren. Granaten waren Hohlkugeln, die mit einer Sprengstoffladung gefüllt waren. Auch Brandsätze wurden von der Artillerie verschossen. Besonders gefürchtet waren Kettenkugeln, also Kugeln, die mit einer Kette verbunden waren. Während des Fluges rotierten sie und konnten viele Todesopfer in dicht gestaffelten Infanterie- oder Kavalleriereihen fordern. Pro Tag konnte eine Kanone ungefähr 50 Schuss abgeben. Gekämpft wurde nur bei Tageslicht, also rund fünfzehn Stunden. Das heißt, in einer Stunde konnte eine Kanone drei bis vier Kugeln abfeuern. Für die Handhabung der Geschütze waren Spezialisten zuständig, die im Heer einige Privilegien - beispielsweise Vortritt bei der Essensausgabe - genossen. Der Stückmeister führte das taktische Kommando. Der Büchsenmeister kümmerte sich um die Technik. Manchmal kam es vor, dass die Artillerie unfreiwillig zum Mißlingen einer Schlacht beitrug. Gegnerische Treffer in den Munitionswagen richteten verheerenden Schaden an, aber auch Fehler der Bedienungsmannschaft konnten zu Explosionen in den eigenen Reihen führen. |
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Waffen1. HandfeuerwaffenErst gegen Ende des 14. Jahrhunderts kamen Feuerwaffen auf, die ein einzelner Mann tragen konnte. Die sogenannten Handrohre waren dabei so umständlich zu bedienen wie eine Kanone. Im 15. Jahrhundert wurden Schloßmechanismen entwickelt, die die Handhabung erleichterten; zum Entzünden der Treibladung wurde aber immer noch glühendes Material, ein Zündschwamm oder eine Lunte, benötigt, die von außen zugeführt wurden. Mit dem Radschloss, das im 16. Jahrhundert, und dem Schnappschloss, das im 17. Jahrhundert aufkam, fand man ein Mittel, den Funken, der die Pulverladung entzündete, in der Waffe selbst zu erzeugen. Allerdings waren solche Schlösser sehr teuer, da sie in mühseliger Handarbeit gefertigt werden mussten. Infanteristen im Dreißigjährigen Krieg benutzten vor allem die Muskete, die in Spanien in der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts erfunden worden war. Die Muskete war - wie alle Feuerwaffen zu dieser Zeit - ein Vorderlader mit Luntenschloss. Eine Muskete konnte bis zu 1,80 Meter lang sein und elf Kilo wiegen. Zum Schießen wurde der Holzschaft der Muskete an die Schulter gezogen, der Lauf ruhte auf einer Gabel, die in den Boden gesteckt wurde. Die Bleikugeln, die sich der Söldner selbst aus einem mitgeführten Bleiklumpen goss, wogen 50 Gramm. Das Laden war sehr umständlich. In einem Kriegshandbuch aus dem Dreißigjährigen Krieg werden dem Musketier 143 Griffe vorgeschrieben. Die Treffsicherheit betrug bei 75 Metern immerhin noch 50 Prozent. Die Waffenfabriken Gustav II. Adolfs entwickelten leichtere Modelle, die ohne Gabel auskamen und mit fertig verpackten Patronen eine höhere Schußfolge ermöglichten. Die leichteren Musketen ermöglichten auch eine höhere Beweglichkeit der Schützen, dadurch konnten diese dann erstmals in größeren Gruppen zusammengefaßt und als bewegliche Kampfeinheit im Zusammenwirken mit der Reiterei oder den immer noch mit Stangenwaffen ausgerüsteten übrigen Infanterieverbänden verwendet werden. In der Reiterei waren neben Hieb- und Stichwaffen auch Pistolen im Gebrauch, daneben Gewehre mit kurzem Lauf, die Arkebusen, später Karabiner genannt" (Bedürftig, 90f.). |
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2. Hieb- und StichwaffenEine Griffwaffe zum Hauen oder Stechen gehörte zur Grundausstattung des Soldaten im Dreißigjährigen Krieg. Schwert, Pallasch, Säbel und Messer zählen zu den Hiebwaffen. Als Stichwaffen gelten Degen, Rapier und Dolch.
(vgl. Bedürftig, 97f.) | |||||||||||||||||
3. StangenwaffenStangenwaffen waren die klassischen Waffen der Infanterie. Unterschieden werden Stangenwaffen zum Hieb (Axt), zum Hieb oder Stoß (Hellebarde, Kriegssense), zum Stoß (Spieß, Pike, Partisane) und zum Schlag (Streitkolben, Morgenstern, Kriegsflegel):
(Bedürftig, 211f.) |
| Zitieren Sie diesen Artikel bitte als: Claus von Wagner und Niclas Müller: Der Söldner im Dreissigjährigen Krieg, in: Gudrun Gersmann / Torsten Reimer (Hg.): München im Dreißigjährigen Krieg. Ein universitäres Lehrprojekt, 1. Version vom 6.12.2000, URL: http://www.krieg.historicum.net/themen/m30jk/soeldner.htm |